Terroranschlag in Tunesien Attentäter erschießen Touristen, Geiselnahme in Museum

Bewaffnete haben beim tunesischen Nationalmuseum das Feuer auf Touristen eröffnet, es gab mehrere Tote. Laut Regierung haben sich die Täter mit Geiseln im Gebäude verschanzt.

DPA

Tunis - Bei einem Anschlag auf das Nationalmuseum von Bardo in Tunesiens Hauptstadt Tunis sind am Mittwoch mehrere Menschen getötet worden. Unter den Toten seien sieben Ausländer und ein Tunesier, teilte das tunesische Innenministerium mit. Bei den Angreifern habe es sich um mindestens zwei mit Kalaschnikows bewaffnete Männer gehandelt.

"Auf das Bardo-Museum ist ein Terroranschlag verübt worden", sagte Ministeriumssprecher Mohammed Ali Aroui dem Radiosender Mosaique FM. Möglicherweise habe es mehr als zwei Angreifer gegeben. Dem Sprecher zufolge befanden sich zum Zeitpunkt des Anschlags rund hundert Touristen in dem Museum. Die Mehrheit von ihnen sei in Sicherheit gebracht worden.

Mehrere Medien berichteten von einer Geiselnahme. Diese bestätigte laut Nachrichtenagentur Reuters auch ein Vertreter der Regierung. Auch der französische Regierungschef Valls sprach von einer Geiselnahme. Laut der Zeitung "La Repubblica" bestätigte das italienische Außenministerium, dass unter den Geiseln Italiener seien.

Sicherheitskräfte hatten das Museum nach der Attacke umstellt. Es liegt in unmittelbarer Nähe zum tunesischen Parlament. Nach den Schüssen wurde der Parlamentsbetrieb eingestellt. Das Gebäude wurde evakuiert.

Tunesiens Präsident Béji Caïd Essebsi will sich nach Angaben eines Sprechers später mit einer Ansprache an die Öffentlichkeit wenden. Ministerpräsident Habib Essid kam zu Krisensitzungen mit den Ministern für Inneres und Verteidigung zusammen.

Unklar ist, wer hinter dem Anschlag steckt. Auf Twitter feierten Anhänger des "Islamischen Staats" (IS) die Tat. Erst am Dienstag wurde im Internet eine Tonaufnahme veröffentlicht, in der zu Anschlägen in Tunis aufgerufen wurde. Die Aufnahme soll von Al-Qaida in Nordafrika stammen.

Im Urlaubsland Tunesien begann Ende 2010 der Arabische Frühling, der zum Sturz des Langzeitherrschers Zine el-Abidine Ben Ali führte. Als bislang einziges arabisches Land gelang Tunesien ein Übergang in eine Demokratie. Mit dem Sturz Ben Alis gewannen jedoch auch islamistische Kräfte im Land neue Stärke.

fab/mka/AFP/dpa/Reuters

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