Hunderte Festnahmen Tunesier protestieren trotz versprochener Hilfsmaßnahmen weiter

Seit Tagen kommt es in Tunesien zu gewalttätigen Protesten. Nach einem Krisentreffen versprach die Regierung nun mehr Unterstützung für Bedürftige - die Demonstrationen gingen trotzdem weiter.

Demonstranten in Tunis
Anadolu Agency/ Getty Images

Demonstranten in Tunis


In der tunesischen Hauptstadt Tunis hat die Polizei in der Nacht zu Montag Tränengas gegen Dutzende Demonstranten eingesetzt. Die sollen zuvor Steine auf Polizeiautos geworfen und Reifen in Brand gesetzt haben. In den vergangenen Tagen waren rund 800 Demonstranten nach Ausschreitungen in Haft genommen worden.

Die Proteste gegen Preiserhöhungen, den Sparplan der Regierung für 2018 sowie gegen die Korruption hatten am 7. Januar unter dem Motto "Fech Nestannew" ("Was erwarten wir?") begonnen. Vielfach schlugen sie in Gewalt um.

Die Demonstrationen rissen auch nach einem Entgegenkommen der Regierung nicht vollständig ab. Sozialminister Mohamed Trabelsi hatte nach einem Krisentreffen bei Präsident Essebsi einen Aktionsplan im Umfang von mehr als 70 Millionen Dinar (23,5 Millionen Euro) angekündigt, von dem mehr als 120.000 Bedürftige profitieren sollen. Die Regierung will unter anderem die Sozialleistungen für bedürftige Familien um mindestens 20 Prozent anheben.

Gleichzeitig ist Tunesien auf internationale Finanzhilfen und Kredite angewiesen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) knüpft die Zahlungen an umfassende wirtschaftliche Reformen. Unter anderem erhöhte die Regierung zu Jahresbeginn die Mehrwertsteuer und die Abgaben auf bestimmte Produkte. Lebensmittel, Benzinpreise und die Kosten für Telekommunikation wurden teurer.

Am Sonntag jährte sich zudem der Sturz des autoritären Präsidenten Zine El-Abidine Ben Ali zum siebten Mal. Der Umsturz war der Beginn des sogenannten Arabischen Frühlings, in dessen Verlauf Regime auch in anderen Ländern gestürzt oder ins Wanken gebracht wurden.

vks/dpa/AFP



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