Protest in Istanbul Polizei vertreibt letzte Demonstranten vom Taksim-Platz

Mit Steinen und Molotow-Cocktails versuchten Demonstranten in der Nacht, sich gegen die aggressiv agierende türkische Polizei zu wehren - vergebens. Einsatzkräfte und Bulldozer räumten am Morgen die Trümmer auf dem Taksim-Platz in Istanbul. Doch der Widerstand der Erdogan-Kritiker geht weiter.


Istanbul/Washington - Die US-Regierung äußerte sich über die Lage beim wichtigen Verbündeten besorgt, Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon rief alle Beteiligten zu einem friedlichen Dialog auf. Doch von Mäßigung kann noch keine Rede sein: In der Türkei ging die Schlacht zwischen der Polizei und Gegnern der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan auch in der Nacht zum Mittwoch weiter.

Die türkische Polizei räumte den zentralen Taksim-Platz in Istanbul, den Ausgangspunkt der vor knapp zwei Wochen begonnenen Proteste. Die Staatsmacht setzte erneut Wasserwerfer und Tränengas gegen die Demonstranten ein, die wiederum die Polizisten mit Steinen und Molotow-Cocktails bewarfen. Fernsehbilder zeigten, dass sich die Demonstranten in die Nebenstraßen des Platzes und den benachbarten Gezi-Park zurückzogen. Dutzende Demonstranten sollen bei den neuen Auseinandersetzungen verletzt worden sein. Auf dem Platz selbst waren am Morgen nur noch Einsatzkräfte und Bulldozer zu sehen, die Trümmer und Barrikaden wegräumten.

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Türkei: Polizei räumt Taksim-Platz
Obwohl die Behörden versichert hatten, das Protestlager im Gezi-Park nicht räumen zu wollen, drangen Sicherheitskräfte nach Angaben von Aktivisten am Abend erneut in das Camp ein. Die Demonstranten harrten aber auch am frühen Morgen noch in dem Lager aus.

Stunden zuvor hatte Erdogan ein Ende der Demonstrationen gefordert. In einer im Fernsehen übertragenen Rede vor Abgeordneten seiner Regierungspartei AKP ermahnte er die Demonstranten auf dem Taksim-Platz und an anderen Orten, die Proteste aufzugeben. "Aber für die, die weitermachen wollen, sage ich: "Es ist vorbei." Ab sofort gebe es "keine Toleranz" mehr, warnte Erdogan.

Die Polizei hatte sich am Dienstag den ganzen Tag über schwere Auseinandersetzungen mit Demonstranten geliefert. Am Abend waren viele Demonstranten auf einen Aufruf hin wieder zu dem Platz geströmt. Die Polizei feuerte bald darauf Tränengas in eine Menschenmenge. Vorher waren schon Gummigeschosse gefeuert worden.

Der Gouverneur von Istanbul, Hüseyin Avni Mutlu, beschuldigte die Demonstranten, die Polizei angegriffen zu haben. Der Polizeieinsatz auf dem Platz werde so lange fortgesetzt wie nötig, sagte er. Der Gouverneur forderte die Bürger Istanbuls auf, sich vom Taksim-Platz fernzuhalten, bis die Sicherheit wiederhergestellt sei.

Krawalle auch in Ankara

Notarztwagen transportierten am Abend Verletzte ab, ohne dass deren Zahl zunächst bekannt wurde. Auf Fernsehbildern waren Demonstranten zu sehen, die verletzte oder kollabierte Protestler vom Platz schleppten. In mindestens einem Hotel wurde eine improvisierte Aufnahmestation für Verletzte eingerichtet.

Auch aus der Hauptstadt Ankara wurden wieder Zusammenstöße gemeldet. Die Korrespondentin des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira berichtete, dass die Polizei auch dort Wasserwerfer und Tränengas gegen die Gegner der Regierung Erdogan vorgegangen sei. Etwa 5000 Demonstranten hatten sich demnach im Regierungsbezirk Kizilay versammelt und lautstark den Rücktritt der Regierung gefordert. Für Mittwoch ist ein Treffen von Erdogan mit Vertretern der Protestbewegung geplant.

Die Uno rief alle Beteiligten an den Krawallen in der Türkei zur Ruhe auf. Generalsekretär Ban Ki Moon verfolge die Entwicklungen sehr genau, sagte sein Sprecher in New York. "Proteste sollten friedlich sein, und das Recht auf Versammlung und freie Meinungsäußerung sollte respektiert werden, denn das sind fundamentale Prinzipien eines demokratischen Staates."

Die US-Regierung äußerte sich besorgt über das gewaltsame Vorgehen der türkischen Polizei. Der Konflikt müsse im Dialog gelöst werden, sagte Präsidialamtssprecherin Caitlin Hayden am Dienstagabend. Die US-Regierung erwarte von ihrem engen Verbündeten, dass die Türkei fundamentale Freiheitsrechte wie das Recht auf freie Meinungsäußerung und auf Versammlungsfreiheit beachte.

als/dpa/AFP/Reuters

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insgesamt 92 Beiträge
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rosiratlos 12.06.2013
1. Ich glaube nicht,
das Erdogan sich heute mit Irgendwem aus dem Kreis der Demonstranten treffen wird. Es ist schon traurig, wie er mit Andersdenkenden umgeht und verrät uns somit ganz eindeutig, dass er ganz bestimmt kein Demokrat ist.
annanormal 12.06.2013
2. Demokratie nach Erdogan
Das ist das Demokratieverständnis von Erdogan. "Meine Meinung oder keine Meinung". Aussenpolitisch provozieren und innenpolitisch oppositionelle Bewegungen niederschlagen lassen.
jinngo73 12.06.2013
3. Wir sind das Volk
Hut ab vor der türk. Bevölkerung. Es sind keine Terroristen o.ä. , die auf die Barrikaden gehen sondern Menschen... Erdogan verfolgt höchstwahrscheinlich ganz persönliche Interessen, die er schon auf seinen Konten in der Schweiz verteilt hat und muss jetzt " liefern "... Ausländische Investoren erwarten Ergebnisse von ihm für ihre Vorleistungen...Dafür nimmt man den Menschen nicht nur die öffentlichen Parks weg, sondern auch landesweit deren Häuser und Viertel... Ich wünsche der türk. Bevölkerung Durchhaltevermögen ...
jokl 12.06.2013
4. Großprojekte
scheinen nicht nur in Deutschland auf kritische Ohren zu stossen. Dabei hat der Recep nur vor zu bauen und noch gar kein Steuergeld versenkt, ein deutliches Zeichen das wir hier wirklich ruhig aggieren, trotz dem ganzen Bullshit den unsere Regenten quer durch die Republik so abziehen. Liebe Freunde aus der Türkei, lasst euch nicht unterkriegen, zeigt Europa und dem Rest das man mit dem Volk eben nicht alles machen kann was man will. Ich hoffe das sich der Wille der Bürger wenigstens in der Türkei durchsetzt. Ach Herr Erdogan, wir haben da nen paar Drohnen über, haben Sie eventuell Bedarf?
spon-facebook-10000117819 12.06.2013
5. optional
Die Polizei hat mglw. Agents Provocateurs eingesetzt: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=521048171293643&set=a.510253929039734.1073741827.507965195935274&type=1 http://rt.com/news/police-turkey-taksim-square-505/
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