Konflikt mit Assad-Regime: Türkei schickt Truppen an syrische Grenze

Der Konflikt zwischen der Türkei und Syrien verschärft sich. Ankara hat Flugabwehrgeschütze an der Grenze in Stellung gebracht. Türkische Medien zeigten Bilder von Militärkonvois, die sich Richtung Syrien bewegten.

DPA/ Anadolu Agency

Ankara - Die türkische Regierung hat Berichte bestätigt, nach denen sie Truppen an der Grenze zu Syrien zusammenzieht. In der Provinz Hatay würden Flugabwehrwaffen stationiert, teilten die türkischen Behörden am Donnerstag in Ankara mit. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme.

Mehrere Geschütze seien bereits in Stellung gebracht worden, berichtete der Sender TRT. Die private Nachrichtenagentur Dogan zeigte Aufnahmen eines Militärkonvois, darunter ein Raketenwerfer, der in Richtung syrische Grenze fuhr.

Rund 30 Militärfahrzeuge seien von der Küstenstadt Iskenderun eingetroffen. Die staatliche Nachrichtenagentur Anatolia berichtete, dass Militärfahrzeuge auch in die Provinz Sanliurfa fahren.

Ein Regierungsvertreter bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters das Manöver. Syrien sei über anstehende Truppenbewegungen an der Grenze informiert worden. Premierminister Recep Tayyip Erdogan hatte angekündigt, die Sicherheit in der Grenzregion zu verstärken.

Nach dem Abschuss eines türkischen Militärflugzeugs durch Syrien am Freitag vergangener Woche hatte Erdogan Damaskus am Dienstag für den Fall weiterer Provokationen mit militärischen Reaktionen gedroht. Jede syrische Truppeneinheit, die sich der Grenze nähere, werde ab sofort als militärisches Ziel gewertet und bekämpft, hatte er gesagt.

Nato fürchtet weitere Provokationen an der Grenze

Durch den Abschuss der F-4 "Phantom" verschlechterten sich die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern weiter. Türkische Stellen räumten ein, dass das Flugzeug irrtümlich in syrischen Luftraum eingedrungen sei, ihn nach einer Warnung aber wieder verlassen habe. Es sei in internationalem Luftraum abgeschossen worden. Außerdem soll Syrien nach Darstellung Ankaras auf ein türkisches Rettungsflugzeug geschossen haben, das nach dem Absturz des Kampfjets ausgeschickt worden sei.

Nach syrischer Darstellung war der Abschuss ein Unfall, der von einer "automatischen Reaktion" eines Befehlshabers einer Luftabwehrstellung verursacht worden sei, der ein nicht identifiziertes Flugzeug mit hoher Geschwindigkeit auf geringer Höhe gesehen habe.

Die Nato, von der Türkei zu einer Sondersitzung zusammengerufen, stärkte ihrem Bündnispartner am Dienstag den Rücken. Doch beim Verteidigungsbündnis hofft man, dass es nicht zu weiteren Provokationen an der Grenze kommt - denn von den Bündnisnationen will sich keine in den Konflikt hineinziehen lassen.

Die Beziehung der einstigen Verbündeten Syrien und Türkei verschlechtert sich seit Monaten rapide. Erdogan hatte sich bereits kurz nach Beginn des Aufstands gegen Assad an die Seite der syrischen Oppositionellen gestellt. Im vergangenen Jahr rief er den Diktator zum freiwilligen Rücktritt auf, am Dienstag forderte er den Sturz des Regimes "mit allen nötigen Mitteln".

fab/dapd/Reuters

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1.
wynkendewild 28.06.2012
Zitat von sysopAFPDer Konflikt zwischen der Türkei und Syrien verschärft sich. Ankara hat Flugabwehrgeschütze an der Grenze in Stellung gebracht. Türkische Medien zeigten Bild von Militärkonvois, die sich Richtung Syrien bewegen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,841418,00.html
Das ähnelt irgendwie dem Krieg zwischen Argentinien und England in den 80er Jahren. Da hat sich die NATO ja auch nicht eingemischt. Und so sollten es die restlichen Mitglieder auch handhaben. Dieser regionale Konflikt geht nur die etwas an, die davon unmittelbar betroffen sind. Deutschland beteiligt sich schon an zig internationalen Mission und braucht seine Streitkräfte deshalb nicht in einen neues Abenteuer zu entsenden.
2. Die Osmanen
Christiane Schneider 28.06.2012
Zitat von sysopAFPDer Konflikt zwischen der Türkei und Syrien verschärft sich. Ankara hat Flugabwehrgeschütze an der Grenze in Stellung gebracht. Türkische Medien zeigten Bild von Militärkonvois, die sich Richtung Syrien bewegen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,841418,00.html
Erdogan plant schon für die Zeit nach Assad, wenn er sich dann als Retter der Syrer darstellen will. Früher gehörte Sysrien ja auch zum osmanischen Reich. Da hat man noch Ambitionen. Wahrscheinlich wird in Syrien nur eine Diktatur durch eine andere ersetzt. Demokratie auch im Sinne von Minderheitenschutz gibts eher nicht. Die Juden und Christen packen schon die Taschen.
3. gute Zusammenfassung...
Deep Thought 28.06.2012
.. der komplexen Gemengelage und der jeweiligen Situation in den nahöstlichen und nordafrikanischen Staaten abseits interessengeleiteten Journalismus ist diese interatktive Karte: http://www.faz.net/aktuell/politik/bestandsaufnahme-die-arabische-welt-im-umbruch-11759766.html
4. ?
burgundy2 28.06.2012
Zitat von sysopAFPDer Konflikt zwischen der Türkei und Syrien verschärft sich. Ankara hat Flugabwehrgeschütze an der Grenze in Stellung gebracht. Türkische Medien zeigten Bild von Militärkonvois, die sich Richtung Syrien bewegen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,841418,00.html
Verstehe ich jetzt gar nicht. Ich dachte, die Türken fliegen nach Syrien und nicht umgekehrt.
5.
lajosz 28.06.2012
irgendwie ironisch, die türken fliegen mit einem militärflugzeug in syrisches gebiet- und stellt nun flugabwehrgeschütze auf?
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