Türkei Viele Tote bei Explosion in Ankara

In der türkischen Hauptstadt hat es eine heftige Detonation gegeben. Nach offiziellen Angaben gibt es mehr als 20 Tote. Ministerpräsident Davutoglu sagte seine Reise zum EU-Gipfel zur Flüchtlingskrise ab.


Bei einem mutmaßlichen Autobomben-Anschlag auf einen Konvoi der Armee in der türkischen Hauptstadt Ankara sind nach offiziellen Angaben mindestens 28 Menschen getötet worden. Mindestens 60 weitere Menschen seien verletzt. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte seinen Besuch in Brüssel zu Gesprächen über die Flüchtlingskrise ab.

Zu der Detonation kam es im Regierungsviertel Cankaya vor einem Gebäude der Luftwaffe in der Nähe des Parlaments. Die Bombe sei explodiert, als die Militärfahrzeuge an einer Ampel gehalten hätten, teilte die Armee mit. Die Wagen hätten Angehörige der Streitkräfte transportiert. Es handele sich um einen "niederträchtigen und verräterischen Angriff". Das Militär bestätigte, dass unter den Toten Soldaten seien. Genaue Angaben machte die Armee nicht.

Zunächst bekannte sich niemand zu dem möglichen Anschlag. Auf Fernsehbildern war Feuer und eine Rauchsäule, die in den Abendhimmel steigt, zu sehen. Augenzeugen berichten im türkischen Fernsehen, dass sie eine "sehr laute Explosion" gehört hätten. Demnach sei der Knall auch in mehreren Kilometern Entfernung zu hören gewesen.

Behörden verhängen Nachrichtensperre

Ein Sprecher der Regierungspartei AKP schrieb auf Twitter: "Ein heimtückischer Terrorakt hat sich in Ankara ereignet. Wir verurteilen diesen Angriff." Wie häufig nach Anschlägen verhängte die Regulierungsbehörde für den privaten Rundfunk, der Oberste Rundfunk- und Fernsehrat RTÜK, eine Nachrichtensperre.

Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilten den Anschlag. "Die Bundesregierung verurteilt diesen neuerlichen terroristischen Akt auf das Schärfste", sagte Merkel nach einer Mitteilung des Bundespresseamtes. "Dem türkischen Volk sage ich: Wir Deutsche teilen ihren Schmerz. Im Kampf gegen die Verantwortlichen für solche menschenverachtenden Taten stehen wir an der Seite der Türkei."

Türkische Sicherheitskräfte sind in den vergangenen Monaten immer wieder zum Ziel von Anschlägen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK geworden. Gegen die PKK gehen die Sicherheitskräfte seit Mitte Dezember mit einer Offensive in der Südosttürkei vor. Allerdings wurden in der Vergangenheit Anschläge in der Türkei auch der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) oder linksterroristischen Gruppen angelastet.

In Ankara waren im vergangenen Jahr bei einem Bombenanschlag mehr als hundert Menschen getötet worden. Für die Tat wird der IS verantwortlich gemacht. Seitdem gilt in der Türkei die höchste Terrorwarnstufe. Bei einem Selbstmordanschlag eines mutmaßlichen IS-Anhängers auf eine deutsche Reisegruppe in Istanbul wurden im Januar zehn Bundesbürger getötet. Ein elftes Opfer starb später im Krankenhaus.

Bei den Gesprächen in Brüssel wollte Ministerpräsident Davutoglu am Donnerstag in Brüssel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras zusammenkommen. Zudem sollte er an einem Mini-Gipfel des "Clubs der Willigen" mit Deutschland und anderen EU-Staaten teilnehmen. Dieser Mini-Gipfel wurde am Mittwochabend abgesagt. Der eigentliche EU-Gipfel beginnt am späten Donnerstagnachmittag.

In den Gesprächen mit Davutoglu sollte es um die Umsetzung des Aktionsplans mit der Türkei zur Reduzierung der Flüchtlingszahlen gehen. Die EU stellt dafür drei Milliarden Euro bereit.

kaz/kev/AFP/AP/dpa/Reuters

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