Twitter-Sturm nach TV-Duell: Romney und der Zorn der Bibo-Fans

Der Sieg im ersten TV-Duell? Geschenkt. Mitt Romney hat ganz andere Sorgen. Mit einem einzigen Satz hat er die "Sesamstraßen"-Freunde in den USA empört. Seitdem glühen die Twitter-Accounts, eine Parodie jagt die nächste.

Denver - Es ging um gewaltige Löcher im Haushalt, die Tücken der Gesundheitsreform und steigende Benzinpreise - stets schlug sich Mitt Romney im Duell mit Präsident Barack Obama beachtlich. Dann sagte er den einen fatalen Satz: "Ich mag PBS und ich mag Big Bird - aber ich werde die Subventionen trotzdem streichen". Die Twitter-Accounts glühten binnen Sekunden, Romney hatte es sich beim ersten großen Verbalzweikampf vor der Präsidentschaftswahl mit den Fans der "Sesamstraße" verscherzt.

Big Bird ist das US-Vorbild für den quietschgelben Vogel Bibo in der deutschen Version der Kinderserie und hat offenbar nicht nur in seiner primären Zielgruppe jede Menge Fans. Romney will die Finanzspritzen für den Sender PBS (Public Broadcasting Service), auf dem die "Sesamstraße" läuft, streichen. Er werde "nicht weiterhin Geld für Sachen ausgeben, für deren Bezahlung er Geld aus China leihen" müsse, so Romney weiter. Den entsprechenden Ausschnitt aus der Rede sehen Sie hier.

Der nichtkommerzielle Kanal ist auf staatliche Förderungen jedoch dringend angewiesen. PBS gilt in seiner politischen Berichterstattung als unabhängig und als wichtiger Pfeiler in der US-Medienlandschaft. Romneys Äußerung geht damit über die bloße Absetzung der "Sesamstraße" hinaus.

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TV-Duell-Spott: Romney und der Zorn der Bibo-Fans
Trotzdem fürchten die Freunde der Kindersendung vor allem um die Zukunft von Figuren wie Krümelmonster, Elmo und eben Big Bird. Schon kurz nach Romneys Aussage entbrannten auf dem Twitter-Accounts @firedbigbird (24.000 Follower) und den Hashtags #savebigbird oder #OccupySesameStreet hitzige Debatten, wie man dem bedrohten Großvogel beistehen könnte.

Mehr als 80-mal meldete sich auch der von der Entlassung bedrohte Big Bird ("Just got fired by Mitt Romney") selbst zu Wort. Er werde 2016 selbst an der Seite von Herman Cain zur Präsidentenwahl antreten, so seine Drohung. In Anspielung auf die Kontroverse um Präsident Obamas Geburtsort verkündete der Vogel: "Es geht das Gerücht um, Big Bird sei in einem kenianischen Nest geboren."

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TV-Duell in Denver: Leidenschaftlicher Romney, kühler Obama
Eine Flut von Fotomontagen macht seitdem die Runde - etwa in Gestalt eines arbeitslosen Bibo mit Bettelschild vor dem Supermarkt oder gegen Romney protestierende "Sesamstraßen"-Figuren. Eine Auswahl der Bilder auf Twitter sehen Sie hier.

Zehn Millionen Tweets binnen 90 Minuten

Die Aufregung um Romneys Big-Bird-Äußerung trug dazu bei, dass das 90-minütige Duell der beiden Kandidaten zum meist getwitterten politischen Ereignis der Geschichte avancierte. Mehr als zehn Millionen Tweets wurden zwischen 21 Uhr und 22.30 Uhr registriert. Um 21.53 Uhr, rund 20 Minuten nach "Big-Bird-Gate", erreichte der Twitter-Sturm mit knapp 160.000 Mitteilungen pro Minute seinen Höhepunkt.

Auch der Moderator, der 78-jährige Jim Lehrer, wurde während der Debatte ordentlich verspottet: Unter dem Twitter-Account @SilentJimLehrer gab der falsche Moderator lediglich Füllwörter und unmotiviertes Gestammel von sich - viele Zuschauer hatten den PBS-Anchorman in der Debatte als zu zaghaft und blass empfunden.

Nicht zuletzt die Frisur von Mitt Romney, seit Beginn des Wahlkampfs heiß diskutiert, war in der Debatten-Nacht wieder Thema für die Internet-Spaßvögel: Der User @ericgrant ließ Obama und Romney kurzerhand das Haupthaar tauschen.

jok/amz

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insgesamt 84 Beiträge
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1. optional
steelman 04.10.2012
Haliburton und andere dieser Art werden aber bestimmt weiterhin finanziert.
2. Spiegel-Artikel lesen ohne Twitter-Account?
bwolfer 04.10.2012
Schade, daß man nun anscheinend nun schon einen Twitter-Acccount braucht, um den Links in Spiegel-Online-Artikeln folgen zu können. Was kommt als nächstes?
3.
udolf 04.10.2012
Man kann den Menschen alles nehmen aber wenn es um das Internet, Fernsehsender oder nur um einen Figur geht da geht dann gar nichts mehr.
4.
twan 04.10.2012
Zitat von bwolferSchade, daß man nun anscheinend nun schon einen Twitter-Acccount braucht, um den Links in Spiegel-Online-Artikeln folgen zu können. Was kommt als nächstes?
Ich komme ohne Account auf den Link? Ist ja kein Facebook oder G+
5. Wenn Twitter das Problem auf Bibo reduziert...
markeg 04.10.2012
zeigt das eigentlich nur wie wenig sie verstanden haben. Wenn die republikaner wieder an die Macht kommen, dürften wir uns mal wieder auf Angriffskriege mit tausenden toten einstellen. Vielleicht sollte Obama bevor er geht noch schnell den Strafgerichtshof in Den Haag anerkennen, damit die Kriegsverbrechen dann endlich geahndet werden können. Vom Umweltschaden durch die weitere Leugnung der globalen Erwärmung will ich gar nicht anfangen.
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US-Präsidentschaftsdebatten: Nixons Bart, Reagans Witze

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.