IS-Terror in Libyen Islamisten greifen tunesische Grenzstadt an

Die Terroristen kamen am frühen Morgen und attackierten Polizei und Militär: Bei einem Angriff in der Grenzstadt Ben Guerdane sind 45 Menschen getötet worden, darunter 28 Angreifer.

Soldat nahe der Stadt Ben Guerdane
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Soldat nahe der Stadt Ben Guerdane


Im Zentrum der tunesischen Stadt Ben Guerdane nahe der libyschen Grenze hat es einen massiven Angriff gegeben, der mutmaßlich der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zuzurechnen ist.

In den frühen Morgenstunden stürmten mehr als 30 Angreifer mit Sturmgewehren in den Ort und griffen Polizei- und Militärposten an. Laut tunesischem Verteidigungsministerium sollen sie auch versucht haben, einen Militärstützpunkt zu stürmen.

"Ich sah eine Menge Militante im Morgengrauen, sie rannten mit ihren Kalaschnikows in der Hand und sagten, sie kämen vom IS und würden die Armee und die Polizei angreifen", berichtete ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Reuters.

Ben Guerdane liegt wenige Kilometer von der Grenze zum Bürgerkriegsland Libyen entfernt, in dem sich der IS derzeit festsetzt. Nach Angaben aus einem örtlichen Krankenhaus wurden bei Schusswechseln am Montag sieben Zivilisten und zehn Angehörige tunesischer Sicherheitskräfte getötet. Außerdem erschossen Polizisten und Soldaten eine größere Zahl von Angreifern.

Wie das Innenministerium in Tunis am frühen Nachmittag mitteilte, seien 28 "Terroristen" von Sicherheitskräften getötet worden, sechs Militante sollen festgenommen worden sein.

Wie die Nachrichtenagentur Associated Press meldet, wurde der Grenzübergang nach Libyen nahe Ben Guerdane geschlossen. Das tunesische Militär schickte Verstärkung und Hubschrauber in die Region, mehrere Angreifer seien noch auf der Flucht. Das Innenministerium wies die Bevölkerung an, vorerst in ihren Häusern zu bleiben. Für die Nacht ordnete es eine Ausgangssperre von 19 Uhr bis 5 Uhr früh an.

Die tunesische Regierung fürchtet seit Wochen, dass Islamisten aus dem zerfallenden Nachbarland Libyen nach Tunesien gelangen und dort Attentate verüben könnten. Seit einem schweren Angriff durch die US-Luftwaffe am 19. Februar auf ein IS-Lager im westlibyschen Sabratha lägen den Behörden "präzise Informationen" über geplante Grenzübertritte nach Tunesien vor.

Bereits vergangenen Mittwoch waren in Ben Guerdane fünf Extremisten erschossen worden. Auch ein Zivilist wurde bei dem mehrere Stunden dauernden Schusswechsel zwischen Sicherheitskräften und den Islamisten getötet. Die Behörden stellten sechs Sturmgewehre, eine größere Menge Munition und zwei Pick-up-Trucks sicher. Zum Schutz des Landes hat das Militär entlang der Grenze einen Graben ausgehoben.

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Am Montag nach der morgendlichen Attacke in Ben Guerdane riegelten Sicherheitskräfte die Zufahrt zur Insel Djerba ab. Tunesien hat in jüngerer Vergangenheit einige schwere Anschläge auf Touristen erlebt, darunter auf das Bardo-Museum in der Hauptstadt Tunis und im beliebten Ferienort Sousse am Mittelmeer. Bei den Attacken kamen insgesamt 60 Menschen ums Leben. 2002 waren auf der Ferieninsel Djerba bei einem Qaida-Terrorangriff 21 Menschen gestorben, davon 14 Deutsche.

IS-Terror in Libyen

cht/Reuters/AP/dpa

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