Präsidialsystem 63 Prozent der Türken in Deutschland stimmten für Erdogans Reform

Auch im Ausland durften Türken über die neue Verfassung abstimmen. In Deutschland sagte eine große Mehrheit Ja zu den Plänen von Präsident Erdogan. Aus anderen Ländern kam ein klares Nein.

Türkisches Wahllokal in Dortmund
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Türkisches Wahllokal in Dortmund


Die Menschen in der Türkei haben äußerst knapp mit etwa 51 Prozent für das Präsidialsystem gestimmt, das Staatschef Recep Tayyip Erdogan mehr Macht verschafft. In Deutschland hingegen fiel das Ergebnis sehr viel deutlicher aus.

Nach vorläufigen Ergebnissen stimmten 63,2 Prozent der in Deutschland lebenden Staatsbürger für die Verfassungsänderung. Nur 36,8 votierten mit Nein, meldet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

In Deutschland durften etwa 1,4 Millionen Wahlberechtigte vom 27. März bis zum 9. April ihre Stimmen abgeben. Die türkische Botschaft in Berlin sowie die Konsulate hatten bundesweit insgesamt 13 Wahllokale eingerichtet. Die Wahlbeteiligung lag Anadolu zufolge bei knapp 50 Prozent.

Noch deutlicher fiel das Ergebnis in Belgien und Österreich aus, wo jeweils mehr als 70 Prozent der Wahlberechtigten mit Ja stimmten. Auch in den Niederlanden, wo es wegen nicht erlaubter Auftritte türkischer Politiker und einer nicht ins Land gelassenen türkischen Ministerin zu schweren diplomatischen Verwerfungen gekommen war, stimmten nach ersten Teilergebnissen etwa 70 Prozent im Sinne Erdogans.

Ganz anders hingegen der Trend in den USA, wo mehr als 80 Prozent mit Nein und damit gegen das Präsidialsystem stimmten. In Chicago, wo bereits alle Stimmen ausgezählt waren, lag die Ablehnung sogar bei knapp 90 Prozent, ebenso in Miami. Auch in Houston und Los Angeles lief es auf ein solches Ergebnis hinaus, in New York, Boston und Washington lagen die Neinsager bei rund 80 Prozent.

Auch Spanien stimmte zu über 80 Prozent mit Nein, während das Ja-Lager in Dänemark mit 60 Prozent gewann.

Das Ergebnis aus Deutschland hat gleichwohl das größte Gewicht, denn in keinem anderen Land jenseits der Türkei leben so viele türkische Staatsbürger.

kaz



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Profdoc1 16.04.2017
1. Verwunderung
63 Prozent wählen in einem tiefdemokratischen Land eine potetielle Diktatur, in der sie nicht leben mögen. Das ist ein Treppenwitz der Geschichte. Wenn es nicht so traurig wäre, ....
skeptikerjörg 16.04.2017
2.
Mit anderen Worten: Die Auslandstürken haben die echten Türken dazu verurteilt, künftig in einer Diktatur zu leben!
garfield1956 16.04.2017
3. Freiheitliche Demokratie
Die lässt sich wunderbar ertragen. Hier kann die Meinung geäußert werden, Pressefreiheit kann zur Informationsbildung genutzt werden und keiner wird gegängelt. Liebe türkischen Mitbürger, wenn ihr mit ja gestimmt habt, warum zieht ihr dann nicht in dieses Land. Dort wo all die Annehmlichkeiten nicht mehr existieren werden? Das währe nur konsequent.
Korken 16.04.2017
4. Familie in die Diktatur geschickt
Während man selbst im türk. Auland weiterhin alle Freiheiten genießen kann, werden die Freunde und Familie zu Hause in die Diktatur geschickt. Tja, und wer folgt dem Sultan irgendwann? Mal schauen, was die weitere Zukunft bereit hält...
nixkapital 16.04.2017
5. Hm.......
...interessant, dass Leute wählen dürfen, obwohl sie die Folgen ihres Votums nicht am eigenen Leib erfahren müssen.
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