Militäreinsatz in Syrien Erdogan kündigt Ausweitung der Offensive an

Der türkische Präsident Erdogan will "Extremisten" an der gesamten syrischen Grenze bekämpfen. Die umstrittene Offensive "Olivenzweig" gegen kurdischen Milizen könnte daher ausgeweitet werden.

  Erdogan mit türkischen Generälen
AFP/ TURKISH PRESIDENTIAL PRESS SERVICE

Erdogan mit türkischen Generälen


Die Türkei wird ihre Offensive im Nordwesten Syriens möglicherweise nach Osten bis hin zur irakischen Grenze ausdehnen. Das kündigte Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einer Veranstaltung seiner AK-Partei an.

Nach dem aktuellen Einsatz in der von Kurden bewohnten Region Afrin werde die Türkei sich auf den Osten einschließlich der Stadt Manbidsch konzentrieren. Die USA, aber auch die Kurdenmiliz YPG, gegen die sich die türkische Offensive richtet, haben dort Soldaten stationiert. Die Türkei betrachtet die YPG als Extremistenorganisation.

Ungeachtet der Spannungen verhandeln die USA und die Türkei nach US-Angaben über die Schaffung eines Sicherheitskorridors in der Region. Nach Angaben des türkischen Gesundheitsministers Ahmet Demircan wurden bei der Offensive in der Provinz Afrin drei türkische Soldaten und elf Rebellen aus mit der Türkei verbündeten Einheiten der Freien Syrischen Armee (FSA) getötet und weitere 130 Menschen verwundet. Keiner der Verletzten sei in Lebensgefahr.

Die türkischen Streitkräfte teilten mit, in der Nacht zum Freitag habe die Luftwaffe im Rahmen der Offensive "Olivenzweig" Verstecke und Waffenlager der kurdischen Volksschutzeinheiten YPG bombardiert. Dabei seien 23 Ziele zerstört worden. Seit Beginn der Offensive am vergangenen Samstag seien 343 gegnerische Kämpfer "neutralisiert" worden. Mit "neutralisiert" ist in der Regel getötet gemeint, der Begriff kann aber auch verletzt oder gefangen genommen bedeuten.

Angeblich fünf Zivilisten bei türkischen Luftangriffen getötet

Nach Angaben von Beobachtern wurden bei einem Luftangriff der türkischen Armee fünf Zivilisten getötet. Es handele sich um Mitglieder einer Familie, darunter auch zwei Kinder, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Kurdische Medien berichteten von sieben Toten. Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle soll es bislang 38 zivile Todesopfer geben. Die Angaben der in Großbritannien ansässigen Organisation sind meist nicht unabhängig überprüfbar. Sie haben sich in der Vergangenheit aber meist als zuverlässig erwiesen. Die Türkei bestreitet, dass bei der Militäroperation in Syrien Zivilisten getötet worden seien.

Die lokale kurdische Verwaltung in Afrin rief die syrische Regierung in Damaskus unterdessen dazu auf, etwas gegen die türkische Militäroperation zu unternehmen. "Das syrische Regime ist bislang seiner Pflicht nicht nachgekommen, die Grenzen von Afrin zu sichern", hieß es in einer Mitteilung. Afrin sei integraler Bestandteil Syriens.

als/Reuters/AFP

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