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Kurdische Arbeiterpartei: Türkische Sicherheitskräfte beenden PKK-Einsatz in Cizre

Straßenbild in Cizre (Archivbild): Ausgangssperre bleibt Zur Großansicht
REUTERS

Straßenbild in Cizre (Archivbild): Ausgangssperre bleibt

Zwei Monate lang ist Ankara militärisch gegen PKK-Kämpfer vorgegangen, nun hat die türkische Regierung in der Stadt Cizre den Einsatz beendet. Die Ausgangssperre bleibt aber in Kraft.

Seit Dezember geht das türkische Militär in einer Großoffensive gegen die Rebellen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vor. Hunderte Menschen starben. Nun hat die türkische Regierung die zweimonatige Aktion in der südostanatolischen Stadt Cizre für beendet erklärt.

Der Einsatz sei "sehr erfolgreich" gewesen, sagte Innenminister Efkan Ala laut der offiziellen Nachrichtenagentur Anadolu. Die Ausgangssperre in Cizre bleibe allerdings bis auf Weiteres in Kraft.

Im vergangenen Juli waren nach mehr als zwei Jahren Feuerpause wieder Kämpfe zwischen der türkischen Armee und Anhängern der kurdischen Arbeiterpartei ausgebrochen. Zuvor hatte die PKK in einigen Städten einseitig Autonomiegebiete ausgerufen und diese mit Straßengräben und Barrikaden gegen die Sicherheitskräfte verteidigt.

Laut der prokurdischen Oppositionspartei HDP wurden allein in Cizre seit Mitte Dezember 80 Zivilisten getötet; die Gesamtbilanz für das Kurdengebiet liegt demnach bei 211 zivilen Opfern.

Die HDP wirft der Regierung außerdem vor, in Cizre ein Massaker an rund 60 Menschen verübt zu haben. Sie sollen in einem Keller Schutz vor den Kämpfen gesucht haben. Zur Lage vor Ort gibt es seit Tagen widersprüchliche Angaben. Die Regierung weist die Vorwürfe zurück.

Nach Angaben der Regierung wurden während der Militäroffensive mehrere Hundert PKK-Kämpfer in Gefechten getötet. Bei den Häuserkämpfen zwischen Soldaten und Polizisten auf der einen Seite und PKK-Anhängern auf der anderen Seite wurden auch schwere Waffen eingesetzt. In anderen Städten des kurdischen Südostens wird noch immer gekämpft.

Kurdengebiete: Umkämpfte Orte im Südosten der Türkei Zur Großansicht
DER SPIEGEL

Kurdengebiete: Umkämpfte Orte im Südosten der Türkei

vek/AFP/Reuters

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1. Die Türkei
Banause_1971 11.02.2016
hat also gegen die Rebellen gearbeitet, die einen eigenen Staat wollten? Das ist ok. Assad verteidigt sich gegen die Umsturzversuche durch die USA und die Türkei. Das ist nicht ok. Erkläre mir einer die Welt.
2. Wo bleibt hier denn die offene Kritik des Westens?
jurawel 11.02.2016
Der Westen hat in Syrien die Terroristen gegen die legitime Regierung unterstützt, er wettert aber gegen Russland und die legitime Regierung Syriens, aber wo bleibt die Kritik gegen die fragwürdige Regierung Erdogans, die gegen die Kurden im Irak, in Syrien und im eigenen Land Krieg führt? Wieso ist Assads Verteidigung der syrischen Souverenität gegen in - und ausländische Terroristen falsch, aber Erdogan braucht keine Rücksicht bei der Wahl seiner Mittel zu nehmen? Solange der Westen diese Heuchelei beibehält ist seine moralische Autotität gleich null!
3. @Banause_1971
ersinet 11.02.2016
Wer sagt denn, dass es ok ist? Die Medien in Deutschland auf jeden Fall nicht. Es wird ja sogar von einer "Arbeiterpartei" gesprochen. So, als ob der IS ein "Religionsverein" wäre. Es ist eine kommunistische, kriminelle, streng autoritäre Vereinigung, die Anschläge verübt und noch nicht einmal die Kurden repräsentiert wie hier so oft behauptet. Wenn sich ein Staat nicht dagegen wehrt ist es verloren.
4. Barbarei gegen die Kurden
amed 11.02.2016
Die Angriffe und die Barbarei der AKP wurden nach den Wahlen vom 1. November massiv vergrößert. Seit nun über drei Monaten sind die Städte Sur, silopi, cizre, Nusaybin ,Diyarbakir im Ausnahmezustand. Es herrscht eine Ausgangssperre. Die Bevölkerung leistet unerbitterten Widerstand. Seit den Wahlen wurden über 400 Jugendliche darunter viele Kinder getötet. Die Bombardierung von Dörfern und Bergen halten weiterhin an. Während dessen unterstützt
5. Ich sag Ihnen wo die Kritik bleibt ...
Raisti 11.02.2016
Zitat von jurawelDer Westen hat in Syrien die Terroristen gegen die legitime Regierung unterstützt, er wettert aber gegen Russland und die legitime Regierung Syriens, aber wo bleibt die Kritik gegen die fragwürdige Regierung Erdogans, die gegen die Kurden im Irak, in Syrien und im eigenen Land Krieg führt? Wieso ist Assads Verteidigung der syrischen Souverenität gegen in - und ausländische Terroristen falsch, aber Erdogan braucht keine Rücksicht bei der Wahl seiner Mittel zu nehmen? Solange der Westen diese Heuchelei beibehält ist seine moralische Autotität gleich null!
unter verschluss. Hier was Thomas De Mazière dazu zu sagen hat: "Alle, die uns jetzt sagen, man muss die Türkei von morgens bis abends kritisieren, denen rate ich, das nicht fortzusetzen. Wir haben Interessen. Die Türkei hat Interessen. Das ist ein wichtiger Punkt. (…) Natürlich gibt es in der Türkei Dinge, die wir zu kritisieren haben. Aber die Türkei, wenn wir von ihr etwas wollen, wie, dass sie die illegale Migration unterbindet, dann muss man auch Verständnis dafür haben, dass es im Zuge des Interessenausgleichs auch Gegenleistungen gibt." Quelle: http://www.ardmediathek.de/tv/Monitor/Monitor-vom-04-02-2016-mit-Gebärdenspra/Das-Erste/Video?documentId=33205086&bcastId=438224 (Minute 6 sagt er es) Finde es spannend das unsere Presse solche Aussagen nicht auf die Titelseite hebt aber aktuell dauerhaft Russland kritisiert das Sie radikale Islamisten in Aleppo bombadieren. Äh sry meinte gemäßigte Rebellen.
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Türkei: Gewaltoffensive gegen Kurden

Kurden
Kurdische Ethnie
Weltweit gibt es etwa 30 Millionen Kurden. Ihr Hauptsiedlungsgebiet, das in der Türkei, im Irak, in Syrien und in Iran liegt, bezeichnen sie als Kurdistan. Einen eigenen Staat haben sie nicht. Kurden bilden eine Ethnie. Die meisten von ihnen sind sunnitische Muslime, es gibt aber auch Schiiten, Aleviten, Jesiden, Christen und Juden unter den Kurden.
Kurden in Deutschland
Allein in Deutschland leben etwa eine Million Kurden. Wegen ihrer Staatenlosigkeit werden sie hier meist als Türken, Iraker, Syrer oder Iraner wahrgenommen. Dabei bilden sie die drittgrößte Migrantengruppe in der Bundesrepublik.
Sprachen
Es gibt mehrere kurdische Sprachen, die wiederum jeweils ein Dutzend Dialekte haben. Am weitesten verbreitet ist die Sprache Kurmandschi. Interessanterweise sind es also weder Sprache noch Religion, die die Kurden als Volk zusammenhält, sondern "ihr Miteinander, verwurzelt in einer gemeinsamen Vergangenheit, die mehr oder weniger mythisch ist", wie die Ethnologen Jean-Loup Amselle und Guy Nicolas schreiben.
Autonome kurdische Region
Bis in das 20. Jahrhundert hinein lebten Kurden in Stammesgesellschaften. Heute leben sie in sehr unterschiedlichen Umfeldern. Die autonome kurdische Region im Irak gilt als die stabilste und sicherste im Land. Durch Zugang zu Erdöl ist sie wohlhabend.
Kurden in der Türkei
Kurden in der Türkei sind in allen Gesellschaftsschichten zu finden. Überproportional viele sind jedoch arm, weil ihnen Bildung erschwert wurde. Unterricht auf Kurdisch war jahrzehntelang verboten. Viele Kurden kamen erstmals mit ihrer Einschulung mit Türkisch in Berührung.
Kurden im Irak
Das kurdische Autonomiegebiet liegt im Nordirak und wird von den Kurden Südkurdistan genannt. Im Irak wurden die Kurden lange Zeit verfolgt. Tragischer Höhepunkt war der Giftgasangriff des sunnitischen Diktators Saddam Hussein am 16. März 1988 auf den kurdischen Ort Halabdscha, bei dem etwa 5000 Männer, Frauen und Kinder getötet wurden.

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