Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Türkei: Raketenattacke auf Polizeizentrale in Ankara

Einsatzkräfte im Stadtteil Dikmen: Ermittlungen am Tatort Zur Großansicht
AFP

Einsatzkräfte im Stadtteil Dikmen: Ermittlungen am Tatort

In der türkischen Hauptstadt Ankara haben Unbekannte Polizeigebäude mit Raketen angegriffen. Der Anschlag verursachte lediglich Sachschäden, es gab keine Verletzten. Die Polizei fahndet nach einem Verdächtigen.

Ankara - Der türkische Innenminister Muammer Güler gab am Freitagabend bekannt, dass bei einem Anschlag auf Polizeigebäude in Ankaras Stadtteil Dikmen zwei Raketen eingeschlagen seien. Zudem sei ein nicht explodiertes Geschoss in einem Garten der Anlage entdeckt worden. Es habe Materialschäden, aber keine Opfer gegeben.

Laut dem Fernsehsender NTV wurden die Polizeizentrale und ein benachbartes Gebäude, in dem Sozialdienste der Behörde untergebracht sind, von den Raketen getroffen. Ein Verdächtiger sei auf der Flucht, nach ihm werde gefahndet. Im TV-Sender CNN-Türk war von zwei Flüchtigen die Rede. Die Nachrichtenagentur Dogan berichtete, die Polizei habe Straßensperren errichtet, um die Angreifer zu fassen.

"Illegale Organisation"

Laut der Nachrichtenagentur Reuters erklärte Innenminister Güler, dass in der Nähe des Tatorts ein Raketenwerfer sowie Materialien gefunden worden seien, die "einer illegalen Organisation" zugeordnet würden. Konkrete Informationen zu den mutmaßlichen Tätern nannte Güler nicht. Türkische Medien verdächtigen die linksextreme Gruppe DHKP-C ("Revolutionäre Volksbefreiungsfront"). Diese hatte im März die Verantwortung für einen ähnlichen Angriff auf das Justizministerium sowie den Sitz der Regierungspartei AKP übernommen. Dabei war eine Frau verletzt worden. In Deutschland waren Ende Juni zwei Männer und zwei Frauen festgenommen worden, die dem Führungskader der marxistischen Terrorgruppe DHKP-C zugerechnet werden.

Der Stadtteil Dikmen ist eines der Viertel, in denen in den vergangenen Monaten Proteste gegen die Regierung von Premierminister Recep Tayyip Erdogan entbrannt sind. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag war die Polizei in Ankara mit Gummigeschossen und Rauchgranaten gegen Demonstranten vorgegangen. Studenten in der türkischen Hauptstadt protestieren gegen den Abriss von Teilen ihrer Universität. Sie errichteten Barrikaden und bewarfen die Polizisten mit Steinen. Nach den Plänen der Stadtverwaltung sollen Bäume und Grünflächen auf dem Campus für den Straßenbau weichen.

Ähnliche Pläne hatten vor drei Monaten im Istanbuler Gezi-Park zu breiten Protesten gegen die Regierung Erdogan geführt. Dabei wurden vier Menschen getötet und etwa 7500 verletzt.

Nach dem Tod eines Demonstranten sind die Proteste in Istanbul in der vergangenen Woche wieder aufgeflammt. Am Sonntag hatten sich Sicherheitskräfte und Demonstranten erneut Straßenschlachten geliefert. Im Anschluss an ein Konzert für "Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden" kam es zu Ausschreitungen.

bos/AFP/Reuters

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fläche: 783.562 km²

Bevölkerung: 77,696 Mio.

Hauptstadt: Ankara

Staatsoberhaupt:
Recep Tayyip Erdogan

Regierungschef: Binali Yildirim

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Türkei-Reiseseite


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: