TV-Beiträge Bushs perfekte Propaganda-Maschine

Die US-Regierung bietet einen Service für amerikanische Lokal-Sender, den diese immer häufiger nutzen: Komplette Beiträge für die Nachrichten. Der Urheber wird gern verschwiegen. Auf diese Weise bringt die Administration elegant ihre Sicht der Dinge unters Volk.


Hamburg - Die Bush-Regierung macht sich eine Methode zunutze, die PR-Agenturen seit langen Jahren erfolgreich nutzen. Vorgefertigte Fernseh-Beiträge werden an TV-Stationen geschickt, die das Material dankbar annehmen, weil sie häufig finaziell nicht grade üppig ausgestattet sind. Einem Bericht der "New York Times" zufolge hat diese Art der Propaganda in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen.

Häufig werden sie demnach wie normale journalistische Beiträge eingesetzt - ohne kenntlich zu machen, wer hinter den Stücken steckt. Für den Zuschauer sei kein Unterschied zu merken.

Insgesamt 20 Bundesbehörden sollen diesen Trick zur Meinungsbildung genutzt haben; darunter auch das Verteidigungsministerium. Allein in den vergangenen vier Jahren sollen sie Hunderte solcher Nachrichten-Beiträge hergestellt haben. Sie sollen vor allem von lokalen Stationen ausgestrahlt worden ein.

Als Beispiele nennt die "New York Times" einen Bericht über einen jubelnden Amerikaner irakischer Herkunft, der anlässlich des Falls von Bagdad im Irak-Krieg in die Kamera rief: "Danke Bush, danke USA!" In einem anderen Beitrag geht es um die Verschärfung der Flugsicherheit, die der Reporter als "eine der bemerkenswertesten Aktionen in der Geschichte der Luftfahrt" bezeichnete.

In der Regel wird es in diesen Beiträgen vermieden offen ideologisch Stellung zu beziehen. Die Beeinflussung der Zuschauer läuft subtiler ab. Die "Reporter" zeigen die Regierung als aufmerksam und mitfühlend. Die Bandbreite der Themen ist dabei groß: Ob Irak-Krieg, Gesundheitsreform oder der Kampf gegen Fettleibigkeit bei Kindern.

Häufig bestehen diese Beiträge der "New York Times" zufolge aus Interviews mit hohen Beamten. Fragen und Antworten würden abgelesen, es gebe keinerlei Kritik und Hinweise auf Streitigkeiten oder Fehler in der Verwaltung seien ausgeschlossen.

Die Regierung weist den Propaganda-Vorwurf der Zeitung gegenüber zurück. Es stehe schließlich in der Verantwortung der Sender, darüber zu informieren, dass Beiträge über die Regierungspolitik von der Regierung kämen.



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