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16. Juli 2016, 12:53 Uhr

Putschversuch

Türkische Soldaten flüchten per Hubschrauber nach Griechenland

Im griechischen Alexandroupolis ist ein türkischer Armeehubschrauber gelandet. Die acht Insassen wurden festgenommen. Sie haben umgehend politisches Asyl beantragt. Offenbar gehörten sie zu den Putschisten.

Um 10.45 Uhr meldete der türkische Militärhubschrauber technische Probleme, nur sechs Minuten später landete der Blackhawk-Helikopter auf dem Flughafen der nordgriechischen Stadt Alexandroupolis. An Bord befanden sich nach Angaben der griechischen Armee sieben türkische Soldaten und ein Zivilist.

Die Crewmitglieder wurden wegen illegalen Grenzübertritts festgenommen. Offenbar gehören sie zu jenen türkischen Militärs, die am Freitagabend einen Putschversuch gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan und seine Regierung starteten. Die Hubschrauberbesatzung beantragte unmittelbar nach der Landung politisches Asyl in Griechenland. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu verlangte via Twitter die sofortige Auslieferung der Soldaten.

Ein griechischer Beamter der Asylbehörde sagte SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Giorgos Christides, der Antrag der acht Türken werde nun aufgenommen. Das Prüfen eines Falles könnte vier Monate dauern. Wenn der Asylantrag abgelehnt werde, könnten die Türken Widerspruch einlegen. Werde dieser ebenfalls abgelehnt, besteht die Möglichkeit einer Klage.

Aus Regierungskreisen hieß es hingegen, Griechenland werde die Asylanträge mit einem beschleunigten Verfahren prüfen. Sicherlich werde das nicht vier Monate dauern. Es handle sich nicht um Flüchtlinge, hieß es weiter, die Regierung werde die sehr delikate und komplexe Angelegenheit untersuchen.

Die acht Personen seien um 12.30 Uhr festgenommen worden, sagte ein Polizeibeamter in Alexandroupolis SPIEGEL ONLINE. Mitarbeiter von mehreren Behörden seien vor Ort, Journalisten ist der Zutritt zur Polizeistation verwehrt.

Die Flucht der Armeeangehörigen nach Griechenland ist deshalb besonders bemerkenswert, weil die Beziehungen zwischen beiden Staaten seit Jahrzehnten äußerst angespannt sind. Mehrfach standen beide Armeen am Rande eines Krieges.

Erdogan und sein Premierminister Binali Yildirim haben ein hartes Vorgehen gegen die Putschisten angedroht. Der Staatschef sagte, er wolle das Militär nun "säubern", der Ministerpräsident plädierte für die Verhängung der Todesstrafe gegen die aufständischen Militärs.

Video: Chronologie der Ereignisse

syd/cte/AP/Reuters

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