Türkei Sieben Festnahmen nach Bus-Anschlag

Die türkischen Behörden haben nach der Explosion in Kayseri sieben Personen festgenommen, nach fünf weiteren wird gefahndet. Die Regierung macht die PKK für den Anschlag mit mindestens 13 Toten verantwortlich.


Nach dem Autobomben-Anschlag auf einen mit Soldaten besetzten Bus in Kayseri haben türkische Sicherheitskräfte sieben Personen festgenommen. Nach fünf weiteren Personen werde gefahndet, sagte Innenminister Süleyman Soylu. Bei dem Attentat mit mindestens 13 Toten und 56 Verletzten habe es sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt, teilte Regierungschef Binali Yildirim mit.

Bislang hat sich noch niemand zu dem Anschlag bekannt. Yildirims Stellvertreter und Regierungssprecher Numan Kurtulmus sagte dem Sender NTV, es würden zwar "alle Möglichkeiten in Betracht" gezogen. Derzeit deuteten aber alle Hinweise auf die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hin.

In Kayseri stürmten Dutzende Demonstranten die Büros der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP), wie auf Videos in sozialen Onlinenetzwerken zu sehen war. Die türkische Regierung wirft der linksliberalen Partei Unterstützung der PKK vor. Die Millionenstadt Kayseri liegt weit entfernt von den Kurdengebieten im Südosten der Türkei und gilt üblicherweise als ruhig.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte in einer Mitteilung, die "Terrorakte" in der Türkei zielten auf "all unsere 79 Millionen Bürger mit unseren Soldaten und Polizisten". Ohne konkret auf den Anschlag in Kayseri einzugehen, fügte Erdogan hinzu, das Land werde von verschiedenen Terrorgruppen angegriffen, besonders aber von der PKK. "Wir werden entschieden gegen diese Terrororganisationen kämpfen im Geiste der nationalen Mobilisierung", kündigte Erdogan an.

Die Bundesregierung verurteilte den "hinterhältigen Anschlag". Derart "perfide Gewalt" sei durch nichts zu rechtfertigen, teilte das Auswärtige Amt mit.

Am Samstagmorgen hatte eine Autobombe nahe der Erciyes-Universität den Bus, in dem zahlreiche Soldaten saßen, völlig zerstört. Bei den 13 Todesopfern handelte es sich laut Armee um Soldaten unterer Dienstgrade. Sie hatten einen freien Tag und die Erlaubnis, diesen außerhalb der Kaserne zu verbringen. Unter den insgesamt 56 Verletzten waren demnach 48 Soldaten.

Der Anschlag erinnere an den Doppelanschlag am Samstag vergangener Woche in Istanbul, sagte Vize-Regierungschef Veysi Kaynak. Bei dem Attentat auf Polizisten nach einem Spiel des Fußballvereins Besiktas Istanbul waren in der türkischen Metropole 44 Menschen getötet worden. Zu der Tat bekannten sich die Freiheitsfalken Kurdistans (TAK), eine radikale Splittergruppe der PKK.

Anschließend hatte die türkische Polizei bei landesweiten Razzien Hunderte Menschen wegen mutmaßlicher Kontakte zur PKK festgenommen, darunter auch mehr als 200 HDP-Politiker.

fdi/Reuters/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.