Bin Ladens mutmaßlicher Ex-Leibwächter Unter Umständen frei

Tunesien hat den Islamisten Sami A. freigelassen. Der angebliche Ex-Leibwächter des Qaida-Chefs Osama Bin Laden war zuvor aus Bochum abgeschoben worden. Nun will er schnell nach Deutschland zurück.

Gerichtsgebäude in Tunis
AFP

Gerichtsgebäude in Tunis

Von Mirco Keilberth, Tunis


Sami A. ist vorerst frei. Die tunesischen Behörden haben den vor 14 Tagen aus Deutschland abgeschobenen Gefährder aus dem Gefängnis entlassen. Der angebliche Ex-Leibwächter Osama Bin Ladens traf am Nachmittag in einem Hotel in der Hauptstadt Tunis ein.

Ein Untersuchungsrichter hatte zuvor die vorübergehende Freilassung angeordnet, wie ein Sprecher der tunesischen Antiterrorbehörde bestätigte. Der tunesische Reisepass des 42-jährigen Verdächtigen sei jedoch einbehalten worden.

Nach seiner Ankunft auf dem Charterflughafen Enfidha am 13. Juli war A. von fast zwei Dutzend Antiterrorpolizisten in das berüchtigte Gurjani-Gefängnis gebracht worden. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International kritisieren, dass dort Foltermethoden wie Stromstöße, Schläge und Schlafentzug angewendet würden. (Hier lesen Sie mehr zu den Hintergründen.)

"Die Behörden wollen ihm etwas anhängen"

Laut Seif Eddine Makhlouf, dem 56-jährigen Anwalt von A., verhielten sich die gefürchteten Spezialisten der Antiterrorpolizei gegenüber dem in Deutschland als Gefährder eingestuften Islamisten jedoch korrekt.

"Ich mache mir eher darüber Gedanken, wie mein Mandant in Deutschland behandelt wurde und nach seiner Rückkehr behandelt wird", sagte Makhlouf dem SPIEGEL. "Denn die Behörden wollen ihm offensichtlich etwa anhängen, was nicht stimmt. Sami A. ist bisher weder in Tunesien noch in Deutschland etwas nachgewiesen worden. Sonst wäre er ja angeklagt worden." Makhlouf betonte, man werde von den "verantwortlichen deutschen Behörden eine moralische Wiedergutmachung und Einreiseerlaubnis nach Deutschland" fordern.

Und Seda Basay-Yildiz, die A. in Deutschland vertritt, sagte dem SPIEGEL: "Die Stadt Bochum kann sich nun nicht mehr darauf berufen, dass die Rückführung nach Deutschland aufgrund der Haft in Tunesien unmöglich ist."

Die Stadt weigere sich immer noch, der gerichtlichen Auflage nachzukommen und A. zurück in die Bundesrepublik zu bringen. "Wir werden das nicht hinnehmen", so Basay-Yildiz.

"Dieses Verhalten bin ich eher von tunesischen Behörden gewohnt"

Entsprechend kündigte Makhlouf zudem an, für seinen Mandanten einen neuen tunesischen Reisepass zu beantragen und nach Erhalt bei der deutschen Botschaft ein Visum für Deutschland zu beantragen.

"Wir orientieren uns in dem schwierigen Übergangsprozess von Diktatur zu Demokratie an Deutschland, dessen Rechtsstaatlichkeit gerade für die Reform der Justiz Tunesiens ein Vorbild ist", sagte er. "Dieser Fall schockiert mich, dieses Verhalten bin ich eher von tunesischen Behörden gewohnt."

Die Vorwürfe gegen seinen Mandanten, einst Bodyguard von Osama Bin Laden gewesen zu sein, weist der Anwalt zurück. Der zuletzt in Bochum lebende A. sei in der Vergangenheit insgesamt vier Monate in Pakistan und anderen Ländern der Region gewesen, aber nie in Afghanistan, so Makhlouf.

Ob A. tatsächlich nach Deutschland ausreisen kann, ist noch offen. Vermutlich wird seine Akte von den Behörden mit dem Vermerk "S 17" versehen. Mit diesem Stempel in den Papieren kann man in Tunesien weder eine Wohnung mieten noch einen Job finden oder ausreisen.

Mitarbeit: Jörg Diehl

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