Proteste nach Tod eines Jungen Türkische Polizei nimmt 150 Demonstranten fest

In der Türkei flammen die Proteste wieder auf: Tausende gehen in Istanbul und anderen Städten auf die Straße, Steine fliegen. Die Polizei reagiert mit Tränengas und Wasserwerfern. Laut örtlichen Medien wurden mehr als 150 Demonstranten festgenommen.


Istanbul - Wieder stehen sich in türkischen Städten Demonstranten und Polizei gegenüber: Weil ein Junge, der durch Polizeigewalt seit neun Monaten im Koma lag, am Dienstag starb, gehen die Menschen erneut auf die Straße. Dabei ist es in der Nacht zum Mittwoch offenbar zu 150 Festnahmen gekommen. Das berichten örtliche Medien.

Verletzt wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur Dogan etwa 20 Demonstranten. Aus mehreren weiteren Städten sei eine größere Zahl von Festnahmen bekannt, meldet die türkische Tageszeitung "Radikal".

Berkin Elvan starb nach 269 Tagen im Koma

Der Junge, dessen Tod der Auslöser der Demonstrationen ist, war im Juni vergangenen Jahres auf dem Höhepunkt der Protestwelle im Gezi-Park von einem Tränengasgeschoss der Polizei am Kopf getroffen worden. Und wieder setzte die Polizei gegen die etwa tausend Protestierenden vor dem Istanbuler Krankenhaus am Dienstag Tränengas und Wasserwerfer ein. In dem Hospital war der Junge Berkin Elvan nach 269 Tagen im Koma gestorben. Protestierende warfen Steine auf einen Polizeibus und entwendeten Helme und Schilde.

Nach der Nachricht vom Tod des Jungen, dessen Schicksal in der Türkei zu einem Symbol für das harte Vorgehen der Polizei gegen die Proteste geworden ist, gab es Demonstrationen in zahlreichen Städten. In Ankara ging die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern gegen rund tausend Studierende vor der Technischen Universität vor, die mit Fotos des toten Berkin in den Händen eine wichtige Verkehrsader blockierten.

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Nach Tod von Berkin Elvan: Wut und Trauer in Ankara und Istanbul

Auf einem zentralen Platz der Hauptstadt versammelten sich weitere Hunderte Demonstranten. Augenzeugen berichteten von mehreren Verletzten in Ankara. Aus Istanbul wurde mindestens ein Verletzter gemeldet.

Berkin Elvan ist das achte Todesopfer der landesweiten Massenproteste gegen die Regierung, unter ihnen ist auch ein Polizist. Zudem wurden bei den Demonstrationen mehr als 8000 Menschen verletzt. Die Wut der Demonstranten hatte sich an einem staatlichen Bauprojekt im zentralen Gezi-Park in Istanbul entzündet, sich dann aber insgesamt gegen die Regierung von Reccep Tayyip Erdogan gewendet.

vek/dpa/AFP

insgesamt 8 Beiträge
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alline 12.03.2014
1. Was sagen Merkel u. Steinmeier dazu?
Sind es die Bürger auch wert das man ihnen hilft? Wir werden sehen was unsere ja allseits sooo beliebte Kanzlerin dazu sagt! Und Obama?
taglöhner 12.03.2014
2. Einfach mal so
Zitat von allineSind es die Bürger auch wert das man ihnen hilft? Wir werden sehen was unsere ja allseits sooo beliebte Kanzlerin dazu sagt! Und Obama?
Die haben gerade anderes am Hals. Wenn Sie gelesen hätten, was die von Ihnen Genannten anlässlich des brutalen Vorgehens Erdogans bei den Gezi-Park-Protesten geäußert haben, hätten Sie diesen plumpen Einwurf nicht verfasst.
optional_muenchen 12.03.2014
3. Gute Frage!
Zitat von allineSind es die Bürger auch wert das man ihnen hilft? Wir werden sehen was unsere ja allseits sooo beliebte Kanzlerin dazu sagt! Und Obama?
alline, vor der Moral kommt ja bekanntlich das Fressen. Dem RTE und seinen Schergen gibt man noch so lange Zeit, bis sich der Deckel nicht mehr zuhalten läßt, unter welchem Volkes Seele so langsam hinköchelt. Bis dahin rollen € und $. Wenn die Interessen (also die Umsätze der globalen Konzerne) in ernsthafter Gefahr sind, äußern sich die beliebten West-Politiker auch zu den Geschehnissen in der Türkei, ernsthaft, versteht sich.
elvezia 12.03.2014
4. Chronologisch-geografisch wäre die Türkei an der Reihe ...
vom Virus des 'Arabischer Frühling' befallen zu werden.
Lanek 12.03.2014
5.
Zitat von elveziavom Virus des 'Arabischer Frühling' befallen zu werden.
Dass sich die Leute dort gegen ein zunehmend autoritäres und strenger islamisch verhaltendes Regime wehren, in einem Land, das in der islamischen Welt wohl das Vorbild in Bezug auf Laizismus ist/war, finde ich sehr verständlich. Die Wortwahl "Virus" halte ich für unangebracht.
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