Währungsverfall der Lira Türkei will negative Kommentare zur Wirtschaft bestrafen

Trotz Absturz der türkischen Währung erklärt Erdogans Präsidialamt, der Wirtschaft gehe es gut. Wer etwas anderes sagt, macht sich laut Innenministerium strafbar.

Bazar in Istanbul
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Bazar in Istanbul


Die türkische Landeswährung Lira ist stark unter Druck, die Börse auch, doch die Regierung in Ankara wiegelt ab. Stattdessen gibt es Durchhalteparolen.

Ein Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, die türkische Wirtschaft sei stark. Finanzministerium, Zentralbank und Bankenaufsicht hätten alles Nötige unternommen. Niemand solle spekulativen Meldungen über eine Krise glauben.

Mehr noch: Das Land will auch gegen negative Kommentare zur Wirtschaft in Nachrichten und sozialen Netzwerken vorgehen. Entsprechende rechtliche Maßnahmen gegen solche Mitteilungen würden eingeleitet, teilte das türkische Innenministerium mit.

Seit vergangenem Dienstag seien 346 Nutzerkonten auf sozialen Netzwerken ausgemacht worden, in denen der Verfall der Landeswährung Lira "auf provozierende Art und Weise" kommentiert wurde.

Lira verlor seit Jahresanfang 40 Prozent zum Dollar

Die Lira hat seit Jahresbeginn mehr als 40 Prozent ihres Wertes verloren. Die türkische Zentralbank kämpft gegen den drastischen Verfall und kündigte am Montag Maßnahmen dagegen an. Die zeigten erste Wirkung, der Kurs stabilisierte sich nach Handelsstart etwas.

In einer Erklärung der Istanbuler Staatsanwaltschaft hieß es laut dem Sender CNN Türk, die Türkei erlebe einen wirtschaftlichen Angriff. Ermittlungen würden geführt gegen Personen, die verdächtig seien, die wirtschaftliche Sicherheit der Türkei zu gefährden, meldet der Sender. Wer dem Angriff mit schriftlichen oder audiovisuellen Nachrichten oder in Sozialen Netzwerken Vorschub leiste, werde juristisch belangt.

Zu den in der Nacht auf Montag von den USA erhöhten Zöllen auf türkischen Stahl erklärte Außenminister Mevlüt Cavusoglu, sein Land habe genug getan, um die Beziehungen zu den USA zu reparieren. Die USA müssten lernen, dass sie mit Drohungen nichts erreichten, sagte Cavusoglu. Die Regierung in Washington hätte sich bei grundsätzlichen Sicherheitsfragen im Widerspruch zu ihren Bündnisverpflichtungen verhalten.

SPIEGEL ONLINE

cht/Reuters/AFP

insgesamt 193 Beiträge
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Pfaffenwinkel 13.08.2018
1. Erdogan schlägt um sich
Stattdessen müßte er jetzt besonnen handeln. Aber das hat er mit Trump gemeinsam: Beide halten sich für unfehlbar.
recepcik 13.08.2018
2. Wer die Wahrheit schreibt wird bestraft
Dann werden ja die Wirtschaftsexperten alles schön reden. Damit kann man die eigene Bevölkerung belügen, aber nicht die internationalen Börsen.
KaWeGoe 13.08.2018
3. Nennen sich negative Berichte dann KAUFKRAFTZERSETZUNG ?
So ist das nun mal in Diktaturen - wer unangenehme Wahrheiten sagt, marschiert zumindest in den Knast. Interessant wäre auch, ob der Erdogan-Clan all seine ausländischen Konten nun auflöst und die Reichtümer in türkische Lira tauscht, wie er es von seinem Volk verlangt. Interessant wäre auch, ob die Erdogan-Wähler in Deutschland diesem Aufruf auch folgen.
observerlbg 13.08.2018
4. Wie im alten Rom
Erschlagt den Überbringer der üblen Nachricht, dann gibt es kein Übel. Beginnt so nicht immer der Untergang einer Autokratie?
halihalo52 13.08.2018
5.
Man sieht also, dass die Türkei eine echte Demokratie ist. Man muss allerdings nur die ricchtige Meinung vertreten, ansonsten landet man im Knast. Eine lupenreine Demokratie.
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