Pressefreiheit in der Türkei Kritischem Chefredakteur droht lebenslange Haft

Wegen eines Berichts über geheime Waffenlieferungen nach Syrien verklagt Präsident Erdogan einen prominenten Journalisten. Türkische Künstler unterstützen den Chefredakteur öffentlich.

Präsident Erdogan vor Anhängern in Istanbul: Zorn auf Journalisten
Getty Images

Präsident Erdogan vor Anhängern in Istanbul: Zorn auf Journalisten


Im Konflikt zwischen Präsident Recep Tayyip Erdogan und kritischen Journalisten gibt es einen neuen prominenten Fall: Gegen den Chefredakteur der Tageszeitung "Cumhuriyet", Can Dündar, hat das türkische Staatsoberhaupt nun persönlich Strafanzeige gestellt. Darin werde lebenslange Haft gefordert, berichtete die türkische Tageszeitung "Hürriyet Daily News".

Dündar hatte in der "Cumhuriyet" über mutmaßliche illegale Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an Extremisten in Syrien berichtet. Gegen die Zeitung ermittelt die türkische Staatsanwaltschaft bereits wegen des Verdachts der Terrorpropaganda und Spionage.

Im Kampf um die Pressefreiheit in der Türkei haben sich der Schriftsteller Orhan Pamuk und andere türkische Intellektuelle inzwischen öffentlich mit dem bedrängten Chefredakteur der Tageszeitung "Cumhuriyet" solidarisiert. Die Zeitung veröffentlichte die Erklärungen von 30 Künstlern gegen die Drohungen von Erdogan.

Der Staatspräsident geht immer wieder gegen unliebsame Journalisten vor und verklagt Karikaturisten, von denen er sich beleidigt fühlt. Dündar hatte er öffentlich gedroht, dieser werde "einen hohen Preis" für seinen Bericht bezahlen. Er sprach von Beleidigung und übler Nachrede gegen den Geheimdienst.

Am Sonntag wählen die Türken ein neues Parlament, die Stimmung im Wahlkampf ist gereizt. Die Pressefreiheit sei ein unverzichtbarer Teil der Demokratie, schrieb der preisgekrönte Autor Orhan Pamuk in seiner Solidaritätserklärung.

agr/dpa



insgesamt 33 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Georg_Alexander 03.06.2015
1. Üblich?
Ist das üblich, dass in der Strafanzeige bereits ein Strafmaß gefordert wird? Gericht unabhängig? Entlarvend.
verspiegelt24 03.06.2015
2. Wer nicht mit der Zeit geht,
geht mit der Zeit. Mehr Worte sind mir in diesem Fall Zeitverschwendung
darthmax 03.06.2015
3. Geheimnisverrat
Nun, für uns wardoch auch dank einer ARD Recherche bekannt, dass die türkei Waffen an die Jihadisten liefert. Warum wurden die kurden nicht zur Befreiungkanmpf über die Grenze gelassen ? Da der Journalist nun keinen Vertrag über die Wahrung von Geheimnissen abgeschlossen hat und diese Information ohne Ausspähung von Geheimnissen möglich war ( auf den LKW´s stand nicht top secret, ) ist der Vorwurf absurd.
KlausF20 03.06.2015
4. willkürlich
Ihm könnten auch die Todesstrafe und Sippenhaft für alle Verwandten bis zum 3. Grad drohen, es wäre nicht lächerlicher. Das ist das einzig Tröstliche an Despoten. In ihrer Empfindlichkeit machen sie sich selbst so klein. Da kann einem die bräsige Dickfelligkeit von Kohl, Merkel und Konsorten fast schon wieder sympathisch werden.
megainfo 03.06.2015
5.
Und der Westen schaut zu. Als Nato-Mitglied schließlich fast unantastbar.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.