Türkei Tausende demonstrieren für Frauenrechte - und gegen Erdogan

Die Proteste richteten sich auch gegen Erdogans geplante Verfassungsreform: In der Türkei sind am Weltfrauentag Tausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Gewalt gegen Frauen zu demonstrieren.

Demonstrantinnen in Istanbul
AFP

Demonstrantinnen in Istanbul


In der Türkei haben Tausende Menschen am Weltfrauentag für die Rechte von Frauen demonstriert. In der Istiklal-Straße in Istanbul versammelten sich mehr als 10.000 zumeist weibliche Demonstranten, um Gewalt gegen Frauen anzuprangern. Sie wandten sich auch gegen Staatschef Recep Tayyip Erdogan und riefen "Tayyip, Tayyip, renn, renn, wir kommen".

Einige Demonstranten trugen Schilder mit der Aufschrift "Nein". Damit wandten sie sich gegen Erdogans Pläne für eine Verfassungsreform, die ihn mit weitreichenden Befugnissen ausstatten soll. Über das Vorhaben wird am 16. April in einem Referendum abgestimmt. Die Demonstration wurde von einem großen Polizeiaufgebot begleitet, Zwischenfälle wurden nicht gemeldet.

In Ankara fand ebenfalls eine Demonstration statt. Auch hier wurden "Nein"-Schilder in die Höhe gehalten. Im südosttürkischen Diyarbakir demonstrierten mehrere hundert Frauen. In der Türkei werden jedes Jahr hunderte Frauen ermordet, viele von ihren Ehemännern.

Demonstration in Istanbul
AFP

Demonstration in Istanbul

Mindestens 40.000 Demonstranten in Madrid

Auch in anderen Ländern gab es Proteste für Frauenrechte, die größten Demonstrationen mit Zehntausenden Teilnehmerinnen fanden in Madrid und zahlreichen lateinamerikanischen Städten statt. In New York und weiteren US-Städten richteten sich die Proteste vor allem gegen US-Präsident Donald Trump.

In Madrid versammelten sich mindestens 40.000 Demonstranten vor dem Rathaus, bevor sie zur Plaza de España zogen. Auf Transparenten und Schildern waren immer wieder das Wort "Gerechtigkeit" und Slogans wie "Wir sind nicht alle hier" und "Wenn du nicht schweigst, bist du nicht mehr schön" zu lesen. Ähnliche Protestmärsche gab es in Barcelona, Alicante, Valencia, Granada und Bilbao sowie zahlreichen weiteren europäischen Städten.

In New York kamen zwischen 3000 und 5000 Menschen zusammen. Eine Kundgebung fand in der Nähe des Trump Towers statt, wo US-Präsident Donald Trump ein privates Apartment hat. Rund 2000 vorwiegend weibliche Demonstranten versammelten sich in Los Angeles. Mehrere hundert Menschen kamen am Weißen Haus in Washington zusammen. Dort trugen viele Frauen rosafarbene "Pussy Hüte", als ironische Anspielung auf die Prahlereien des Immobilienmoguls mit sexuellen Übergriffen.

Festnahmen in Moskau

In der uruguayischen Hauptstadt Montevideo kamen ebenfalls mehrere zehntausend Demonstrantinnen zusammen. Das lateinamerikanische Land erlebte zuletzt nach amtlichen Angaben eine Zunahme häuslicher Gewalt gegen Frauen. In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires versammelten sich tausende Frauen auf der berühmten Plaza de Mayo beim Regierungssitz, um mehr Gleichberechtigung zu fordern. Auch in Mexiko, Chile und weiteren lateinamerikanischen Ländern wurde demonstriert.

Im brasilianischen Rio de Janeiro wurde der Flughafen Antonio Carlos Jobim symbolisch für zehn Tage nach der Frauenrechtsaktivistin Maria da Penha umbenannt. Frauenproteste gab es auch in vielen anderen Städten weltweit, darunter im indischen Neu Delhi und in Dhaka in Bangladesch, wo Opfer von Säureattacken bei einer Modenschau über den Laufsteg liefen.

In Moskau wurden am Internationalen Frauentag mehrere Feministinnen bei einer Protestaktion am Kreml festgenommen. Die Frauen hatten ein Transparent mit der Aufschrift "Männer sind seit 200 Jahren an der Macht, nieder mit ihnen" und Rauchfackeln hochgehalten.

max/AFP



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