Luftschläge nach Anschlag in Ankara Türkisches Militär tötet Dutzende PKK-Kämpfer

Die Türkei geht nach dem Anschlag von Ankara massiv gegen die PKK vor. Bei Luftschlägen im Nordirak starben 45 kurdische Kämpfer.

Türkischer Kampfjet
AP/dpa

Türkischer Kampfjet


Die Türkei hat die Luftangriffe auf Stellungen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak fortgesetzt. Nach Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu wurden dabei am Dienstagmorgen 45 kurdische Kämpfer getötet. Außerdem seien bei den Luftschlägen in den Regionen Kandil und Gara Waffen und Munitionsdepots zerstört worden. In Kandil unterhält die PKK ihr Hauptquartier.

Die türkische Regierung vermutet die PKK hinter dem Selbstmordanschlag vom Sonntag in der Hauptstadt Ankara, bei dem mindestens 37 Menschen getötet und mehr als 120 weitere verletzt wurden. "Es gibt sehr ernste, beinahe sichere Hinweise, die vor allem auf die separatistische Terrororganisation hindeuten", sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu. Die Polizei nahm elf Verdächtige fest. Bislang hat sich niemand offiziell zu dem Anschlag bekannt.

Auch im Südosten des Landes gehen Sicherheitskräfte gegen kurdische Kämpfer vor. Bei Zusammenstößen kamen nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters ein Polizist und drei Kurden ums Leben. Nach den Gefechten verhängten die örtlichen Behörden in Teilen der Stadt Diyarbakir eine Ausgangssperre. In anderen Städten in der Region hatten die Behörden bereits am Montag Ausgangssperren verhängt.

Seit dem Zusammenbruch des Waffenstillstands zwischen dem türkischen Staat und der PKK vergangenen Juli führen beide Parteien offen Krieg. PKK-Kämpfer verübten in den vergangenen Monaten wiederholt Attentate. Das türkische Militär flog im Gegenzug Angriffe gegen die PKK, die Regierung verhängte in zahlreichen mehrheitlich kurdischen Städten Ausgangssperren, ließ Panzer aufrollen. Bei den Gefechten starben nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mehrere Hundert Zivilisten.

Erst vor knapp einem Monat hatte in Ankara ein Selbstmordattentäter ebenfalls eine Autobombe gezündet und 29 Menschen mit in den Tod gerissen. Zu dieser Tat bekannte sich die aus der PKK hervorgegangene Splittergruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK). Die TAK hatte damals zugleich weitere Anschläge angekündigt.

brk/dpa/Reuters

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