Bestätigung der Wahlkommission Erdogan gewinnt Präsidentenwahl in der Türkei

Nun ist es offiziell: Recep Tayyip Erdogan hat bei der Präsidentenwahl die absolute Mehrheit der gültigen Stimmen erhalten. In seiner Siegesrede lobte er die Türkei als "Vorbild für den Rest der Welt".

Ehepaar Erdogan in Ankara
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Ehepaar Erdogan in Ankara


Bei der Präsidentenwahl in der Türkei hat Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan nach Angaben der Wahlkommission die Abstimmung in der ersten Runde gewonnen. "Aus den Ergebnissen geht hervor, dass Herr Recep Tayyip Erdogan die absolute Mehrheit der gültigen Stimmen erhalten hat", sagte Kommissionschef Sadi Güven in der Nacht zu Montag bei einer Pressekonferenz in Ankara.

Rund 97,7 Prozent der Stimmen seien in das System der Kommission eingegeben worden. "Die Zahl der Stimmen, die noch nicht vom System erfasst wurden, werden das Ergebnis nicht beeinflussen."

Laut Güven kamen die islamisch-konservative AKP Erdogans, die linksnationalistische CHP, die prokurdische HDP und die ultrarechte MHP bei der Parlamentswahl über die Zehn-Prozent-Hürde. Angaben zu den genauen Ergebnissen machte der Wahlkommissionschef nicht. Sie sollen erst in mehreren Tagen bekannt gegeben werden. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, nach Auszählung von mehr als 99 Prozent der Stimmen bei der Präsidentenwahl komme Erdogan auf 52,55 Prozent. Der Kandidat der größten Oppositionspartei CHP, Muharrem Ince, kam demnach mit 30,68 Prozent auf Platz zwei.

Erdogans Siegesreden in Istanbul und Ankara

In seiner Siegesrede auf dem Balkon der AKP-Zentrale in Ankara sprach Erdogan davon, die Wahl würde das Land auf Jahrzehnte hinaus beeinflussen. "Meine Brüder, die Sieger dieser Wahl sind die Demokratie, der Wille des Volkes und das Volk höchstpersönlich. Der Sieger dieser Wahl ist jeder einzelne unserer 81 Millionen Bürger." Mit der hohen Wahlbeteiligung von 88 Prozent hätten die Wähler "Geschichte geschrieben". Er werde dafür kämpfen, die "unserem Volk gegebenen Versprechen zu halten", sagte Erdogan. Dabei stand seine Ehefrau Emine neben ihm auf dem Balkon. Die Türkei sei ein Vorbild für den Rest der Welt.

Erdogan hatte sich bereits kurz vor Mitternacht zum Sieger der Wahl erklärt, obwohl die Auszählung der Stimmen da noch lief und sich die Wahlkommission noch nicht geäußert hatte. "Die inoffiziellen Ergebnisse stehen fest", sagte Erdogan am Sonntagabend in Istanbul. "Demnach hat unser Volk meiner Person den Auftrag der Präsidentschaft und der Regierung gegeben." Bei der Parlamentswahl hätten die Wähler außerdem dem von seiner AKP geführten Parteienbündnis die absolute Mehrheit im Parlament verschafft.

Erdogan ist bereits seit 15 Jahren an der Macht. Der 64-Jährige hat nun eine fünfjährige Amtszeit als Präsident vor sich und kann regulär danach noch eine zweite Amtsperiode absolvieren.

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Abstimmung in der Türkei: Wahl der 60 Millionen

Mit den Wahlen wurde die Einführung des von Erdogan angestrebten Präsidialsystems abgeschlossen. Der neue Präsident wird Staats- und Regierungschef und mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet. Einen Ministerpräsidenten gibt es künftig nicht mehr (weitere Änderungen können Sie hier im Überblick nachlesen).

Nach der ersten Sieges-Erklärung Erdogans in Istanbul hatte die CHP ihre Anhänger dazu aufgerufen, Ruhe zu bewahren. Wie auch immer das Endergebnis ausfalle, das Volk solle sich "nicht provozieren lassen", sagte CHP-Sprecher Bülent Tezcan. Die Opposition hatte bei der Stimmenauszählung Manipulationsvorwürfe erhoben. Vereinzelt kam es zu Protesten von Anhängern der Opposition.

Während der Wahl gab es zahlreiche Berichte über Unregelmäßigkeiten in der Provinz Sanliurfa und dem kurdischen Südosten der Türkei. Besonders aus der Stadt Suruc wurden verschiedene Vorfälle gemeldet. Laut Anadolu wurden zudem rechtliche Schritte gegen zehn Ausländer eingeleitet, die sich als Beobachter ausgegeben, aber keine Akkreditierung gehabt hätten. Darunter waren auch drei Deutsche in Sirnak.

Erdogan spricht von einem "Fest der Demokratie"

Bei der Parlamentswahl kommt das von Erdogans AKP geführte Parteienbündnis nach Anadolu-Angaben auf deutlich mehr als 340 der 600 Sitze. Anadolu zufolge lag die Wahlbeteiligung in der Türkei bei gut 88 Prozent. Wahlbeobachter meldeten Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung am Sonntag. Erdogan sprach dagegen von einem "Fest der Demokratie". Knapp 60 Millionen Türken waren zur Wahl aufgerufen, mehr als drei Millionen davon leben im Ausland.

Bei der Wahl in Deutschland erzielte Erdogan ein deutlich besseres Ergebnis als zu Hause. Nach Auszählung von 77,5 Prozent der Stimmen in Deutschland lag er mit 65,8 Prozent weit vor Ince mit 21,5 Prozent.

aar/dpa/AFP

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Grummelchen321 25.06.2018
1. Dann
brauchte Anadolu ja nur wenig an der der grafik von Freitag ändern.Wer glaubt das die Wahl ohne fälschungen abgelaufen ist glaubt auch an Weihnachtsmann und Osterhase.In Russland konnte man schon beobachten wie Wahlen manupulier werden können.Da gibt es genug videos zu sehen
nofreemen 25.06.2018
2. eine Lehrstunde für Deutschland und Europa
Dieses Ergebnis lässt tief blicken in das Syztem Demokratie in Europa. wo vermentlich die Freiheit herrscht bedtimmt das Diktat die Tagesordnung. In der Türkei auch, mit dem Unterschied das Volk will es gensu so personalisiert haben. Deutschland ist davon noch weit weit weg. Und die türkischen Wähler in Feutschland bestätigen das. Eine klare Anssge an das deutsche System. Özil, Gündogan und Co. lassen grüssen.
walter_de_chepe 25.06.2018
3. Wahlbeteiligung
Die Wahlbeteiligung zeigt wie lebendig die türkische Demokratie ist, das politische Spektrum ist breiter als in Deutschland, kein Verfassungsgericht befasst sich 20 Jahre mit dem Verbot einer Partei, die Veränderungen in Staat und Gesellschaft sind tiefgreifend - vor diesem Hintergrund sieht man, wie verkrustet Deutschland ist.
wilhelm.weiss74 25.06.2018
4. Unverständlich,
dass drei Deutsche als Wahlbeobachter in die Türkei reisen und sich festnehmen lassen für eine Wahl, die von Anfang an als Betrug feststand. So sinnlos begibt man sich doch nicht in Gefahr. Man kann nur jedem raten, um die Türkei einen weiten Bogen zu machen. Die werden schon noch sehen, wie das Land ohneTouristen zusammenbricht. Lira-Zusammenbruch, keine Investitionen, keine Kredite mehr usw. Dann beginnt das große Heulen und Zähneklappern.
bestofhans 25.06.2018
5. das glaubt man kaum
Dass Erdogan bei den Türken in Deutschland deutlich besser abgeschnitten habe als in der Türkei ist wirklich unglaublich.Zwei Drittel der Türken in Deutschland haben Erdogan gewählt.Das soll Integration sein?Warum gehen diese Türken nicht zurück in ihr Land?
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