Zwei Tote, acht Verletzte 18-Jähriger gesteht Messerattacke in Turku

Mit einem Messer stach er auf Menschen ein, zwei starben, acht wurden verletzt: Der 18-jährige Angreifer hat die Tat im finnischen Turku gestanden, streitet jedoch Mordabsichten ab.

Gedenken in Turku - "Frieden und Liebe, keine Gewalt"
REUTERS

Gedenken in Turku - "Frieden und Liebe, keine Gewalt"


Abderrahman Mechkah liegt noch im Krankenhaus, per Video wurde er in den Gerichtssaal geschaltet. Wie sein Anwalt nun mitteilte, gab der 18-Jährige das Attentat im finnischen Turku zu.

Der Marokkaner hatte am vergangenen Freitag auf Frauen eingestochen, zwei Menschen tötete er, acht weitere wurden verletzt. Mechkah gestand die Tat - laut seinem Anwalt streitet er jedoch jegliche Mordabsicht ab.

Das Bezirksgericht der Stadt im Südwesten Finnlands ordnete nach dem Geständnis Untersuchungshaft an. Der 18-Jährige befindet sich wegen einer Verletzung am Bein in stationärer Behandlung. Die Polizei hatte den jungen Mann nach seiner Tat mit Schüssen ins Bein gestoppt. Gegen ihn wird nun wegen Mordes und versuchten Mordes "mit terroristischer Absicht" ermittelt.

Videoschalte aus dem Krankenhaus in den Gerichtssaal
AP

Videoschalte aus dem Krankenhaus in den Gerichtssaal

Nach Polizeiangaben kam der Marokkaner Anfang 2016 nach Finnland und beantragte Asyl. Medienberichten zufolge wurde der Antrag abgelehnt. Ende 2015 bis Anfang 2016 hielt sich der Mann nach Angaben des Bundesinnenministeriums in Deutschland auf. Er stellte dort demnach aber keinen Asylantrag und wurde wegen illegalen Aufenthalts erkennungsdienstlich behandelt.

Attentäter soll in Deutschland unter falscher Identität gelebt haben

Die Nachrichtenagentur dpa berichtet jedoch, der Attentäter und weitere nach dem Angriff festgenommene Verdächtige hätten sogar monatelang in Deutschland gelebt. Dem Marokkaner seien bereits Anfang November 2015 in Niedersachsen Fingerabdrücke abgenommen worden.

Der junge Mann habe bei seinem Aufenthalt in der Bundesrepublik mehrere Alias-Identitäten benutzt. Die Ausländerbehörde in Dortmund verzeichnete ihn im April 2016 als "unbekannt verzogen". In Hamburg fiel er den Angaben zufolge den Behörden auf, weil er sich illegal dort aufhielt. In Neuss sei ihm eine Körperverletzung vorgeworfen worden. Wegen Terrorverdachts seien die Männer in Deutschland nicht aufgefallen, hieß es weiter.

Laut dpa haben sich zumindest zwei der vier anderen Festgenommenen ebenfalls in Deutschland aufgehalten. Einer von ihnen sei in Hamburg und Göttingen gewesen und wegen Raubes und illegalen Aufenthalts aktenkundig geworden. Dieser Mann habe mehr als fünf Alias-Identitäten benutzt. Ein weiterer Verdächtiger im Umfeld des Täters von Turku sei in Osnabrück zur Festnahme ausgeschrieben gewesen. In Hamburg sei der Mann wegen Diebstahls aufgefallen.

Im Juni hatte der finnische Geheimdienst Supo vor der steigenden Gefahr islamistischer Anschläge gewarnt. Aktivisten aus Finnland schlossen sich demnach der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) an und bauten ein "weitreichendes Netzwerk von Kontakten" in der Organisation auf. Der Geheimdienst erklärte, in Finnland würden rund 350 Islamisten überwacht - eine Steigerung um 80 Prozent gegenüber 2012.

kev/AFP/dpa



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