Vier Millionen Lira pro Soldat Türkei setzt Kopfgeld auf geflohene Militärs aus

Nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei fliehen 2016 acht Soldaten mit dem Hubschrauber nach Griechenland. Erdogans Regierung fordert seitdem ihre Auslieferung, Athen weigert sich. Jetzt erhöht Ankara den Druck.

Zwei der acht türkischen Soldaten
REUTERS

Zwei der acht türkischen Soldaten


Vier Millionen Türkische Lira (rund 670.000 Euro) pro Soldat: Die Türkei hat ein Kopfgeld auf acht Militärs ausgesetzt, die sich nach dem gescheiterten Putschversuch von 2016 nach Griechenland abgesetzt hatten. Das türkische Innenministerium nahm die Soldaten außerdem in die Rote Liste der meistgesuchten "Terroristen" auf, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete.

Die acht Männer sollen vor knapp drei Jahren am Umsturzversuch in der Türkei beteiligt gewesen sein. Anschließend setzten sie sich mit dem Hubschrauber nach Griechenland ab und beantragten Asyl. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan fordert ihre Auslieferung. Athen verweist jedoch auf die Unabhängigkeit der Justiz.

Das Schicksal der Soldaten ist seit Langem Streitpunkt zwischen der Türkei und Griechenland. Nun wird es voraussichtlich auch Thema bei einem Treffen des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras mit Erdogan am Nachmittag in Ankara.

52.000 Menschen zeitweise in Haft

Die griechischen Gerichte lehnten den Antrag auf Auslieferung mit Verweis auf die Menschenrechtslage in der Türkei ab. Drei Militärs wurde inzwischen Asyl gewährt, bei den anderen wird der gleiche Schritt erwartet.

Die türkische Führung macht die Bewegung um den in den USA lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Seitdem gehen die Behörden massiv gegen angebliche Gülen-Anhänger, aber auch gegen Oppositionelle vor. Erdogan hatte am Wochenende in einem Interview betont, dass der Kampf gegen die Gülen-Bewegung noch lange nicht vorbei sei.

Die Liste der meistgesuchten "Terroristen" ist je nach Wichtigkeit in die Kategorien Rot, Blau, Grün, Orange und Grau aufgeteilt. 74 ehemalige Soldaten, denen Verbindungen zum Putschversuch vorgeworfen werden, wurden laut Anadolu neu auf die Liste gesetzt. Im vergangenen Jahr waren wegen angeblicher Gülen-Verbindungen nach offiziellen Angaben rund 52.000 Menschen kurz- oder längerfristig im Gefängnis gelandet. Tausende Staatdiener wurden außerdem entlassen.

mho/dpa



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