U-Bahn-Anschlag in Minsk Staatsanwalt fordert Todesstrafe für Metro-Attentäter

Es war der schwerste Terroranschlag in Weißrussland seit der Unabhängigkeit des Landes: Bei einem Attentat auf die Minsker U-Bahn wurden im April 15 Menschen getötet. Jetzt fordert die Staatsanwaltschaft für die beiden Angeklagten die Todesstrafe.

Die Minsker Metro-Station nach dem Anschlag: Höchststrafe für die Angeklagten gefordert
AFP

Die Minsker Metro-Station nach dem Anschlag: Höchststrafe für die Angeklagten gefordert


Minsk - Die Staatsanwaltschaft sprach von einer "außergewöhnlichen Strafe": Der stellvertretende Staatsanwalt Alexej Stuk beantragte am Montag vor dem Obersten Gericht Weißrusslands für die beiden Angeklagten im Prozess um den Anschlag auf die Minsker Metro die Höchststrafe: Todesstrafe durch Erschießen.

Die autoritär geführte Ex-Sowjetrepublik verhängt und vollstreckt als einziges Land in Europa trotz internationaler Kritik noch die Todesstrafe. Menschen werden durch Genickschuss hingerichtet.

Der Hauptangeklagte Dmitri Konowalow soll nach Überzeugung der Anklage das Attentat am 11. April verübt und die Sprengsätze vorbereitet haben. Sein Mitangeklagter Wladislaw Kowalew gilt als Komplize. Bei dem Anschlag waren 15 Menschen getötet und mehr als 160 weitere verletzt worden.

Konowalow hatte in einem Video Foltervorwürfe gegen die Ermittler erhoben und sein Geständnis teilweise widerrufen. Kowalew bestreitet eine Beteiligung an dem Anschlag. Beide Männer müssen sich auch für zwei Explosionen in der Stadt Witebsk im Jahr 2005 sowie einer Explosion während der Feiern zum Unabhängigkeitstag im Juli 2008 in Minsk verantworten.

Das Verfahren ist aus Sicht von Beobachtern als widersprüchlich. Die Anklage hatte sich auf ein Geständnis der beiden 25-Jährigen berufen, allerdings keine Beweise präsentiert. Bei dem Strafantrag sei auch die "Meinung der Hinterbliebenen der Opfer" berücksichtigt worden, sagte Stuk. Das weißrussische Justizsystem steht international in der Kritik wegen Fällen von Folter, Beamtenwillkür, Beweisfälschung und Rechtsbeugung.

Der Prozess hatte im September begonnen. Der Anschlag am 11. April nahe der Residenz von Präsident Alexander Lukaschenko, bei dem auch 300 Menschen verletzt wurden, war der schwerste Terroranschlag in Weißrussland seit der Unabhängigkeit des Landes 1991. Er habe das Land destabilisieren sollen, hatte Richter Alexander Fedorzow zu Prozessbeginn im Minsker Justizpalast gesagt.

heb/dpa/dapd



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