Tunesien Zwölf Tote bei Anschlag auf Präsidentengarde

Die Bombe explodierte in einer der belebtesten Straßen der tunesischen Hauptstadt: Bei einem Anschlag auf einen Bus der Präsidentengarde sind zwölf Menschen getötet worden.

Polizisten und Rettungskräfte am Anschlagsort in Tunis: 30 Tage Ausnahmezustand und nächtliches Ausgehverbot für Tunis
AFP

Polizisten und Rettungskräfte am Anschlagsort in Tunis: 30 Tage Ausnahmezustand und nächtliches Ausgehverbot für Tunis


Bei einem Bombenanschlag auf einen Bus der tunesischen Präsidentengarde sind am Dienstag zwölf Menschen getötet und mindestens 16 weitere verletzt worden. Das gab das Innenministerium am Dienstagabend in Tunis bekannt.

Die Bombe explodierte am Nachmittag in der Nähe der Avenue Mohamed V., einer der belebtesten Straßen der Hauptstadt. Die meisten Todesopfer seien Mitglieder der Präsidentengarde, die in dem Bus unterwegs waren, sagte ein Mitarbeiter der Sicherheitsdienste.

Staatspräsident Béji Caid Essebsi verhängte "angesichts dieses schmerzhaften Ereignisses, dieser großen Tragödie" für 30 Tage den Ausnahmezustand und sprach ein nächtliches Ausgehverbot für Tunis aus. Zudem kündigte er einen "Krieg gegen den Terrorismus" an. Seinen für Mittwoch geplanten Staatsbesuch in der Schweiz sagte Essebsi ab.

Zu der Tat im Zentrum von Tunis bekannte sich zunächst niemand, zuletzt hatte die Extremistenorganisation "Islamischer Staat" (IS) aber immer wieder Anschläge in dem Land verübt.

Steinmeier: "Angriff auf die Demokratie"

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte die Attacke. "Dieser Anschlag gegen Angehörige der tunesischen Sicherheitskräfte ist ein erneuter Angriff auf die Stabilität des tunesischen Gemeinwesens und seine demokratische Verfassung", erklärte er in Berlin. "Uns bestärkt das nur darin, Tunesiens Stabilität und Sicherheit weiter nach Kräften zu unterstützen."

Frankreichs Staatschef François Hollande verurteilte bei seinem Besuch in Washington "mit größter Entschlossenheit diesen feigen Anschlag".

Seit dem Sturz des langjährigen Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali im Jahr 2011 verübten in Tunesien mehrfach islamische Fundamentalisten Anschläge. Der IS bekannte sich zu einem Anschlag auf das Bardo-Museum in Tunis im März, bei dem 21 Touristen und ein Polizist getötet worden waren, und zu einem Anschlag in Sousse im Juni, bei dem 38 Touristen getötet wurden. Erst Ende Oktober war der nach der Terrorattacke von Sousse ausgerufene Ausnahmezustand ausgelaufen.

Tunesien ist das Geburtsland des sogenannten Arabischen Frühlings und ist das einzige Land in der arabischen Welt, in dem die Demokratieproteste in bedeutende politische Reformen mündeten.

sun/AFP



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