Auslandstürken haben abgestimmt Rekordbeteiligung bei Türkei-Wahl in Deutschland

Fast die Hälfte der türkischen Wahlberechtigten in Deutschland hat an den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen teilgenommen. Für Erdogan und die AKP sind die Stimmen traditionell wichtig.

Wahlberechtigte vor dem türkischen Generalkonsulat in Berlin
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Wahlberechtigte vor dem türkischen Generalkonsulat in Berlin


So viele türkische Wähler gab es hierzulande noch nie: Bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in der Türkei haben 49,74 Prozent der 1,445 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland ihre Stimme abgegeben. Das geht aus Statistiken der türkischen Wahlbehörde YSK hervor.

Die Wahlbeteiligung lag damit deutlich höher als bei den Parlamentswahlen Ende 2015, als 41 Prozent der Türken in Deutschland an die Urnen gingen. Auch der Wert vom Verfassungsreferendum im vergangenen Jahr wurde leicht übertroffen. Das Ergebnis wird erst nach der Wahl in der Türkei am kommenden Sonntag bekanntgegeben.

Die islamisch-konservative AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan verfügt in Deutschland traditionell über starken Rückhalt, aber auch die prokurdische HDP schneidet regelmäßig besser ab als in der Türkei. Die säkulare CHP erhält dagegen eher weniger Stimmen.

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Die diesjährigen Wahlen sind von besonderer Bedeutung, da mit ihnen das umstrittene neue Präsidialsystem vollständig in Kraft tritt. Erstmals finden zudem Präsidentschafts- und Parlamentswahlen gleichzeitig statt. Erst seit 2014 haben türkische Wähler die Möglichkeit, auch im Ausland abzustimmen. Die Neuerung wurde gemeinsam mit der Direktwahl des Präsidenten eingeführt.

Muss Erdogan in die Stichwahl?

Umfragen gehen allerdings von einem knappen Ergebnis am Sonntag aus, wenn auch die Menschen in der Türkei wählen können. Der lange Zeit unangefochtene Präsident Erdogan könnte demnach in eine Stichwahl gezwungen werden. Zudem könnte die Allianz von Erdogans AKP mit der nationalistischen MHP möglicherweise ihre parlamentarische Regierungsmehrheit verlieren.

Weltweit stimmten in 60 Ländern knapp 49 Prozent der gut drei Millionen Auslandstürken ab. Die höchste Wahlbeteiligung im Ausland wurde laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu in Belgien und der Schweiz erzielt, wo 57,8 Prozent beziehungsweise 56,7 Prozent der Wähler abstimmten.

Die Wahl im Ausland war am Dienstag zu Ende gegangen. In Deutschland hatten die Türken seit dem 7. Juni die Möglichkeit, in den 13 türkischen Konsulaten oder den von ihnen eingerichteten Wahllokalen ihre Stimme abzugeben. Allerdings haben Auslandstürken noch bis Sonntag die Möglichkeit, ihre Stimme in Wahllokalen an den türkischen Grenzen abzugeben. Eine Briefwahl ist gemäß türkischem Recht nicht möglich.

Sollte die Präsidentschaftswahl in eine zweite Runde gehen, würde im Ausland vom 30. Juni bis zum 4. Juli erneut gewählt. In der Türkei würde die Stichwahl am 8. Juli stattfinden.

mes/dpa/AFP/Reuters

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