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Tunesien: Marzouki zum Präsidenten gewählt

Ein ehemaliger Dissident steht an der Spitze Tunesiens: Das Übergangsparlament des nordafrikanischen Landes hat Moncef Marzouki zum neuen Präsidenten gewählt.

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REUTERS

Moncef Marzouki: Neuer Präsident Tunesiens

Tunis/Paris - Es war ein historischer Tag: Fast genau ein Jahr nach dem Beginn des Aufstands gegen den autokratischen Langzeitherrscher Zine el-Abidine Ben Ali hat Tunesien einen neuen Mann an der Spitze des Landes: Der frühere Menschenrechtler Moncef Marzouki wurde am Montag von der verfassungsgebenden Versammlung zum neuen Staatschef gewählt. Seine Mitte-Links-Partei CPR (Kongress für die Republik) war bei den ersten freien Wahlen des nordafrikanischen Landes im Oktober die zweitstärkste Kraft hinter der islamistischen Ennahda-Partei, mit der sie sich verbündet hat.

Marzouki wird in der Regierung den säkularen Gegenpart zu der dominierenden politischen Kraft - der gemäßigt-islamistischen Ennahda - darstellen. Der Ennahda-Generalsekretär Hamadi Jebali wird Ministerpräsident.

Die für ein Jahr gewählte Versammlung soll den Weg in die Neuwahl ebnen. Am Wochenende hatten ihre 217 Mitglieder eine provisorische Verfassung verabschiedet. Mustapha Ben Jaafar von der sozialdemokratischen Partei Ettakatol (FTDL) wurde bereits Chef des Übergangsparlaments.

Bis zur sogenannten Jasmin-Revolution in Tunesien verbrachte Marzouki, dessen dicke Brille ein beliebtes Motiv von Karikaturisten ist, seine politische Karriere in Opposition zur tunesischen Führung. Er engagierte sich seit 1980 als Aktivist in der Tunesischen Menschenrechtsliga und übernahm neun Jahre später deren Vorsitz. Als Anhänger Ben Alis die Organisation 1994 unter ihre Kontrolle brachten, musste er ins Gefängnis und schließlich ins Exil nach Frankreich. Im Jahr 2001 gründete er eine linksgerichtete Partei, den Kongress für die Republik (CPR), deren Geschicke er aus dem Exil heraus lenkte. Erst nach Ben Alis Flucht kehrte Marzouki - ein ausgebildeter Arzt und promovierter Neurologe - in sein Heimatland zurück.

In Tunesien hatte vor einem Jahr der Arabische Frühling seinen Anfang genommen, der am 14. Januar mit der Vertreibung Ben Alis eine neue Ära einleitete.

hen/Reuters/dpa/AFP

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1. Marzouki
lichtwort.de 13.12.2011
Zitat von sysopEin ehemaliger Dissident steht an der Spitze Tunesiens: Das Übergangsparlament des nordafrikanischen Landes hat Moncef Marzouki zum neuen Präsidenten gewählt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,803333,00.html
Hier im Westen gab es Aufschrei beim Wahlsieg der "moderaten Islamisten" - in der islamischen Welt sind hingegen Aufschreie bei der Wahl dieses säkularen Politikers zu erwarten. Wie man's auch dreht. Man kann es nie allen recht machen.
2.
alijak 14.12.2011
Zitat von lichtwort.deHier im Westen gab es Aufschrei beim Wahlsieg der "moderaten Islamisten" - in der islamischen Welt sind hingegen Aufschreie bei der Wahl dieses säkularen Politikers zu erwarten. Wie man's auch dreht. Man kann es nie allen recht machen.
Naja ganz so ist es ja nicht. Von Aufschreien habe ich hier noch nichts mitbekommen. Es ist eher so, dass alle versuchen an einem Strang zu ziehen und die Islamisten von vornherein klar gemacht haben, dass sie nicht alleine regieren möchten. Ist natürlich strategisch geschickt, da man ihnen dann bei Misserfolg nicht die alleinige Schuld zuweisen kann. Ganz im Sinne von "nach der Wahl ist vor der Wahl". Also vielleicht nicht alles so schwarz-weiss sehen, ist auch besser fürs Gemüt.
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