Flüchtlingskrise Türkei will von EU drei Milliarden Euro mehr

In der Flüchtlingskrise fordert die Türkei nach den Worten von EU-Parlamentschef Martin Schulz bis 2018 weitere drei Milliarden Euro.

Türkischer Regierungschef Ahmet Davutoglu (M.), Martin Schulz (l.), Kommissionschef Juncker und EU-Ratschef Tusk
REUTERS

Türkischer Regierungschef Ahmet Davutoglu (M.), Martin Schulz (l.), Kommissionschef Juncker und EU-Ratschef Tusk


Beim Brüsseler EU-Sondergipfel zur Flüchtlingskrise mit der Türkei wird offenbar hart verhandelt: Laut EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat die Türkei für eine Übereinkunft zusätzliche drei Milliarden Euro verlangt. Das Geld soll bis 2018 ausgezahlt werden und ist für die Versorgung der rund 2,7 Millionen syrischer Kriegsflüchtlinge im Land gedacht.

"Drei Milliarden sind in der Debatte", sagte Schulz in Brüssel am Rande des Gipfeltreffens. Außerdem soll die Delegation um den türkischen Regierungschef Ahmet Davutoglu eine verbesserte Ausgangslage in den Beitrittsverhandlungen mit der EU gefordert haben. Bereits geplante Visa-Erleichterungen für türkische Staatsbürger könnten von Oktober auf Juni vorgezogen werden.

Dafür hat die Türkei offenbar angeboten, mehr Flüchtlinge aus Griechenland zurückzunehmen als bisher angekündigt. Ministerpräsident Davutoglu habe "neue und ehrgeizige Ideen" vorgelegt, sagten Diplomaten.

Die EU hatte bereits im vergangenen November drei Milliarden Euro zur besseren Versorgung syrischer Flüchtlinge in der Türkei zugesagt. Die EU-Staaten stritten aber lange intern über die Lastenteilung. Erst Monate später gab es eine konkrete Abmachung.

Kurz nachdem die Nachforderung aus Ankara bekannt wurde, meldete Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling Zweifel an: Am Rande der Eurogruppe sagte er, die EU habe bereits eine Zusage für drei Milliarden Euro gegeben. "Ich bin nicht bereit, darüber hinaus Mittel zur Verfügung zu stellen, so lang nicht die Belastungen, die Länder wie Deutschland, Schweden, Österreich tragen, auch abgegolten werden", so Schelling.

EU-Ratschef Donald Tusk hatte den EU-Sondergipfel am Montagmittag spontan bis zum Abend verlängert, als sich die Nachverhandlungen mit der türkischen Regierung abzeichneten.

cht/dpa/AP



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insgesamt 108 Beiträge
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Kezman9 07.03.2016
1.
...und für die 3 Mrd hält sich die TR an die Menschenrechte. Ahhhmm...wird schwierig
fusselsieb 07.03.2016
2. Nachvollziehbar
Die Türkei hat auch den Vorschlag gemacht, Städte für Flüchtlinge in der Türkei zu bauen. Das können auch Flüchtlinge machen, die nicht gut ausgebildet sind. Da ist auch wesentlich billiger, als sie nur zu versorgen und man schafft Werte. Das ist der einzig richtige Ansatz, meiner Meinung nach. Das Geld wäre gut investiert.
Leser1000 07.03.2016
3. Meine Meinung
Gebt den Griechen das Kommando! - in diesem Fall das Geld nebst personeller Unterstützung durch die Rest EU! Es wäre doch grotesk, wenn wir uns von Erdogans Gusto abhängig machen würden.
cptlars 07.03.2016
4. Ich denke
da sitzt die EU etwas in der Zwickmühle...
mottasvizzera 07.03.2016
5. Mehr als die Geldzahlungen irritieren mich...
... diese Konditionen bei den Visa und den Tauschhandel mit Flüchtlingen. Das sieht wie ein moderner Ablasshandel aus, denn auf diese Weise wird ein EU-Beitritt durchgedrückt und damit die Personenfreizügigkeit erzwungen.
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