Tunesien: Islamisten liefern sich Straßenschlachten mit Polizei

Autoreifen brannten, Polizisten wurden mit Brandsätzen beworfen, Schüsse hallten durch die Luft: In der tunesischen Hauptstadt Tunis ist es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Islamisten und Sicherheitskräften gekommen. Mehr als 80 salafistische Demonstranten wurden festgenommen.

Tunis - Hunderte Islamisten haben sich in der tunesischen Hauptstadt Tunis mit der Polizei Straßenschlachten geliefert. In mehreren Vierteln zündeten Demonstranten Reifen an und warfen Brandsätze auf Sicherheitskräfte, wie Zeugen berichteten. Die Beamten setzten demnach Tränengas ein und schossen in die Luft.

Nach Angaben des Innenministeriums wurden 86 Personen festgenommen. Mindestens sieben Angehörige der Sicherheitskräfte seien verletzt worden. Den Zeugen zufolge griffen die Islamisten auch ein Gerichts- und ein Polizeigebäude an.

Auslöser der Krawalle war eine Kunstausstellung in einem Vorort von Tunis, mit der nach Ansicht der Islamisten Muslime beleidigt werden. Bei den Demonstranten handelte es sich um Salafisten, die einer besonders strengen Strömung des Islams folgen. Einige von ihnen sympathisieren mit der Terrororganisation al-Qaida.

Tunesien ist der Ausgangspunkt der Proteste in der arabischen Welt. Beim Sturz von Präsident Zine el-Abidine Ben Ali im vergangenen Jahr spielten Islamisten zwar keine wichtige Rolle. Die Rolle der Religion in Politik und Gesellschaft ist aber inzwischen eines der umstrittensten Themen in dem nordafrikanischen Land.

In der vergangenen Woche positionierte sich die tunesische Regierung zu dem Aufstand in Syrien. Die Regierung hat die Imame des Landes aufgefordert, nicht länger Jugendliche zum Dschihad in Syrien aufzurufen. Ein Sprecher der Übergangspräsidentschaft in Tunis erklärte, das Land benötige politische Hilfe und keine Dschihadisten. In einem Brief, den Syrien im vergangenen Monat an die Uno schickte, wurden die Namen von 26 ausländischen Kämpfern genannt, die in Syrien festgenommen worden seien. 19 der Genannten waren Tunesier.

Tunesien hat seinen Botschafter aus Syrien abgezogen und den syrischen Botschafter aus Tunis ausgewiesen, um gegen das gewaltsame Vorgehen gegen die Opposition zu protestieren.

anr/Reuters/dapd

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Fläche: 164.000 km²

Bevölkerung: 10,374 Mio.

Hauptstadt: Tunis

Staatsoberhaupt:
Moncef Marzouki

Regierungschef: Mehdi Jomaa

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