Krieg in Syrien Erdogan kritisiert Washingtons Zusammenarbeit mit Kurden

Wir oder die? Der türkische Präsident Erdogan hat die USA aufgefordert, sich zwischen der Türkei und den syrisch-kurdischen Kämpfern zu entscheiden. Washington reagiert gelassen.

Präsident Erdogan: Erneut Besuch von Merkel
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Präsident Erdogan: Erneut Besuch von Merkel


Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die USA scharf kritisiert: Washington müsse sich entscheiden - zwischen der Türkei und den Kurden. Ein US-Gesandter hatte vergangene Woche Kobane besucht, wo der militärische Arm der PKK-nahen Kurdenpartei in Syrien vor etwa einem Jahr mit Unterstützung von Luftschlägen den "Islamischen Staat" besiegte.

"Wie können wir Ihnen vertrauen? Bin ich Ihr Partner oder die Terroristen in Kobane?", fragte Erdogan in Richtung Washington. Im US-Außenministerium reagierte man auf die Kritik mit der Feststellung, die PKK werde nach wie vor als Terrororganisation eingestuft.

Kurz vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Türkei auf den Vorwurf unzureichender Grenzkontrolle reagiert. Die Regierung in Ankara erschwerte am Wochenende Irakern die Einreise. An der syrisch-türkischen Grenze warteten derweil weiter Zigtausende vergeblich auf Einlass.

Die Türkei will die Menschen, die vor den Kämpfen in der Provinz Aleppo geflüchtet sind, nun auf der syrischen Seite versorgen. Falls nötig, sollen sie auch ins Land gelassen werden, heißt es. Die Bedingungen dafür wurden aber nicht genannt.

Die Türkei stand zuletzt in der Kritik, weil sie nach Überzeugung Merkels und vieler Europäer bisher nicht genug getan hat, um die Überfahrt zahlreicher Flüchtlinge von ihrer Küste aus in den EU-Staat Griechenland zu stoppen. Die Kanzlerin trifft am Montag in Ankara Präsident Erdogan und Regierungschef Ahmet Davutoglu.

Die Regierung in Ankara hatte Ende November unter anderem zugesagt, die Grenzen besser zu schützen. Im Gegenzug versprach die EU mindestens drei Milliarden Euro für die Versorgung der mehr als zwei Millionen Flüchtlinge in der Türkei. Zudem sollen die EU-Beitrittsverhandlungen und die Gespräche zur visafreien Einreise für Türken beschleunigt werden.

Nach Angaben von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) stellte die Türkei bei einem Ministertreffen in Amsterdam weitere Bemühungen zur Grenzsicherung in Aussicht. Sein türkischer Kollege Mevlüt Cavusoglu sagte in Amsterdam, schon jetzt kämen weniger Flüchtlinge über die Türkei nach Griechenland. Andere Informationen seien "Manipulationen in den Medien etlicher europäischer Hauptstädte".

fbö/AP/dpa

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Seite 1
freizeitverkaeufer 08.02.2016
1. Legt sich der Sultan jetzt mit
USA und Russland gleichzeitig an? Immerhin steht Merkels Deutschland ja feste an seiner Seite.
d15 08.02.2016
2.
Die Türkei sind in dem Fall die Terroristen und nicht die Kurden. Was die Flüchtlinge an der Grenze betrifft, jetzt machen die Türken genau das wofür wir sie bezahlen, den Flüchtlingszustrom begrenzen. Das die Türkei ebenfalls keine will, da sie schon über 2 Mio haben, ist auch verständlich. So wie in Syrien vor der Türkei sieht dann eine Begrenzung halt aus
Mister Stone 08.02.2016
3. In Aussicht stellen?
"Nach Angaben von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) stellte die Türkei bei einem Ministertreffen in Amsterdam weitere Bemühungen zur Grenzsicherung in Aussicht." Jeder weiß, was dieses "in Aussicht stellen von Bemühungen" bedeutet. Es ist nicht mal ein vage, unverbindliche Zusage, sondern bestenfalls eine Aufforderung an Merkel, erstmal noch ein paar Milliarden drauf zu legen, bevor Erdogan ernsthaft darüber nachdenkt, eventuell irgendwann mal irgendetwas zu veranlassen...
Ossifriese 08.02.2016
4. Entscheidungen
Da baut sich ein neuer alter Konflikt auf. Wie will man diese Türkei unter Erdogan eigentlich in die EU integrieren, wie Frau Merkel bei ihrem Besuch wieder einmal verspricht? Denn auch die Bundeskanzlerin müsste sich möglicherweise irgendwann entscheiden pro USA oder pro Erdogan. Allerdings vermute ich, dass die US-Regierung die Kurden alsbald fallen lassen, wenn der IS besiegt ist und die alte Front gegen Assad neu eröffnet wird. Dann werden die Kurden im Weg sein. Armes Volk.
chrisof 08.02.2016
5.
an kurdischen Autonomien wie im Irak führt in Syrien aber auch in der Türkei kein Weg vorbei. Iran wird sich auch dahingegen entwickeln. Wenn die Kurden Sicherheiten bekommen, werden sie nicht auch noch massenhaft fliehen. Föderale Staaten sind immer auch demokratischer als Zentralstaaten.
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