Tumulte vor Prozess Mubarak kehrt im Krankenbett ins Gericht zurück

Zweiter Verhandlungstag im Prozess gegen Husni Mubarak: Ägyptens Ex-Präsident wurde im Krankenbett vor Gericht gerollt, er verfolgte die Verhandlung von einem Eisenkäfig aus -  nach zwei Stunden Verhandlungen wurde der Prozess vertagt. Zuvor war es vor dem Saal zu Tumulten gekommen.

Al-Arabija-TV-Bild von Mubarak vor Gericht: Prozess im Käfig
DPA

Al-Arabija-TV-Bild von Mubarak vor Gericht: Prozess im Käfig


Kairo - Auf einer Krankenliege ist der frühere ägyptische Präsident Husni Mubarak am Montag zur Fortsetzung seines Prozesses wegen der Tötung von Demonstranten in einen Gerichtssaal in Kairo zurückgekehrt. Der gesundheitlich angeschlagene 83-Jährige wurde per Hubschrauber von einem Krankenhaus in der ägyptischen Hauptstadt zum Ort der Verhandlung auf dem Gelände einer Polizeiakademie gebracht. Dort wurde er in den für die Angeklagten vorgesehenen Käfig im Gerichtssaal gerollt.

An seiner Seite waren seine beiden mitangeklagten Söhne Gamal und Alaa. Mubarak trug einen blauen Overall, während seine beiden Söhne in weiße Sträflingsuniformen gekleidet waren. Vor der Ankunft im Gerichtssaal verdeckte Mubaraks Sohn Alaa eine Kamera des Staatsfernsehens, die filmte, wie der Ex-Präsident aus einem Krankenwagen gerollt wurde, um in den Gerichtssaal gebracht zu werden.

Vor dem Gerichtssaal kam es kurzzeitig zu einem Handgemenge zwischen Anhängern und Gegnern des gestürzten Präsidenten. Hunderte Mubarak-Anhänger protestierten gegen das, was sie als Demütigung des ehemaligen Machthabers bezeichneten.

Nach nur zwei Stunden Verhandlungsdauer wurde der Prozess schließlich auf den 5. September vertagt. Damit sei Zeit für die Beibringung zusätzlicher Beweismittel gewonnen, begründete der Vorsitzende Richter Achmed Rifaat die Entscheidung. Zuvor hatte das Gericht verfahrenstechnische Fragen erörtert. Künftig werde es von dem Prozess keine Live-Übertragung im Fernsehen mehr geben, gab Richter Rifaat weiter bekannt.

Die Anklage wirft Mubarak Beihilfe zum Mord an Demonstranten während des Volksaufstands Anfang des Jahres vor, der zum Sturz Mubaraks führte. Zudem wird ihm Korruption vorgeworfen. Ebenfalls angeklagt ist Mubaraks ehemaliger Innenminister, der ebenfalls der Beihilfe zum Mord an Demonstranten beschuldigt wird. Bei den Protesten kamen insgesamt fast 900 Demonstranten ums Leben.

Mit Spannung wird erwartet, wie der Richter über Anträge entscheidet, den Chef des regierenden Militärrats als Zeugen zu vernehmen. Die Verteidigung geht davon aus, dass eine Aussage von Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi über die Rolle Mubaraks bei der Unterdrückung des Aufstandes über dessen Schicksal entscheiden könnte. Tantawi diente dem jetzt mit der Todesstrafe bedrohten Mubarak zwei Jahrzehnte lang als Verteidigungsminister.

Beim gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten waren Anfang des Jahres mehr als 850 Menschen ums Leben gekommen. Unter dem Druck der Erhebung war der 83-jährige Mubarak zurückgetreten.

anr/dapd/Reuters/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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Airkraft 15.08.2011
1. Nicht wirklich neu!
Diese "Seifenopern" (Pinochet, Demjanjuk, Mladic,...) gab's ja schon öfters! Die Wundersame Genesung setzt dann schlagartig nach Ende des Verfahrens ein!!!
ohne_sorge 15.08.2011
2. Kein Titel
Zitat von AirkraftDiese "Seifenopern" (Pinochet, Demjanjuk, Mladic,...) gab's ja schon öfters! Die Wundersame Genesung setzt dann schlagartig nach Ende des Verfahrens ein!!!
Andererseits muss man für die Todesstrafe ja auch nicht gesund sein...
seoul 15.08.2011
3. Sie sind...
Zitat von AirkraftDiese "Seifenopern" (Pinochet, Demjanjuk, Mladic,...) gab's ja schon öfters! Die Wundersame Genesung setzt dann schlagartig nach Ende des Verfahrens ein!!!
sich offensichtlich über die Tragweite dieser Aktion nicht bewußt. Ob der Man am Galgen landet oder nicht, ist uninteressant. Interessant ist, dass ein weiterer Diktator, nach den von Ihnen genannten und nach Honnecker, Krenz und Co. vor Gericht landet. Dieses Zeichen ist sehr wichtig. Wenn in Kürze die Gaddaffi Clique auch noch vor Gericht stehen wird und der Azzad Clan ebenso, da bin ich sicher, gibt es in Vorderasien und Afrika mehr Demokratie. Gagbo kommt vor Gericht und hoffentlich wird Zuma der nächste sein.
caecilia_metella 15.08.2011
4. Demut
Viel zu lange schon durften Diktatoren stolz darauf sein. Röm 1,18 Denn enthüllt wird [der] Zorn Gottes vom Himmel [her] über alle Unfrömmigkeit und Ungerechtigkeit [der] Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit niederhalten... Ähnliches gilt auch im Islam, denke ich.
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