Visastreit Ankara erkennt US-Botschafter in der Türkei nicht mehr an

Der Visastreit zwischen der Türkei und den USA verschärft sich weiter: Der türkische Präsident Erdogan hat mit einem Abbruch der Beziehungen gedroht und den US-Botschafter John Bass attackiert.

Recep Tayyip Erdogan
AFP

Recep Tayyip Erdogan


Der Streit über die gegenseitige Visa-Blockade zwischen den USA und der Türkei eskaliert: Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat den scheidenden US-Botschafter in Ankara, John Bass, ungewöhnlich scharf angegriffen: "Wir erkennen ihn nicht als den Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika in der Türkei an", sagte Erdogan.

Der Präsident sagte weiter, sollte Bass den Stopp der Visavergabe eigenmächtig beschlossen haben, "dann darf die amerikanische Führung diesen Botschafter keine weitere Minute dort halten". Sollte die Entscheidung von der US-Regierung abgesegnet worden sein, dann gebe es "nichts mehr zu bereden".

Weder er noch seine Minister oder der Parlamentspräsident würden Bass zum Abschiedsbesuch empfangen, sagte Erdogan. Bass wird neuer US-Botschafter in Afghanistan. Unklar ist, wann er seinen Posten in der Türkei verlässt. Zur gegenseitigen Visablockade sagte Erdogan: "Nicht wir haben mit diesem Problem angefangen. Der Verursacher dieses Problems sind die Vereinigten Staaten von Amerika selbst."

Erdogan: "Agenten" im US-Generalkonsulat in Istanbul

Nach der Inhaftierung eines türkischen Mitarbeiters des US-Generalkonsulats in Istanbul in der vergangenen Woche hatten die USA am Sonntag die Vergabe von Visa in ihren Vertretungen in der Türkei auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Die türkische Regierung reagierte, indem sie ihrerseits die Visavergabe an US-Staatsbürger stoppte. Die Mitteilung der türkischen Seite war eine fast wortgleiche Kopie der US-Mitteilung.

Erdogan kritisierte, "Agenten" hätten das US-Generalkonsulat in Istanbul unterwandert. Dem inhaftierten Mitarbeiter werden Verbindungen zur Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen vorgeworfen, den die türkische Regierung für den Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich macht. Bereits im Frühjahr war ein weiterer türkischer Mitarbeiter der amerikanischen Vertretung in Adana inhaftiert worden. Nach einem weiteren einheimischen Mitarbeiter des Konsulats in Istanbul wird gefahndet.

Botschafter Bass kennt keine Beweise gegen inhaftierten US-Mitarbeiter

"Das alles zeigt uns, dass im Generalkonsulat in Istanbul etwas vor sich geht. Amerika muss hier vor allem folgendes untersuchen: Wie sind diese Agenten in das amerikanische Generalkonsulat eingedrungen?", sagte Erdogan. Wenn diese Agenten nicht in das amerikanische Generalkonsulat eingedrungen seien, "wer hat sie dann dort eingeschleust?", sagte der Präsident weiter: "Kein Staat duldet solche Agenten, die ihn von innen bedrohen."

Botschafter Bass hatte bereits am Montagabend mitgeteilt, ihm seien keine Beweise gegen den zuletzt inhaftierten Mitarbeiter bekannt. Die Inhaftierung habe die Frage aufgeworfen, ob es das Ziel mancher Staatsvertreter sei, die Zusammenarbeit zwischen Ankara und Washington zu stören. Zum Stopp der Visavergabe sagte Bass: "Derzeit können wir nicht voraussagen, wie lange es dauern wird, diese Angelegenheit zu lösen."

Die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei waren schon vor der jüngsten Krise belastet. Hintergrund ist - ähnlich wie im Streit Ankaras mit Berlin - die Inhaftierung von US-Staatsbürgern in der Türkei. Auch die Bundesregierung fordert die Freilassung von Deutschen, die in der Türkei aus politischen Gründen inhaftiert sind.

aev/dpa

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