Gewalt im Gazastreifen Türkei verweist Israels Botschafter des Landes

Der diplomatische Streit zwischen der Türkei und Israel verschärft sich. Wegen der Gewalt im Gazastreifen zitierte Ankara den israelischen Botschafter ins Außenministerium - er muss das Land verlassen.

Tränengas-Einsatz am Gazastreifen
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Tränengas-Einsatz am Gazastreifen


Als Reaktion auf die tödliche Gewalt bei den Massenprotesten im Gazastreifen hat die Türkei Eitan Naeh, den Botschafter Israels, einbestellt. Der Diplomat sei in das Außenministerium in Ankara zitiert worden, heißt es aus Kreisen der türkischen Regierung.

Nach Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu wurde Naeh mitgeteilt, dass es "angemessen ist, wenn er für einige Zeit in sein Land zurückkehrt". Damit scheint es sich nicht um eine förmliche Ausweisung zu handeln - läuft aber genau darauf hinaus. Die israelische Botschaft lehnte eine Stellungnahme zunächst ab.

Am Montag, dem 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels, war es zusätzlich aufgeheizt durch die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem zu besonders gewaltsamen Protesten gekommen. Es wurde der blutigste Tag im Nahostkonflikt seit 2004: Mindestens 60 Palästinenser wurden getötet, mehr als 2400 verletzt. Zehntausende Palästinenser protestierten am Grenzzaun gegen Israel.

        Israels Botschafter        Eitan Naeh
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Israels Botschafter Eitan Naeh

Als Reaktion auf die Gewalt im Gazastreifen hatten die Türkei und Südafrika bereits ihre Botschafter aus Israel zu Beratungen zurückgezogen. Südafrika zeigt sich häufig solidarisch mit den Palästinensern.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Israel zuvor "Staatsterrorismus" und "Völkermord" vorgeworfen. Israels Premier Benjamin Netanyahu nannte Erdogan postwendend den "größten Unterstützer der Hamas". Erdogan sei daher "zweifellos ein Experte in Sachen Terror und Gemetzel".

International wird indes der Ruf nach einer internationalen Untersuchung der tödlichen Schüsse an der Grenze lauter. Er könne für die Bundesregierung nur sagen, "dass eine unabhängige Untersuchungskommission die geschehene Gewalt und die blutigen Zusammenstöße im Grenzraum aufklären könnte", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Bundesregierung warf der im Gazastreifen herrschenden Hamas vor, es auf eine Eskalation der Gewalt anzulegen.

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Neue US-Botschaft in Jerusalem: Das Pulverfass

Die israelische Armee, die mit tausenden Soldaten am Grenzzaun zum Gazastreifen und im Westjordanland im Einsatz war, rechnete am Dienstag mit neuer Gewalt und warnte die Demonstranten: "Jede terroristische Aktivität wird eine entschlossene Reaktion hervorrufen." Bislang wurde bei den neuen Konfrontationen mit israelischen Soldaten offenbar ein Palästinenser getötet. Der Mann sei erschossen worden, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza am Dienstag mit. Die Armee sprach von rund 400 Palästinensern, die an gewaltsamen Protesten im Grenzgebiet beteiligt seien.

als/Reuters/AP/dpa

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womo88 15.05.2018
1. Staatsterrorismus und Völkermord ...
Staatsterrorismus und Völkermord wirft Erdogan Israel vor. Da will einer von sich ablenken. Es ist ohne Frage eine ganz schlimme sache, was gestern im Gazastreifen geschah. Auch die Brutalität der Israelis ist dramatisch, andererseits besteht natürlich auch die Frage, ob die Palästinenser nicht von der Hamas instrumentalisiert werden, was nicht weniger schlimm ist. Wer da am besten ganz ganz still sein sollte, der sitzt in Ankara in einem 1000 Zimmer-Palast und träumt vom großen Osmanischen Reich, wo er Sultan wird.
Livingston1 15.05.2018
2. Ich mag Präsident Erdogan NICHT, doch HIER hat er recht!!!
Man stelle sich folgendes vor: Es gibt auf der marokkanischen Seite vor dem Grenzzaun zur spanischen Enklave Melilla (oder Ceuta) eine Demonstration und die spanischen Polizisten (oder Militärs?) schießen scharf "hinüber" und töten an die Hundert demonstrierende Marokkaner, die meisten völlig unbewaffnete Zivilisten. Oder an der Grenze Mexiko-USA demonstrieren auf MEXIKANISCHER Seite Mexikaner gegen die USA oder deren restriktive Einwanderungspolitik, und die Amerikaner eröffnen das Feier und schießen SCHARF über die Grenze! WAS wär das für ein Aufstand in der Presse und Politik! ABER - Israel darf das ALLES machen und man hört von politischer (auch europäischer) Seite nichts als "sanfte Hinweise" "... beide Seiten mögen bitte Gewalt vermeiden"! Dabei werden/wurden bisher an die Hundert Demonstranten (AUF IHRER SEITE DES ZAUNS!) erschossen, Tausende liegen schwer verwundet in den Krankenhäusern! Und - man hört kaum Kritik, höchstens "hinter vorgehaltener Hand"!!?? Wie skurril und völlig unverständlich ist denn das? Die moralische Autorität ganzer westlicher Demokratien wird damit völlig unglaubwürdig und untergraben! Zweierlei Maß DARF es nicht geben, sonst sind Gesetze, UN-Beschlüsse, Verträge usw. alle OBSOLET!! Es wäre HÖCHSTE Zeit, das einmal zu begreifen und ÜBERALL und bei ALLEN gleich und moralisch, gemäß den Gesetzen, der UN-Charta, den Verträgen und den Verfassungen zu agieren!!!
vubra 15.05.2018
3. Das einzige was sicher ist
das die Welt grade immer Unsicherer wird. Und keiner sollte glauben dass niemand bemerkt wie jeder der Protagonisten versucht seinen Vorteil aus all dem zu ziehen. Oder glaubt auch nur einer dass all das was grade geschieht zum wohl der Menschheit geschieht, wohl kaum. Um die Wahrheit zu sagen ich persönlich denke das all den Krisen der Welt bald ein Ende finden im dritten Weltkrieg. Dieser hat bereits vor einiger Zeit angefangen es praktisch so dass die Lunte brennt und die Einschläge immer näher kommen. Die Allianzen sich immer mehr klar abzeichnen. Und die Elite der ganz Verwirrten ganze Länder regieren. Das kann nur übel enden.
raoul2 15.05.2018
4. Wer in Zeiten wie diesen noch immer
mit der halbstaatlichen TK-Airline fliegt oder gar All-Inklusive-"Urlaub" im Land des "Sultans" für angemessen hält und damit den irren Präsidenten finanziell alimentiert, sollte ebenfalls aufgefordert werden, endlich einmal zu überdenken, ob es nicht angesagt sein könnte, für einige Zeit in sein Land zurückzukehren. Dasselbe gilt für all jene, die Schnappatmung bekommen, sobald man die völlig unverständlichen Aktionen der Fußball-Millionäre Özil und Gündogan als ganz besonders dumm bezeichnet.
t.malinowski 15.05.2018
5. Erdogan aus der NATO schmeissen
Gestern hat BBC World ein Interview mit Erdogan ausgestrahlt (Hard Talk). Auf Grund seiner Aussagen in diesem Interview und seiner Handlungsweise sowohl im Irak und Syrien kann ich nur zu dem Schluß kommen das dieser Mann ein Diktator ist. Sein Land gehört, solange es sich nicht an die demokratischen Regeln der anderen Nato -Staaten hält, rausgeworfen. Seine Antworten auf legitime Fragen waren widerlich, seine Arroganz ein wahres Brechmittel. Die Reaktion auf die Vorgänge in Israel weisen ihn als Islamisten aus, und damit zu einem Feind der freien Welt.
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