Nach Anschlägen Türkische Regierung verhaftet landesweit HDP-Politiker

Als Reaktion auf die Anschläge hat die türkische Regierung mehr als zweihundert prokurdische Politiker festgenommen. Zu dem Attentat hatte sich eine Splittergruppe der kurdischen Arbeiterpartei PKK bekannt.

Präsident Erdogan
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Die türkische Regierung wirft ihnen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vor: Nach dem Doppelanschlag in Istanbul sind 235 Vertreter der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP) verhaftet worden. Die Zahl war am Montagvormittag von 118 auf fast das Doppelte gestiegen, wie die Deutsche Presse-Agentur meldete. Bei den landesweiten Einsätzen sollen die Sicherheitskräfte auch die HDP-Chefs in Istanbul und Ankara in Gewahrsam festgenommen haben, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Bei den Anschlägen auf die Polizei in Istanbul waren am Samstagabend 44 Menschen getötet worden. Darunter seien 36 Polizisten und acht Zivilisten, teilte die Regierung mit. Zu den Taten bekannten sich die Freiheitsfalken Kurdistans (TAK), eine kurdische Extremistengruppe, die der PKK nahe stehen soll. Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte nach dem Doppelanschlag Vergeltung an. Die Attentäter würden "einen hohen Preis zahlen", sagte er.

Mit den Anschlägen hat die TAK nach eigenen Angaben auf die Gefangenschaft des PKK-Anführers Abdullah Öcalan und die türkischen Militäroperationen vor allem im Südosten des Landes aufmerksam machen wollen. Solange diese anhielten, solle "niemand erwarten, ein geruhsames Leben in der Türkei führen zu können".

Unter Experten ist umstritten, wie weit die TAK mit der PKK verbunden ist. Seit dem Zusammenbruch eines zweijährigen Waffenstillstands im Sommer 2015 liefern sich die PKK und die türkischen Sicherheitskräfte erneut erbitterte Kämpfe im Südosten des Landes.

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Anschläge in Istanbul: Tod am Fußballstadion

Die türkischen Sicherheitskräfte gehen bereits seit dem gescheiterten Militärputsch im Juli hart gegen kurdische Oppositionspolitiker vor. Unter anderem wurden die beiden Ko-Vorsitzenden der HDP festgenommen. Zudem wurden Dutzende prokurdische Bürgermeister im Südosten des Landes festgenommen.

Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, sein Land werde weiter gegen den Terror kämpfen. "Wann immer die Türkei einen positiven Schritt in Richtung Zukunft macht, ist die Antwort sofort Blut, Leben, Brutalität, Chaos mit den blutigen Händen von Terrororganisationen", hieß es in der auf der Webseite des Präsidenten verbreiteten Erklärung.

Der Nationale Sicherheitsrat der USA verurteilte die Anschläge auf das Schärfste. "Wir stehen der Türkei zur Seite, unserem Nato-Verbündeten, gegen alle Terroristen, die die Türkei, die USA und den Weltfrieden und die Stabilität bedrohen", sagte Sprecher Ned Price in Washington.

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mho/AFP/dpa

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