Ankara/Damaskus - Die türkische Armee verstärkt ihre Präsenz an der Grenze zu Syrien. Ein Konvoi mit rund 20 Fahrzeugen sei in die Grenzregion entsandt worden, berichteten türkische Medien. Panzer, Raketenwerfer und Soldaten sind laut der Nachrichtenagentur Anadolu in die südtürkischen Provinzen Kilis und Hatay entsandt worden.
Mehrfach wurden in den letzten Wochen Truppen an die 911 Kilometer lange Grenze verlegt. Die laufende Verlegung dürfte in Zusammenhang mit der eskalierenden Gewalt rund um Syriens größte Stadt Aleppo stehen.
Die syrischen Rebellen kontrollieren unter anderem den Grenzposten al-Salama zur Provinz Kilis. Am Montag brachten sie laut der Nachrichtenagenur AFP in Aleppo einen Kontrollposten in ihre Gewalt, der ihnen eine Nachschubroute aus der Türkei sichert. Demnach fiel der strategisch wichtige Ort nach rund zehnstündigem Kampf am frühen Morgen an die Aufständischen. Der betreffende Kontrollpunkt Anadan liegt etwa fünf Kilometer nordwestlich von Aleppo und rund 45 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt.
Vize-Polizeichef setzt sich in die Türkei ab
Am Samstag hatten die syrischen Streitkräfte eine große Offensive auf Aleppo gestartet. Seither liefern sie sich dort erbitterte Kämpfe mit den Rebellen. Etwa 200.000 Einwohner der Millionenstadt befinden sich nach Uno-Angaben auf der Flucht. In der Türkei fanden nahe der Grenze zu Syrien bereits Zehntausende Menschen in Flüchtlingslagern Zuflucht. Nach türkischen Angaben flohen am Sonntag 600 weitere Syrer über die Grenze.
Am Montag hieß es aus türkischen Militärkreisen, ein weiterer syrischer General sei zusammen mit elf Soldaten in die Türkei geflohen. Damit halten sich dort bereits 28 desertierte Generäle auf. Auch der stellvertretende Polizeichef der Stadt Latakia setzte sich in der Nacht zu Montag in das Nachbarland ab.
In der nordwest-syrischen Industriemetropole Aleppo wurde am dritten Tag in Folge weiter heftig gekämpft. Über den Stand der Kämpfe gab es widersprüchliche Angaben: Syrische Regierungstruppen behaupteten am Montagvormittag, sie hätten Salahaddin inzwischen eingenommen. "Salahaddin wurde vollständig zurückgewonnen", zitierte das staatliche syrische Fernsehen einen hochrangigen Militär.
Rebellen und Armee reklamieren Erfolge in Aleppo
Die Aufständischen bestritten diese Darstellung vehement. Regierungstruppen seien bislang nicht in das Viertel eingedrungen. Panzer befänden sich im nahegelegenen Bezirk Hamdanija, Salahaddin selbst sei aber weiterhin in Rebellenhand, sagte der Aktivist Mohammed Said. "Die Behauptung entbehrt jeder Grundlage", so auch der örtliche Rebellenkommandeur Abu Omar al-Halabi zur Nachrichtenagentur dpa. Die Regimetruppen hätten erneut versucht, Salahaddin mit Panzern anzugreifen, seien aber zurückgeschlagen worden. Die Armee sei "nicht einen Meter" vorgerückt, sagte ein weiterer Anführer der Aufständischen telefonisch der Nachrichtenagentur AFP. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London beschossen die Aufständischen ein Gebäude des Geheimdiensts der syrischen Luftwaffe im Stadtteil Sahira. Unabhängige Nachrichten aus der Stadt sind jedoch kaum zu bekommen.
Nach Einschätzung von US-Verteidigungsminister Leon Panetta wird die Offensive der Rebellen für Machthaber Assad das Ende seiner Macht besiegeln. Aleppo sei ein neues "tragisches Beispiel" für die "blinde Gewalt", die das Regime gegen das eigene Volk richte, sagte Panetta an Bord einer Militärmaschine mit Ziel Tunesien. Je mehr Gewalt Assad anwende, desto mehr stelle er sicher, dass "sich das Regime seinem Ende zuneigt". Die Frage sei nicht mehr, ob der syrische Machthaber stürze, sondern wann, sagte Panetta. Aleppo werde "letztlich Assads Sargnagel sein".
fab/AFP/dpa/Reuters
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