Tunesien Aktivistin Sboui verlässt Femen wegen Islamfeindlichkeit 

Mit ihrem Oben-ohne-Protest in Tunesien wurde Amina Sboui zu einer Femen-Ikone. Nachahmerinnen wanderten für sie ins Gefängnis. Doch jetzt hat die junge Frau die Aktivistinnengruppe verlassen. Sie könne sich nicht mit der "islamfeindlichen Organisation" identifizieren.

AP

Tunis - Die Frauenrechtsgruppe Femen verliert ihre bekannteste arabische Aktivistin. Amina Sboui hat sich von der Vereinigung losgesagt. "Ich will nicht, dass mein Name mit einer islamfeindlichen Organisation in Verbindung steht", sagte die Tunesierin der Online-Zeitung "Al Huffington Post Maghreb". Zudem erhebt die junge Frau schwere Vorwürfe gegen Femen: Sie sei gegen Protestaktionen, bei denen beispielsweise Flaggen mit islamischen Symbolen verbrannt würden. Es gelte, die Religion eines jeden zu respektieren. Sboui will künftig außerhalb der Gruppe Femen für Frauenrechte kämpfen.

Die 19-Jährige war bekannt geworden, weil sie es als Frau aus einem arabischen Land gewagt hatte, mit Oben-ohne-Fotos für Frauenrechte zu demonstrieren. Mitte Mai war sie wochenlang eingesperrt worden, nachdem sie gegen eine Versammlung von Salafisten protestiert und auf eine Friedhofsmauer das Wort Femen geschrieben hatte.

Im Gefängnis wurden gegen die junge Frau weitere Vorwürfe erhoben. Sie soll ihre Gefängniswärter beleidigt haben. Sbouis Anwalt gab an, die Aktivistin der Frauenrechtsgruppe habe lediglich eingegriffen, als ein Wärter eine andere Gefangene geschlagen habe.

In Deutschland hatte der Fall vor allem wegen der Protestaktion einer Femen-Aktivistin aus Hamburg für Aufsehen gesorgt. Sie war in Tunis festgenommen worden, weil sie mit zwei Französinnen mit entblößten Brüsten vor dem Justizpalast für die Freilassung Sbouis demonstriert hatte. Die drei jungen Frauen kamen erst nach vier Wochen Haft wieder frei.

Sboui kritisiert undurchsichtige Finanzen

Sie danke allen für ihre Unterstützung, sagte Sboui jetzt. Nicht alle Aktionen seien aber gut für ihren Fall gewesen. In dem Interview kritisierte Sboui auch, dass sie trotz mehrerer Nachfragen keine befriedigenden Antworten darauf bekommen habe, wie sich Femen finanziere. Sie wolle nicht Mitglied einer Bewegung sein, die mit Geldern zweifelhafter Herkunft arbeite.

Die in Frankreich lebende Femen-Anführerin Inna Schewtschenko warf Sboui in einer ersten Reaktion vor, mit ihrer Entscheidung den Islamisten in die Hände zu spielen. "Indem Amina die Aktionen von Femen als kontraproduktiv bezeichnet, verrät sie weltweit Tausende Frauen, die sich ausgezogen haben, um sie zu unterstützen", sagte Schewtschenko.

Sie selbst hatte vor kurzem in der arabischen Welt für Empörung gesorgt, als sie Sätze wie "Was gibt es dämlicheres als den Ramadan" oder "Was ist scheußlicher als diese Religion" twitterte.

jok/dpa/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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jaakow 20.08.2013
1.
Zitat von sysopAPMit ihrem Oben-Ohne-Protest in Tunesien wurde Amina Sboui zu einer Femen-Ikone. Nachahmerinnen wanderten für sie ins Gefängnis. Doch jetzt hat die junge Frau die Aktivistinnengruppe verlassen. Sie könne sich nicht mit der "islamfeindlichen Organisation" identifizieren. Tunesien: Aktivistin Sboui verlässt Femen wegen Islamfeindlichkeit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/tunesien-aktivistin-sboui-verlaesst-femen-wegen-islamfeindlichkeit-a-917622.html)
Recht so. Vielleicht merken noch mehr der Frauen dort, dass Femen selbst einer blinden Ideologie folgt, welche alles hasst, was nicht ihrem Weltbild entspricht. Das schadet der Frauenrechtsbewegung nachhaltig mehr als dass es ihr nützt. Wenn noch mehr der intelligenteren Mitglieder den Verein verlassen, wird Femen auf das reduziert, was es eigentlich ist: Primitive Provokation und Aufmerksamkeitserhascherei auf Grundlage vom vermeintlichen Tabubruch.
guntalk 20.08.2013
2. Das...
...sich Femen-Aktivistinnen in Tunesien entblößt haben, hat den dortigen Islamisten doch nur in die Hände gespielt. Das war meiner Meinung nach völlig undurchdacht und führte nur dazu den Konservativen "Beweise" für die "Unzucht und Verlottertheit" der westlichen Welt und deren Frauen, zu geben. Tunesische Frauenrechtlerinnen sind durch diese Aktionen wohl um einige Jahre zurückgeworfen worden.
doppelpost123 20.08.2013
3. ekelhafte mischung
Zitat von sysopAPMit ihrem Oben-Ohne-Protest in Tunesien wurde Amina Sboui zu einer Femen-Ikone. Nachahmerinnen wanderten für sie ins Gefängnis. Doch jetzt hat die junge Frau die Aktivistinnengruppe verlassen. Sie könne sich nicht mit der "islamfeindlichen Organisation" identifizieren. Tunesien: Aktivistin Sboui verlässt Femen wegen Islamfeindlichkeit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/tunesien-aktivistin-sboui-verlaesst-femen-wegen-islamfeindlichkeit-a-917622.html)
kann ich gut nachvollziehen. auch hier in deutschland gibt es "atheistische" und "liberale" gruppen, die mittlerweile komplett von islamophoben unterwandert sind. es ist schade, dass man kaum noch religionskritik üben kann, ohne sich mit leuten wie pro Köln etc. auseinandersetzen zu müssen. Mittlerweile ist eine ekelhafte Mischung (kann man auch hier im Forum gut beobachten) aus Stammtisch, "Man-wird-jawohl-noch-sagen-dürfen-Alltagsrassisten" und Rechtsextremen entstanden. Alle propagieren den Untergang des ach so aufgeklärten Westens und sind im Kern einfach nur fremdenfeindlich. Dazu kommen dann noch die "intellektuellen" Rechten mit ihren Sympathisanten bis in die Chefetagen. Hallo Herr Sarrazin; Hallo Frau Familienministerin Schröder, wie war dass denn noch gleich mit ihreren Sympathien zur Seite politically incorrect? Außer eine Standardantwort auf abgeordnetenwatch.de haben sie dazu nichts zu sagen? Solche Menschen werden dann auf Schüler mit Migrationshintergrund losgelassen und fordern Leute auf, sich zu demokratischen Grundordnung zu bekennen. absurd.
Bernd.Brincken 20.08.2013
4. Ähnlich Pussy Riot
Zitat von sysopAPMit ihrem Oben-Ohne-Protest in Tunesien wurde Amina Sboui zu einer Femen-Ikone. Nachahmerinnen wanderten für sie ins Gefängnis. Doch jetzt hat die junge Frau die Aktivistinnengruppe verlassen. Sie könne sich nicht mit der "islamfeindlichen Organisation" identifizieren. Tunesien: Aktivistin Sboui verlässt Femen wegen Islamfeindlichkeit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/tunesien-aktivistin-sboui-verlaesst-femen-wegen-islamfeindlichkeit-a-917622.html)
Ähnliches Muster wie bei Pussy Riot - es treten junge Frauen auf, denen es angeblich um Freiheit geht, aber wenn man genauer hinschaut, geht es in beiden Fällen um den Angriff auf eine nicht-westliche Religion, im Kern darum, die jeweilige Gesellschaften insgesamt symbolisch zu beleidigen. Beide Aktionen sind professionell durch Pressearbeit begleitet, offenbar auch durch ein internationales Netzwerk - und in beiden Fällen ist unklar, wer die Kampagne jeweils finanziert.
jaakow 20.08.2013
5.
Klarer Fall, so muss es gewesen sein. Was anderes ist nicht denkbar, die Frau kann bestimmt nicht selbst nachdenken und sich ihr eigenes Bild machen. Und islamophobe Tendenzen gibt es sowieso nicht, weder bei Femen, noch sonst wo, besonders nicht hier im Forum.
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