Selbstmordanschlag Schwere Explosion erschüttert Tunis

Im Zentrum der tunesischen Hauptstadt Tunis hat sich eine Frau in die Luft gesprengt. Mindestens neun Menschen wurden verletzt.

Polizei und Rettungskräfte am Tatort in Tunis
AFP

Polizei und Rettungskräfte am Tatort in Tunis


Eine schwere Explosion hat die Innenstadt von Tunis erschüttert. Wie das Innenministerium bestätigte, sprengte sich eine Frau in der Nähe mehrerer Polizeiautos in die Luft.

Wie der Sender "Europe 1" unter Berufung auf einen Ministeriumssprecher berichtete, wurden mindestens neun Personen verletzt, darunter acht Polizisten. Der Anschlag soll sich um 13.50 Uhr Ortszeit ereignet haben. Die etwa 30-jährige Frau soll einen Sprengstoffgürtel getragen haben. Der Nachrichtenagentur AFP zufolge wurde ihre Leiche am Tatort gefunden. Die Selbstmordattentäterin soll nicht als militante Dschihadistin bekannt gewesen sein, meldete die staatliche Nachrichtenagentur TAP unter Berufung auf das Innenministerium.

"Ich stand vor dem Theater und hörte plötzlich eine heftige Explosion", sagte Augenzeuge Mohamed Ekbal bin Rajib der Nachrichtenagentur Reuters. Lokalmedien zufolge ereignete sich der Vorfall auf der Avenue Habib-Bourguiba, einer der wichtigsten Verkehrsadern der Stadt mit Geschäften, Bars und Promenaden. Zahlreiche Krankenwagen und Polizeieinheiten sind im Einsatz. Der Tatort wurde weiträumig abgesperrt.

Polizisten in am Tatort in Tunis
AFP

Polizisten in am Tatort in Tunis

Im März 2015 waren mehr als 20 Menschen während einer Geiselnahme im Nationalmuseum Bardo in Tunis getötet worden. Im tunesischen Urlaubsort Sousse wurden im Juni desselben Jahres 38 Menschen erschossen.

Die wirtschaftlichen Folgen der Anschläge waren erheblich. Vor allem die Tourismusbranche wurden in Mitleidenschaft gezogen, die Gäste blieben wegen Sicherheitsbedenken aus.

Tunesien ist eine der wenigen Demokratien in der Region, in der nach den Revolutionen 2011 kein Bürgerkrieg oder großflächige Unruhen entstanden. Dennoch sollen sich geschätzt 3000 Tunesier dem "Islamischen Staat" oder anderen dschihadistischen Gruppierungen in Irak, Syrien und Libyen angeschlossen haben.

Im März 2016 hatten Dutzende Dschihadisten aus Libyen versucht, tunesische Sicherheitsposten in der Grenzregion Ben Guerdane zu besetzten. 20 Menschen starben bei dem letztlich erfolglosen Übernahmeversuch. Die tunesischen Behörden gingen davon aus, dass der "Islamische Staat" ein sogenanntes Emirat auf tunesischem Boden gründen wollte.

ala/mxw/AFP/Reuters/AP



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