Türkei Zeitung zeigt Kanzlerin in Hitler-Pose

"Heil Merkel!" titelt die türkische Zeitung "Aksam" und zeigt die Kanzlerin mit Hitlergruß. Das Blatt steht Erdogans AKP-Partei nahe. Auch andere Medien provozieren mit Nazi-Vergleichen.

Titel der Zeitung "Aksam"
DPA

Titel der Zeitung "Aksam"


Angela Merkel in Bildmontagen wahlweise mit Hitlergruß oder Hakenkreuz - diese Darstellung gab es schon des Öfteren. Zum Beispiel 2012, als eine griechische Sonntagzeitung ein Foto der Kanzlerin veröffentlichte und darunter ein Bild von Adolf Hitler zeigte. Oder 2007, als ein polnisches Magazin die Regierungschefin mit Hitlerbart darstellte.

Nun provoziert auch die türkische Zeitung "Aksam" mit einer entsprechenden Titelseite. Diese präsentiert Merkel mit Hitlerbart, an ihren Oberkörper ist ein Arm montiert, der den Hitlergruß zeigt. Darüber prangt die Überschrift "Heil Merkel!"

"Aksam" gehört zur größer werdenden Anzahl von türkischen Zeitungen, die nichts veröffentlichen würden, was der der Regierungspartei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan nicht genehm wäre. In diesen Kreis gehört zudem "Yeni Akit", deren Schlagzeile am Montag lautete: "Deutschland ist kein Freund, sondern ein Feind".

Auch das Blatt "Takvim" schlägt Nazi-Töne an: "Deutschland, das seiner Nazi-Vergangenheit nicht entkommen ist, hat seine Maske fallengelassen. Es unterstützt die putschistische Gülen-Bande, die gegen die Türkei ist. Es hat einmal mehr bewiesen, dass es kein Freund und Verbündeter ist", schreibt die Zeitung. Sie gilt als das Sprachrohr der Regierung, als AKP-hörig.

Das Bundesverfassungsgericht hatte am Wochenende die Liveübertragung einer Ansprache des türkischen Präsidenten vor Demonstranten in Köln untersagt. Am Sonntag hatten nach Polizeiangaben rund 30.000 bis 40.000 Deutschtürken versammelt, um ihre Unterstützung für Erdogan zu bekunden.

Video von Pro-Erdogan-Demo: "Lächerlich, dass Erdogan nicht live geschaltet wird

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Anstelle der geplanten Übertragung einer Erdogan-Rede wurde dabei eine Botschaft des Präsidenten verlesen. Darin dankte er den türkischstämmigen Bürgern in Deutschland für ihre moralische Unterstützung bei der Vereitelung des Staatsstreichs am 15. Juli.

Das Verbot der Erdogan-Übertragung sei auf "widerrechtliche und unhöfliche Art" erfolgt und eine Schande "für Demokratie und Recht", kritisierte Justizminister Bekir Bozdag danach. Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus warf Deutschland Doppelmoral vor.

Das türkische Außenministerium bestellte deshalb am Montag den Gesandten der deutschen Botschaft in Ankara ein (lesen Sie hier mehr).

Celil Sagir, bis zu seiner Entlassung Redaktionsleiter der Oppositionszeitung "Zaman", kommentierte die Hitler- und Nazi-Vergleiche am Montag auf Twitter. Er schrieb: "Während Erdogan 80.000 Menschen aus dem Weg räumen, Eigentum beschlagnahmen und Journalisten einsperren lässt, thematisieren seine Medien Deutschland mit seiner Nazi-Vergangenheit."

heb

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