Notstandsdekret Türkei verbietet Kuppelshows in Radio und Fernsehen

Weil sie "die Institution der Familie beschädigen", hat die türkische Regierung Fernseh- und Radiosendungen untersagt, in denen Paare verkuppelt werden. Zugleich wurde die Entlassung von fast 4000 Staatsbediensteten verkündet.

Recep Tayyip Erdogan am Samstag in Istanbul
AP

Recep Tayyip Erdogan am Samstag in Istanbul


Die türkische Regierung hat die im Land beliebten Kuppelshows verboten. Sendungen in Radio und Fernsehen, in denen Menschen einander vorgestellt werden, um einen Partner zu finden, "können nicht zugelassen werden", hieß es in einem am Samstag im Amtsblatt veröffentlichten Dekret.

Vizeregierungschef Numan Kurtulmus hatte das Verbot im März angekündigt und gesagt, derartige Sendungen passten nicht zu den türkischen Sitten und Traditionen. "Es gibt einige merkwürdige Sendungen, die die Institution der Familie beschädigen und ihr die Würde und Heiligkeit nehmen", hatte er gesagt.

Regierungsgegner in der Türkei fürchten eine immer stärkere Ausrichtung der Politik nach einem konservativen Verständnis des Islam. Anhänger der Regierungspartei AKP argumentieren, Kuppelshows erhielten jedes Jahr Tausende Beschwerden von Bürgern, weshalb ein Verbot im öffentlichen Interesse sei.

Ebenfalls am Samstag hatte die türkische Regierung per Dekret fast 4000 Staatsbedienstete entlassen. Außerdem sperrten die Behörden den Zugang zum Online-Lexikon Wikipedia.

feb/AP/AFP

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.