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AKP-Wahlerfolg: Türken in Deutschland wählten Erdogan-Partei

Das türkische Konsulat in Berlin: Türken in Deutschland wählten zu 60 Prozent AKP Zur Großansicht
DPA

Das türkische Konsulat in Berlin: Türken in Deutschland wählten zu 60 Prozent AKP

Die Regierungspartei des türkischen Präsidenten Erdogan triumphiert - auch dank der Türken in Deutschland. Sie stimmten überdurchschnittlich stark für die islamisch-konservative Partei des umstrittenen Staatschefs.

Knapp 60 Prozent der türkischen Wähler in Deutschland haben bei der Neuwahl zum Parlament in der Türkei für die islamisch-konservative Regierungspartei AKP gestimmt. Wie die staatsnahe Nachrichtenagentur Anadolu mitteilte, seien 59,7 Prozent der in der Bundesrepublik abgegebenen Stimmen auf die AKP von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan entfallen.

Solch ein hohes Ergebnis erzielte die Partei demnach in keinem anderen europäischen Land, in Großbritannien etwa kam die Partei nur auf rund 20 Prozent. Insgesamt erhielt die AKP bei der Wahl am Sonntag 49,5 Prozent der Stimmen.

Nach den vorgezogenen Neuwahlen kann die AKP somit nun auch dank der in Deutschland lebenden Türken mit absoluter Mehrheit weiterregieren. Rund die Hälfte der 2,9 Millionen wahlberechtigten Türken im Ausland lebt in Deutschland. 570.000 wählten laut Anadolu hierzulande in den türkischen Konsulaten. Insgesamt gaben rund 48 Millionen Menschen ihre Stimme ab.

Bei der Wahl im Juni hatte die AKP mit einem Wahlergebnis von 40,9 Prozent die absolute Mehrheit noch verloren. Da ihr das Ergebnis jedoch nicht passte, bildete sie keine Regierungskoalition, sondern schrieb die Neuwahlen aus - und kontrolliert nunmehr 316 der 550 Sitze in der Nationalversammlung in Ankara.

Auch die pro-kurdische HDP profitierte nach ihrem Wahlerfolg im Juni von den türkischen Wählern in Deutschland: 15,9 Prozent stimmten laut Anadolu hierzulande für die Partei, insgesamt kam sie nach 13,1 Prozent im Juni nur noch auf knapp elf Prozent. Die Mitte-Links-Partei CHP kam in Deutschland auf 14,8 Prozent (insgesamt 25,3 Prozent), die ultrarechte MHP auf 7,5 Prozent (11,9 Prozent).

Unter allen im Ausland lebenden Türken kam die AKP auf 56,2 Prozent, die HDP auf 18,2 Prozent. Die CHP holte 16,4 Prozent, die MHP 7,1 Prozent.

Nach dem Wahlerfolg kam es in der Türkei zu Ausschreitungen. Aber auch in Stuttgart kam es zu Zusammenstößen von Gegnern und Anhängern der AKP: Vier Vermummte bewarfen einen Autokorso von Erdogan-Anhängern mit Pflastersteinen, wie die Polizei mitteilte. Elf Menschen wurden festgenommen.

Parlamentswahl in der Türkei
Die wichtigsten Parteien
AKP
Die islamisch-konservative AKP ist seit 2002 Regierungspartei der Türkei. Gegründet wurde sie 2001 – unter anderem von Recep Tayyip Erdogan. Der heutige Staatspräsident war von 2003 bis 2014 Premierminister. Die "Adalet ve Kalkinma Partisi" (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung) verlor bei der Parlamentswahl im Juni 2015 erstmals ihre Mandats-Mehrheit.
CHP
Die "Cumhuriyet Halk Partisi" (Republikanische Volkspartei) wurde 1923 von Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk gegründet. Sie nennt sich selbst sozialdemokratisch-kemalistisch und tritt für eine laizistische Türkei ein – allerdings finden sich auch nationalistische Strömungen. Sie ist derzeit die größte Oppositionspartei der Türkei.
MHP
Die „Milliyetci Hareket Partisi“ (Partei der Nationalistischen Bewegung) ist eine rechtsextreme Partei. Sie ist eng mit den „Grauen Wölfen“ verbunden, einer Truppe, der Gewalttaten bis hin zu Morden an politischen Gegnern vorgeworfen werden. Die MHP lehnt jegliche Friedensgespräche mit der kurdischen PKK ab und profiliert sich immer wieder mit eu-feindlichen Positionen.
HDP
Die "Halklarin Demokratik Partisi" (Demokratische Partei der Völker) ist die erste prokurdische Partei, der der Einzug ins türkische Parlament gelang. Im Juni erzielte sie 13,1 Prozent. Sie bezeichnet sich als politisch links und betont, nicht nur die Interessen von Kurden zu vertreten, sondern sich generell für Minderheitenrechte, Frauenrechte und sexuelle Selbstbestimmung einzusetzen. Kritiker werfen ihr vor, der verlängerte Arm der PKK zu sein und sich nicht deutlich genug von deren Terror zu distanzieren.
Saadet (SP)
Die "Saadet Partisi" (Partei der Glückseligkeit) ist eine islamistische Partei. Wie die AKP ist sie eine Nachfolgepartei der verbotenen Tugendpartei. Gegründet wurde sie 2001 vom traditionalistischen Flügel der umstrittenen Milli-Görüs-Bewegung. Die SP fordert die „Nichteinmischung des Staates in die Religion“, wirft den USA und der EU „imperialistischen Rassismus“ vor und macht immer wieder durch antisemitische Äußerungen von sich reden. Der Einzug ins Parlament scheiterte bisher an der Zehn-Prozent-Hürde, die SP stellt jedoch in einigen Gemeinden den Bürgermeister.

apr/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 41 Beiträge
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1. Tja,
spon_3064063 02.11.2015
Den Wert einer echten Demokratie scheint bei der Hälfte der Deutschtürken keine Rolle zu spielen!
2. Beunruhigend!
antiru 02.11.2015
Wenn 60% der in Deutschland lebenden Türken einen muslimischen Diktatur wählen fragt man sich, was haben die für eine Einstellung zu unserer Demokratie und der christlichen Religion? Wie weit sind sie in unserer Gesellschaft integriert? Oder leben sie in einer Parallelgesellschaft?
3. Rätselhaft
cm1 02.11.2015
Wie viele deutsche Auswanderer wählen nach Jahrzehnten im Ausland noch den Bundestag? Es ist m.E. kein gutes Zeichen für die Integration in Deutschland, dass viele Türken gewählt habe. Besser wäre es, in dem Land zu wählen, in das man ausgewandert ist.
4. 60%?
humpalumpa 02.11.2015
Wen wunderts? Erdogan darf ja hier wann auch immer ihm danach ist, seinen Wahlkampf durchziehen. Bei der Quote ist die Ausrede auch dahin, dass ihn ja Keiner gewählt hat und alle so unzufrieden mit ihm sind. 60% allein von den in Deutschland ansässigen Wählern zeigen ganz deutlich, dass seine Position vom Volk gewollt ist. Nebenbei hoffe ich, dass diese 60% dann bitte hier nicht für die deutschen Wahlen wahlberechtigt sind!
5. Ist dieses Wahlergebnis
politicsprofiler 02.11.2015
das Ergebnis, der Beleg für die Vermittlung der demokratischen Werte, des Inhaltes unseres Grundgesetzes, gelungener Integration? Wohl kaum. Es ist ein Ausdruck des Wählerwillens, nicht mehr und nicht weniger. Wenn allerdings dieses Spektrum auf deutsche Verhältnisse übertragen würde.... Die Reaktion der deutschen Medienlandschaft incl. SPON nebst Kommentare möchte ich nicht lesen, hören und sehen wollen....
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