"Cumhuriyet"-Prozess in Istanbul Sieben Mitarbeiter kommen unter Auflagen frei

Sieben von 17 Mitarbeitern der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" dürfen das Gefängnis wieder verlassen. Die prominentesten Journalisten bleiben jedoch in Haft. Die Anwälte sprechen von "frei erfundenen Verbrechen".

Demonstranten fordern "Freiheit für Cumhuriyet"
AFP

Demonstranten fordern "Freiheit für Cumhuriyet"


Ein Istanbuler Gericht hat die Freilassung von sieben Mitarbeitern der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" angeordnet. Die Richter entschieden jedoch am Ende einer mehrstündigen Anhörung, den Herausgeber Akin Atalay, den Chefredakteur Murat Sabuncu, den Investigativjournalisten Ahmet Sik und den Kolumnisten Kadri Gürsel weiter in Haft zu belassen. Bisher waren elf der 17 angeklagten Mitarbeiter im Gefängnis.

Es gebe "keinen konkreten Beweis in der Anklage", und dennoch sei sein Mandant Kadri Gürsel seit neun Monaten in Haft, kritisierte der Anwalt Ilhan Koyuncu vor Gericht. Sein Anwaltskollege Alp Selek sagte, er arbeite seit fast 60 Jahren in der Justiz, doch habe er noch nie eine derartige Anklage gesehen, "die Verbrechen frei erfindet".

Unter den Freigelassenen ist der Karikaturist Musa Kart. Die nächste Anhörung wurde für den 11. September angesetzt. "Macht euch keine Sorgen um uns, wir bleiben aufrecht!", rief Atalay den Zuschauern zu, die mit Applaus reagierten. "Bleib standhaft, Ahmet, wir werden widerstehen und durchhalten", rief Siks Ehefrau Yonca vor der Verkündung der Gerichtsentscheidung.

Den Journalisten, Herausgebern und anderen Mitarbeitern der traditionsreichen Zeitung wird Unterstützung der Gülen-Bewegung und anderer "Terrororganisationen" vorgeworfen. Das Blatt weist die Vorwürfe entschieden zurück und beschuldigt die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan, mit dem Prozess eine der letzten unabhängigen Pressestimmen zum Schweigen bringen zu wollen.

bam/dpa



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