Reaktion auf Trump-Maßnahmen Erdogan verhängt Sanktionen gegen US-Minister

Der Konflikt zwischen der Türkei und den USA spitzt sich weiter zu. Die Regierung in Ankara geht gegen mehrere Minister von US-Präsident Donald Trump vor.

Recep Tayyip Erdogan
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Recep Tayyip Erdogan


Nach den US-Sanktionen gegen mehrere türkische Minister ergreift die Türkei Gegenmaßnahmen: "Wir werden die Vermögen des amerikanischen Justiz- und Innenministers in der Türkei einfrieren, falls sie welche haben", sagte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in einer Fernsehansprache.

"Bis gestern Abend haben wir uns in Geduld geübt", sagte Erdogan. Sein Land wolle sich nun aber nicht an einem Spiel beteiligen, das lediglich Verlierer kenne. "Einen politischen und juristischen Streit auf die wirtschaftliche Ebene zu verlagern, schadet beiden Seiten."

Erdogan sagte, Washington bediene sich einer Sprache "der Drohungen und dummen Sanktionen". Präsident Donald Trump werde von zionistischen Kreisen in den USA getäuscht. Ankara hoffe aber auf eine schnelle Lösung. "Diplomatische Kanäle arbeiten sehr intensiv", sagte Erdogan. Er hoffe, dass die US-Seite so schnell wie möglich zur Vernunft komme.

Erdogan spricht von Respektlosigkeit

Hintergrund des Streits zwischen den beiden Nato-Partnern ist die Inhaftierung des US-Pastors Andrew Brunson in der Türkei, dessen Freilassung Washington verlangt. Das Weiße Haus hatte am Mittwoch Sanktionen gegen die türkischen Minister für Justiz und Inneres, Abdulhamit Gül und Süleyman Soylu, verhängt. Die US-Regierung macht sie für die Festnahme und Inhaftierung des Pfarrers verantwortlich.

Die jüngsten Maßnahmen der US-Regierung in diesem Streitfall, sagte Erdogan nun, seien unter strategischen Partnern nicht angemessen - sondern respektlos gegenüber der Türkei.

Ob die gegenseitigen Sanktionen den betroffenen Ministern tatsächlich schaden, ist fraglich: Die türkischen Minister Gül und Soylu betonten, in den USA kein Vermögen zu haben. Zugleich ist es unwahrscheinlich, dass die von Erdogan genannten US-Minister Vermögenswerte in der Türkei besitzen. Die Sanktionen beider Seiten dürften daher in erster Linie symbolische Wirkung haben.

Droht nun eine Wirtschaftskrise?

Zuvor hatte sich die Krise im amerikanisch-türkischen Verhältnis bereits über Monate hinweg angebahnt: Beide Länder stritten über die Strategie im Syrienkrieg, über die Hintergründe des Putschversuchs in der Türkei, über den Ankauf russischer Raketen durch die Türkei.

Die US-Sanktionen, auf die Erdogan nun reagiert, folgen dem Global Magnitsky Act 2016, der es der Regierung von Präsident Donald Trump erlaubt, Individuen oder Unternehmen weltweit ins Visier zu nehmen. Bislang richten sich die Strafmaßnahmen nur gegen den türkischen Justiz- und gegen den Innenminister; die Amerikaner können sie jedoch jederzeit ausweiten (mehr darüber erfahren Sie hier).

Die Sanktionen treffen die türkische Wirtschaft schon jetzt hart, da das Land mehr als andere Staaten auf Kapital aus dem Ausland angewiesen ist. Sollten Investoren an Vertrauen verlieren, droht dem Land nicht nur eine Währungs- sondern eine umfassende Wirtschaftskrise.

mxw/AFP/Reuters/dpa

insgesamt 54 Beiträge
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Findus_1 04.08.2018
1. mögliche Vermögen der US-Minister?
es kann sich dabei wohl nur um Bagatell-Summen handeln. Es würde mich wundern, wenn die Ministerien für Justiz und Inneres der USA größere Vermögensbestände in der Türkei angelegt hätten. Erdogan sagte "...sofern sie dort welches hätten...". Offensichtlich bläst sich Erdogan hier nur wieder auf.
jsavdf 04.08.2018
2. Und?
Die Nachricht hat es bei NYT und bei der Washington Post nicht auf die Onlineseiten geschafft. Damit es Herr Erdogan auf die Titelseiten schafft müsste er schon persönlich Herrn Gülen entführen. Die USA ist eben ein anderes Kaliber als Deutschland, das wird er aber auch noch lernen. Und wenn er sich Russland zuwendet, wird er schon merken, dass bei den Russen das Geld nicht so locker sitzt wie bei den Amerikanern, mangels Geldes.
Emeka 04.08.2018
3. Rechtsgrundlage
Usa begründet wohl ihre Sanktionen mit der "illegalen" Inhaftierung eines ihrer Bürger. Auf welcher Grundlage fusst die Türkei ihre?Respektlosigkeit der Türkei gegenüber?Einem wird schon bange um die Rechtstaatlichkeit in der Türkei!
oskar.muster 04.08.2018
4. Eine echt fiese Retourkutsche
Realsatire vom Feinsten. Man glaubt oft, es geht nicht besser, aber es wird immer noch Eines darauf gesetzt. Einzig weiß man nicht, wo dieser Unsinn noch enden kann ....
genervtneu 04.08.2018
5. Ist diese politische Reaktion wirklich eine Meldung wert ?
Dass korrupte Regierungspolitiker in nicht so stabilen Staaten ihr Geld mal gerne ins Ausland schaffen ist Fakt und trotzdem sind die Sanktionen der USA wohle eher symbolisch, sonst wären schon längst Meldungen durchgesickert, dass die betroffenen türkischen Minister nennenwerte Summe in die USA geschafft hätten. Die Gegenreaktion ist daher noch lächerlicher und als die übliche Kraftmeierei vor den eigenen Anhängern zu sehen. Wenn man solch hohles Geschwafel jedesmal zum Anlass nimmt einzeln zu berichten misst man dem zu viel Bedeutung bei. Man könnte sowas als separate Newsticker laufen lassen, so wie Trumps Ergüsse auf Twitter, Söder Tourette Syndrom bezüglich der Worte Bayern und Flüchtlinge dann auch Erdogans Beschimpfungen und Drohung vor AKP-Anhängern ....
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