Spionageverdacht Türkei spähte europaweit Gülen-Anhänger aus

Die Türkei ließ offenbar nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern Berichte über mutmaßliche Gülen-Anhänger erstellen. Nach SPIEGEL-Recherchen ging es auch um Betreiber von Schulen und Kitas.

Präsident Erdogan
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Präsident Erdogan


Die Spionageaffäre um die türkische Religionsbehörde reicht über Deutschland hinaus. Nach Informationen des SPIEGEL lieferten Mitarbeiter aus den türkischen Botschaften oder Generalkonsulaten Berichte über Anhänger des Predigers Fethullah Gülen aus weiteren europäischen Staaten nach Ankara, etwa aus Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Belgien. (Lesen Sie hier die ganze Geschichteim neuen SPIEGEL.)

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Heft 8/2017
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Den Dokumenten zufolge wurden nicht nur Namen von Personen übermittelt, sondern auch Hinweise auf Schulen, Kitas, Kultur- und Studentenvereine, die angeblich von der Gülen-Bewegung betrieben werden. Die türkische Botschaft in Bern mutmaßte in einem Schreiben an das Präsidium für religiöse Angelegenheiten, "gewaltbereite Aktivisten" der Gülen-Bewegung seien aus der Türkei geflohen und hätten sich in der Schweiz "festgesetzt".

In Deutschland spitzt sich die Affäre um mutmaßliche Spionageaktivitäten durch Imame an Ditib-Moscheen zu. Am vergangenen Mittwoch ließ der Generalbundesanwalt die Wohnungen von vier Ditib-Geistlichen durchsuchen. Er verdächtigt sie der "geheimdienstlichen Agententätigkeit".

Nach SPIEGEL-Informationen sehen sich auch Mitarbeiter deutscher Sicherheitsbehörden zunehmend durch ihre türkischen Kollegen unter Druck gesetzt. Es seien Fälle bekannt, "in denen Entscheidungsträger darum gebeten werden, in Deutschland aktive oppositionelle Gruppierungen einer aktuellen Bewertung zu unterziehen und entsprechende Maßnahmen zu treffen", heißt es in einer vertraulichen Analyse des Bundesamts für Verfassungsschutz.

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insgesamt 28 Beiträge
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auf_dem_Holzweg? 17.02.2017
1. was ist daran so verwerflich?
selbst unsere Kanzlerin deckt derartige Machenschaften, also macht es jeder und zwar überall, und damit ist doch quasi alles wieder gut. Warum also aufregen - weil es dieses Mal die Türkei ist die spioniert und nicht die USA?
micromiller 17.02.2017
2. Wenn die Gülen Heiligen
für den Putsch in der Türkei verantwortlich waren, der fast 300 Menschenleben gekostet hat, dann muss Erdogan diese Leute jagen und zur Verantwortung ziehen, wenn er an sich selber glaubt.
froschbus 17.02.2017
3. Souverän
Wir werden sehen wie souverän wir damit umgehen oder ob uns der bös vom Bosporus mit seinen Lautsprechern auf der Nase herumtanzt. Wie war das ausspionieren unter Freunden geht gar nicht.... Arme Anhänger von Gühlen. Mal sehen wie lang der Friede in der deutsch türkischen Gemeinschaft hält. Ich würde mir hier ein klares Signal von Toleranz der Betroffenen Mitbürger wünschen
jerusalem 17.02.2017
4. echt toll,
daß für diese Regierung auch noch ein für Oberhausen wichtiges Fußballspiel abgesagt werden muß. Aber der Ausländerdeal ist eben so wichtig, daß die Bundesregierung ..... Erdogan = Herrscher Europas??
Atheist_Crusader 17.02.2017
5.
Wozu? Wenn man den Ausagen der türkischen Regierung zu ihrem logischen Schluss folgt, dann ist die Gülen-Bewegung völlig harmlos. Wäre ich ein religiöser Führer mit Millionen Gefolgsleuten und würde einen Putschversuch durchführen, würde ich spätestens beim ersten Schuss meine Anhänger über soziale Medien kontaktieren und sie auffordern, besagten Putsch zu unterstützen. Hat Gülen aber nicht getan. Obwohl ihm klar sein musste, dass seine Ressourcen zu schonen nichts bringen würde. Er hätte wissen müssen, dass er nur diese eine Chance hätte und im Misserfolgsfall eine große Säuberung stattfinden würde. Es gab also keinen Grund, nicht alles auf eine karte zu setzen. Das lässt nur einen Schluss zu: Gülen ist zu unfähig um eine Bedrohung für die Türkei zu sein. Also... entweder das, oder er hatte gar nichts mit dem angeblichen Putschversuch zu tun.
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