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TV-Demagoge Glenn Beck: Fox feuert Endzeit-Prediger

Von , New York

Er hetzte zur besten Sendezeit gegen Barack Obama und die Demokraten - und gab sich als Lautsprecher der Tea-Party-Bewegung. Doch dann verstieg sich TV-Polemiker Glenn Beck in immer abstrusere Apokalypse-Szenarien. Das war selbst dem erzkonservativen Sender Fox News zu viel.

TV-Polemiker Glenn Beck: Aus für den Cheerleader der US-Rechten Fotos
REUTERS

Die Apokalypse naht: "Der Sturm aller Stürme", sagt Glenn Beck. "Das Ergebnis wird ein katastrophaler, globaler Kollaps sein." Erdbeben in Japan, Kriege im Nahen Osten, Finanzkrise in Europa, Inflation allenthalben - und ein Demokrat im Weißen Haus. "Es gibt keinen Ausweg", prophezeit Beck. "Was kommt, wird übel."

Donnerstagabend auf Fox News: Glenn Beck ist mal wieder in seinem Element. Er steht vor einem halben Dutzend Schiefertafeln, auf denen er mit Kreide seine schillernden Weltuntergangsszenarien verewigt hat, ein Wirrwarr aus Kreisen, Kästen und Pfeilen. Eine Hand in der Hosentasche, die andere Richtung Himmel gestikulierend, bereitet er sein Publikum aufs Ende vor. "Alles, was ich will, ist, dass ihr gerüstet seid", flüstert er in die Kamera. "Damit ihr Obdach finden könnt."

Seit drei Jahren erregen Becks schrille TV-Kapriolen die Medien und die Politik, sorgen für die nötige Prise Paranoia, ohne die Amerikas Politdebatten ja dröge wären. Im Zenit seiner Regentschaft über Amerikas Zweifler, Endzeitprediger und Verschwörungstheoretiker kommandierte er Abermillionen Zuschauer am Tag.

Doch nun kommt das Ende erst mal für ihn selbst. Die Blütezeiten des US-Massendemagogen Glenn Beck sind vorbei. Einst das bebende, flehende, weinende Sprachrohr der Tea-Party-Bewegung, hat sich Beck längst im Labyrinth seiner abstrusen Politphantasien verirrt. Seine Fans fliehen in Scharen, seine Pseudothesen sind selbst für die Konservativen nicht mehr tragbar und jetzt wurde es sogar seinem TV-Gastgeber Fox News zu viel - der Sender verkündete das Aus für Beck.

Becks tiefer Sturz vom Posterboy zum Paria ist bezeichnend. Der heiße Volkszorn, der während des Streits um die Gesundheitsreform durchs Land schwappte, ist eiskalter Machtpolitik gewichen.

Seit Januar zieht die Tea-Party-Bewegung im Kongress die Strippen, zumindest die der Republikaner, etwa in der derzeitigen Haushaltsschlacht. Die Schreihälse werden erwachsen und lassen ihre am lautesten kreischenden Cheerleader weit hinter sich. Ex-Ikone Sarah Palin ist verstummt und verblichen, ihre Erbin Michelle Bachmann müht sich um politische Seriosität, mit Blick auf die große Wahl 2012.

Heulen, wimmern, wispern

Polternde Polemiker sind passé. Das spürte auch die Linke, mit der plötzlichen Absetzung ihres Helden, des Glenn-Beck-Gegenpols Keith Olbermann, der auf MSNBC tapfer und lautstark dagegengehalten hatte. Selbst Donald Trump, der die Flagge der rechten Konspirationsfreunde hochhält, wird sich rasch ein neues Thema suchen müssen.

Bei keinem wird das aber so deutlich wie bei Beck, der zwanghaft zur Parodie seiner selbst geraten ist. Dass sich selbst der rechtslastige Sender Fox News von ihm distanziert, will einiges heißen.

Noch 2009, im ersten Jahr bei Fox News, scheffelte Beck 32 Millionen Dollar im Jahr mit seiner apokalyptischen Panikmache gegen alle, die nicht in sein christlich-konservativ-weißes Weltbild passten. Gegen US-Präsident Barack Obama zum Beispiel, dem er vorwarf, einen "tief sitzenden Hass auf Weiße" zu hegen. Als Jeremia der Internet-Ära hatte Beck seine Jünger erst mit seiner Radio-Talkshow geködert und dann, nach einem kurzen Gastspiel beim CNN-Schwesterkanal Headline News, mit seiner eigenen TV-Vorabendshow bei Fox News.

Er heulte, er wimmerte, er wisperte ganz in der Tradition seiner historischen Idole wie Robert Welch, Gründer der rechtsradikalen John Birch Society. Mit Hilfe von Requisiten und Schultafeln spielte er den Oberlehrer der Angsthaber, puzzelte seine vielen Feindbilder zu einem grellen Panorama aus Wahn und Wut zusammen: Obama, Demokraten, Sozialisten, Anarchisten, Gewerkschaften, Bill Clinton, Muslime, Hisbollah, George Soros, Michael Moore, Hugo Chávez, Charlie Sheen, Abtreibungsbefürworter.

Becks Warnungen vor einem Komplott linker Kräfte, die sich zur Weltregierung verschworen hätten, um unter anderem die gottgleiche US-Verfassung mit säkularer Tyrannei zu ersetzen, brachten ihn aufs Cover von "Time". Er mobilisierte Massendemos mit dem Aufruf, "das Land zurückzuerobern". Ende August 2010 brachte er Zehntausende auf die Mall, die Prachtmeile Washingtons, unter dem Motto "Restoring Honor" - am Jahrestag der "I Have a Dream"-Rede von Martin Luther King, ein Affront voller Chuzpe.

Ins Abseits manövriert

Zwei Monate später riefen die TV-Satiriker Jon Stewart und Stephen Colbert an den gleichen Ort, zur Persiflage-Gegendemo "Rally to Restore Sanity and/or Fear". Dass dazu weitaus mehr Menschen kamen als zu Beck, war ein erstes Omen für dessen Verblassen.

Er wurde trotzdem kurz als Vizepräsidentschaftskandidat gehandelt, als Sidekick von Sarah Palin, als die noch umjubelt war. Die Republikaner beargwöhnten ihn, gierten aber nach seiner Grassroots-Power.

Doch nach der Kongresswahl im November ermüdeten die Wütenden, die US-Wirtschaft erholte sich langsam und Obama legte wieder zu. Nur Beck ließ nicht locker. Im Gegenteil: Er verrannte sich in immer bizarreren Tönen, sein Humor wich nervtötendem Gejammer. So donnert er seit dem Aufstand in Ägypten, die "Überlinke" und die "Islamizisten" wollten sich die Welt zu einem globalen "Kalifat" aufteilen.

Spätestens da lief das Fass über. Becks Quoten kollabierten, er verlor fast die Hälfte seiner Zuschauer - vor allem die begehrten jungen. Hunderte Werbekunden zogen ihre TV-Spots ab, übrig blieben Randsponsoren wie der obskure Goldvermarkter Goldline, dessen Umsatz Beck förderte, indem er den Dollar herunterredete. Selbst der konservative Kolumnist William Kristol vom "Weekly Standard" ächzte: Mit seinen "Tiraden" habe sich Beck endlich ins Abseits manövriert, "wie schon seine Vorgänger in den sechziger Jahren".

Beck hat schon neue Pläne

Fox News steckte in der Glaubwürdigkeitsfalle. "Die Story, was los ist und warum Amerika heute Probleme hat, die hat er, glaube ich, so gut er kann erzählt", sagte Senderchef Roger Ailes jetzt. "Ob man diese Story einfach so weitererzählen kann, da sind wir uns nicht so sicher." Ailes legte mit einem Seitenhieb nach: Die einen Gerüchte besagten, Beck sei gefeuert worden, die anderen, er habe gekündigt. "Wir sind mit beidem ganz happy."

Ein genaues Datum für das Ende der "Glenn Beck Show" wurde nicht bekannt. Becks Vertrag, der nicht verlängert wurde, läuft im Dezember aus. Schon plant er aber neue Unternehmungen - entweder die Übernahme eines bestehenden Kabelkanals oder die Gründung eines eigenen. Mit seinen Büchern, seiner Merchandising-Website und seiner Radioshow macht er weiter Millionen.

Nach Bekanntgabe seines Abschieds verglich sich Beck mit Paul Revere, einem Helden des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs, der 1775 mit einem nächtlichen Ritt die Patrioten vor den britischen Truppen gewarnt hatte. "Als Paul Revere auf sein Pferd stieg, sagte er nicht: Ha, das werde ich für den Rest meines Lebens tun", predigte Beck belebt. "Er stieg vom Pferd und kämpfte in der Revolution."

Die jetzige Revolution jedoch wird erst mal ohne Beck weitergekämpft.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 153 Beiträge
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1. Danke, ein wirklich schlechter Artikel.
propagare 08.04.2011
Tendenziös (mit welchen guten Absichten auch immer) UND pro Linke-Weltregierung. Ob man das nun mag oder nicht sei dahingestellt.
2. Immerhin
Gani, 08.04.2011
Immerhin stöst man diesen geisteskranken von der ganz gossen Bühne. Allerdings dürfte man sich nicht wundern wenn er dereinst eine 'Church of Beck' gründet - da gibts ja auch Steuervorteile abzugreifen...
3. Hmmmm....
blue_plasma, 08.04.2011
Bei Beck sehe ich eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder er ist geistig behindert ("hat ein Fehlerle", dann sollte man ihn medikamentös gut einstellen) oder er ist ein ganz mieser Demagoge und Volksverhetzer. Ich will mir gar nicht ausmalen, was bei uns in den Medien für ein Bohei stattfinden würde, wenn er in D "predigen" würde. Ich schätze mal, dass er bei uns im Knast sitzen würde. Warum schaffen es in den USA leider immer wieder solche Typen ein Millionenpublikum zu faszinieren und auf ihre Seite zu ziehen?
4. Klasse
maka2 08.04.2011
Die Daily Show hat Gestern eine ganz besondere Folge gemacht, zum Anlass des Tages: http://www.thedailyshow.com/full-episodes/thu-april-7-2011-jamie-oliver
5. Sprichwörter
kaiserjohannes 08.04.2011
Die Araber haben ein nettes Sprichwort: Wer die Wahrheit sagt sollte ein schnelles Pferd haben,.. So lange Beck gewissen Interessen als nützlich erschien wurde er geschützt, jetzt scheint aber die Zeit gekommen wo Kassandra zurück in ihren Keller muß. (Die Achaier stehen schon vor Troyas Toren, da braucht man niemanden mehr der zusätzliche Panik verursacht)
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Tea-Party-Bewegung
Ziele
Die Tea Party ist eine erzkonservative Bewegung, die seit dem Frühjahr 2009 gegen die Politik von US-Präsident Barack Obama Sturm läuft. Sie agitiert heftig gegen die Gesundheitsreform und die Steuerpolitik der Regierung und beschwört die Eigenverantwortlichkeit jedes Einzelnen. Die Bewegung steht der Republikanischen Partei nahe und spricht sich auch gegen Abtreibung und die Legalisierung der Homosexuellen-Ehe aus.
Köpfe
Als wichtigstes Tea-Party-Idol gilt Sarah Palin. Die ehemalige Gouverneurin von Alaska und Ex-Kandidatin der Republikaner für das Amt der Vizepräsidentin lobt auf Twitter die Tea-Party-Aktivisten und tritt als Rednerin bei der Bewegung auf. Der konservative TV-Sender Fox News hat Palin als politische Kommentatorin eingestellt. Längst wird darüber spekuliert, ob sie sich derzeit auf eine Präsidentschaftskandidatur vorbereitet. Ein weiteres Aushängeschild der Tea-Party-Bewegung ist der Fox-News-Moderator Glenn Beck . Der erzkonservative Talkmaster hat ein Millionenpublikum und gilt als Vordenker der Tea Party.
Erfolge
Die Wahl des Republikaners Scott Brown zum Senator in Massachusetts im Januar 2010 gilt als erster Erfolg der Tea-Party-Bewegung. Brown wurde Nachfolger des verstorbenen Demokraten Edward Kennedy. Bei den US-HalbzeitwahlenAnfang November folgten weitere Triumphe. Mehrere Tea-Party-Kandidaten gewannen einen Sitz im Senat - so zum Beispiel Marco Rubio (Florida), Daniel Coats (Indiana) und Rand Paul (Kentucky). Joe Miller konnte dagegen die großen Hoffnungen in Alaska nicht erfüllen - trotz der Unterstützung der Konservativen-Ikone Sarah Palin.

Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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