Taner Kilic Türkisches Gericht ordnet Haftentlassung von Amnesty-Mitarbeiter an

Er wurde gemeinsam mit dem Deutschen Peter Steudtner festgenommen und sitzt seit mehr als einem Jahr in türkischer Haft: Nun soll der Menschenrechtler Taner Kilic freikommen.

Proteste für Taner Kilic
AFP

Proteste für Taner Kilic


Vor mehr als einem halben Jahr war für die Haftentlassung von Taner Kilic schon alles vorbereitet. Dann wurde der Türkei-Vorsitzende von Amnesty International aber sofort wieder in Gewahrsam genommen. Jetzt hat ein türkisches Gericht laut einem Amnesty-Sprecher entschieden, dass Kilic aus der Untersuchungshaft im westtürkischen Izmir freikommen soll.

Noch sei Kilic aber nicht entlassen, sagte Andrew Gardner, der Türkei-Experte der Menschenrechtsorganisation, der Nachrichtenagentur Reuters. Schon Ende Januar hatte ein Istanbuler Gericht geurteilt, dass Kilic auf freien Fuß kommen müsse. Dann aber revidierte das Gericht seine Entscheidung: Es gab eine erneute Anordnung zur Festnahme und Kilic blieb anschließend in Haft.

Kilic wurde mit Peter Steudtner angeklagt

Im Juni 2017 war er festgenommen worden. Kilic ist Beschuldigter in einem Verfahren gegen elf Menschenrechtler wegen Terrorvorwürfen. Im selben Prozess sind auch der Deutsche Peter Steudtner und sein schwedischer Kollege Ali Gharavi angeklagt.

Allen Personen werden Mitgliedschaft in der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen und damit "Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrororganisation" beziehungsweise Terrorunterstützung vorgeworfen. Auf derartige Straftaten stehen bis zu 15 Jahre Haft.

Zum Prozessauftakt am 25. Oktober hatte das Gericht alle Angeklagten bis auf Kilic aus der U-Haft entlassen. Steudtner und Gharavi reisten am Tag darauf nach Berlin. Sie nehmen an der Fortsetzung des Verfahrens in Istanbul nicht teil. Der Prozess wird am 7. November fortgesetzt.

US-Pastor bleibt in Haft

Der US-Pastor Andrew Brunson darf die Türkei unterdessen weiterhin nicht verlassen: Ein Gericht lehnte die Aufhebung seines Hausarrests und seiner Reisesperre ab. Seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei vor zwei Jahren sind auch Dutzende Deutsche festgenommen worden. Das hatte zu einer schweren Krise zwischen Berlin und Ankara geführt.

Nach offiziellen Angaben aus der vergangenen Woche sitzen derzeit noch sieben Deutsche aus politischen Gründen in Haft, darunter auch Enver Altayli, der seit einem Jahr auf seine Anklageschrift wartet. Das Schicksal der Gefangenen wird unter anderem bei einem Besuch Erdogans in Deutschland Ende September Thema sein.

aev/AFP/dpa/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.