Toter bei Zusammenstößen Tausende Tunesier protestieren gegen Massenarbeitslosigkeit

In Tunesien wächst die Wut: Tausende Demonstranten werfen der Regierung Versagen im Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit vor. Am Rande der Proteste wurde ein Polizist getötet.

Zusammenstöße in Kasserine: Premier Essid reist in die Protesthochburg
REUTERS

Zusammenstöße in Kasserine: Premier Essid reist in die Protesthochburg


Fünf Jahre nach der Revolution in Tunesien sind die wirtschaftlichen Probleme des Landes weiterhin nicht gelöst. Die Arbeitslosigkeit wächst, nach Angaben der OECD finden 62 Prozent der Hochschulabsolventen keinen Job.

Seit Tagen gehen deshalb junge Tunesier gegen die Regierung auf Straße. Auslöser ist der Tod eines jungen Mannes: Der 28-Jährige Ridha Yahyaoui hatte dagegen protestiert, dass ihm ein Posten im öffentlichen Dienst verweigert wurde. Dabei wurde er in der Stadt Kasserine von Polizisten getötet.

Am Donnerstag demonstrierten in Tunis und anderen Städten Tausende Menschen für mehr Jobs. Nach Angaben von Medizinern wurden bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei rund 40 Protestierende verletzt. Laut Innenministerium wurden zudem 59 Beamte verletzt. Am Rande der Kundgebungen wurde ein Polizist getötet.

Ein Zentrum der Proteste ist erneut die Stadt Sidi Bouzid. Dort hatte mit der Selbstverbrennung des Gemüsehändlers Mohammed Bouazizi vor fünf Jahren die sogenannte Jasmin-Revolution begonnen, die zum Sturz des Langzeitdiktators Zine el-Abedine Ben Ali führte. Nun haben Demonstranten erneut die Zufahrtstraßen nach Sidi Bouzid blockiert.

In der südtunesischen Stadt Guebeli setzten Demonstranten eine Polizeistation in Brand.

Wegen der Demonstrationen kehrt Premierminister Habib Essid vorzeitig vom Weltwirtschaftsgipfel aus Davos zurück. In einer kurzen Rede sagte er über die Massenarbeitslosigkeit in Tunesien: "Wir haben keinen Zauberstab um das Problem in kurzer Zeit zu lösen." Er versprach aber eine Untersuchung der Korruptionsvorwürfe gegen Vertreter des Staates.

Am Samstag will Essid nach Kasserine reisen. Für zusätzliche Aufregung sorgte eine Ankündigung der Regierung. Sie hatte die Schaffung von 5000 neuen staatlichen Jobs in der Stadt versprochen. Wenig später sprach Finanzminister Slim Chaker von einem Kommunikationsfehler: Stattdessen sollten die 5000 Staatsbediensteten, die derzeit in Kasserine beschäftigt sind, eine Weiterbildung ermöglicht werden.

syd/AP/AFP



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