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Geiselnahme in Nationalmuseum: Zahlreiche Menschen sterben bei Terrorattacke in Tunis

Bei dem Terroranschlag in Tunis sind laut Medienberichten fast zwei Dutzend Menschen getötet worden, darunter mindestens ein Deutscher, außerdem Touristen aus Italien, Polen und Spanien. Die Geiselnahme im Nationalmuseum ist demnach beendet.

DPA

Tunis - Die tunesische Regierung berichtet, dass die Polizei alle Geiseln aus einem Museum unweit des Parlaments in der Hauptstadt Tunis befreit habe. Bei dem Einsatz der Sicherheitskräfte seien zwei Geiselnehmer sowie ein Polizist getötet worden, teilte ein Sprecher des Innenministeriums mit.

Zuvor hatte es einen Anschlag auf das Nationalmuseum gegeben. Bewaffnete schossen um sich, es gab mehrere Tote. Der Regierung zufolge starben 19 Menschen, darunter 17 Touristen aus dem Ausland, auch mindestens ein Deutscher, außerdem Reisende aus Polen, Italien und Spanien. Das Auswärtige Amt in Berlin hat die Angaben noch nicht bestätigt. Man bemühe sich mit Hochdruck um Aufklärung, hieß es.

Nach tunesischen Medienberichten sind bei dem Terrorangriff und dem Zugriff der Sicherheitskräfte insgesamt 22 Menschen ums Leben gekommen.

"La Repubblica" berichtet von drei toten Engländern. Lokale Medien sprechen laut der italienischen Zeitung von drei Tätern. Die Unbekannten hätten Armeeuniformen getragen und das Feuer auf einen Bus eröffnet, der auf einem Parkplatz vor dem Nationalmuseum stand. Neben den zwei getöteten Geiselnehmern habe es einen dritten Attentäter gegeben. Dieser ist demnach ein 22-Jähriger Student, der gefasst wurde. Der tunesische Ministerpräsident Habib Essid sagte, es sei möglich, dass zwei bis Angreifer geflohen seien.

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Geiselnahme in Tunesien: Terror in Tunis
"Auf das Bardo-Museum ist ein Terroranschlag verübt worden", sagte Ministeriumssprecher Mohammed Ali Aroui dem Radiosender Mosaique FM. Dem Sprecher zufolge befanden sich zum Zeitpunkt des Anschlags rund hundert Touristen in dem Museum.

Sicherheitskräfte hatten das Museum nach der Attacke umstellt. Es liegt in unmittelbarer Nähe zum tunesischen Parlament. Nach den Schüssen wurde der Parlamentsbetrieb eingestellt. Das Gebäude wurde evakuiert.

Aufruf zu Terroranschlägen in Tunesien

Tunesiens Präsident Béji Caïd Essebsi will sich nach Angaben eines Sprechers später mit einer Ansprache an die Öffentlichkeit wenden. Ministerpräsident Essid kam zu Krisensitzungen mit den Ministern für Inneres und Verteidigung zusammen.

Unklar ist, wer hinter dem Anschlag steckt. Auf Twitter feierten Anhänger des "Islamischen Staats" (IS) die Tat. Erst am Dienstag wurde im Internet eine Tonaufnahme veröffentlicht, in der zu Anschlägen in Tunis aufgerufen wurde. Die Aufnahme soll von al-Qaida in Nordafrika stammen. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini machte "terroristische Organisationen" für die Attacke verantwortlich.

Im Jahr 2002 kamen bei der Explosion eines Gastankwagens vor der Synagoge der tunesischen Insel Djerba 16 Menschen ums Leben, darunter elf deutsche Touristen. Später bekannte sich al-Qaida zu der Tat.

Im Urlaubsland Tunesien begann Ende 2010 der Arabische Frühling, der zum Sturz des Langzeitherrschers Zine el-Abidine Ben Ali führte. Als bislang einziges arabisches Land gelang Tunesien der Übergang in die Demokratie. Mit dem Sturz Ben Alis gewannen jedoch auch islamistische Kräfte im Land neue Stärke.

Tunesien kämpft seit Jahren gegen den islamistischen Terror. Aus kaum einem Land sind mehr Unterstützer des IS nach Syrien und in den Irak gereist. Die Regierung spricht von 3000 Tunesiern, die sich der Terrormiliz angeschlossen haben.

otr/fab/mka/AP/Reuters/dpa

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