Diplomatischer Ärger mit USA Türkei rechnet mit raschem Ende des Visastreits

Erstmals seit dem Visastreit haben die Außenminister der Türkei und der USA wieder miteinander telefoniert. Bei einem Besuch in Washington sagte der türkische Vizepremier, die Krise sei wahrscheinlich bald überwunden.

Türkische Flagge
REUTERS

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Die Außenminister der Türkei und der USA haben erstmals seit dem Visastreit wieder miteinander telefoniert. In dem Gespräch hätten der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu und sein US-Kollege Rex Tillerson am Mittwoch über die "gegenseitige Aussetzung der Visavergabe gesprochen", berichtete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Einzelheiten nannte sie nicht.

Nach der Festnahme eines türkischen Mitarbeiters des US-Konsulats in Istanbul am Mittwoch vergangener Woche hatten die USA am Sonntag die Vergabe von Visa in ihren Vertretungen in der Türkei ausgesetzt. Die türkische Regierung reagierte, indem sie ihrerseits die Visa-Vergabe an US-Bürger stoppte. Die Türkei wirft dem inhaftierten Konsulatsmitarbeiter Spionage und Mitgliedschaft in der verbotenen Gülen-Bewegung vor (mehr zu dem Streit lesen Sie hier).

Am Dienstag hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan angekündigt, den scheidenden US-Botschafter nicht zu einem traditionellen Abschiedsbesuch zu empfangen, und den Streit damit weiter angeheizt. "Wir betrachten ihn nicht mehr als den US-Repräsentanten in der Türkei", sagte Erdogan.

Ministerpräsident Binali Yildirim bemühte sich am Mittwoch um einen versöhnlicheren Ton. "Wir hoffen, dass sich die Beziehungen zwischen zwei Verbündeten bald normalisieren werden", sagte er in Ankara.

Simsek glaubt an baldiges Ende des Streits

Simsek (Archivbild 2010)
REUTERS

Simsek (Archivbild 2010)

Bei einem Besuch in Washington nannte der türkische Vizepremier Mehmet Simsek den Visastreit "übertrieben". Er gehe davon aus, dass er sehr wahrscheinlich bald gelöst sei, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Reuters. "Wir wollen nicht, dass der Streit länger als eine Sekunde anhält."

Simsek gilt als einer der wenigen Moderaten in der Regierung unter Erdogan. 2007 wurde er Wirtschaftsminister unter dem damaligen Premier Erdogan. 2015 wurde er Vize unter Premier Ahmet Davutoglu, er behielt seinen Posten auch unter dem neuen Regierungschef Yildirim (hier lesen Sie ein Interview mit Simsek über Deutschland und die Türkei).

Auch der amerikanische Verteidigungsminister James Mattis äußerte sich jüngst zu dem Streit zwischen den beiden Ländern. An Bord einer Militärmaschine sagte er zu Reportern, die militärischen Beziehungen zur Türkei hätten unter den diplomatischen Spannungen nicht gelitten.

aar/Reuters/AFP

insgesamt 7 Beiträge
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go-west 12.10.2017
1. Die Türken haben ja auch
deutlich mehr zu verlieren. Die Amis dürfte es kaum jucken, daß sie nicht in die Türkei reisen können. Umgekehrt ist es schon ein ziemlich großes Problem, die türkische Wirtschaft wäre stark betroffen wenn ihre Geschäftsleute nicht mehr in die Staaten könnten.
tomrobert 12.10.2017
2. Das glaube ich nicht!
Die Beziehungen werden sich eher noch verschlechtern, durch das Kurden und AlNusra Problem , durch Waffen Käufe von den Russen.
frenchie3 12.10.2017
3. Volldampf zurück
Wer hätte das gedacht
Atheist_Crusader 12.10.2017
4.
Ich glaube nicht so ganz an eine baldige Normalisierung der Beziehungen. Im Duell Erdogan vs. Trump prallen zwei pubertierende Spinner mit kurzer Lunte aufeinander. Je direkter die beiden da involviert sind, desto schlimmer wird es werden. Ich kann mir da allerdings eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen.
p-touch 12.10.2017
5. Natürlich wird
der Visa-Streit schnell beigelegt, sobald der Konsulatmitarbeiter wieder auf freien Fuß ist. Die USA sitzen hier am deutlich längerm Hebel. Schließlich kann ja Erdogan hier schlecht mit einer Grenzöffung für Flüchtlinge drohen und ob er US-Politiker denn Zugang zu US-Stützpunkten verwehrt wird sich Erdogan bestimmt zweimal überlegen.
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