U-Bahn-Attentat von Minsk Hauptverdächtigem droht Todesstrafe

Der Bombenanschlag in der Minsker Metro hat zwölf Menschen in den Tod gerissen, ein Mann und ein mutmaßlicher Komplize stehen unter dringendem Tatverdacht. Sie werden vom Geheimdienst KGB verhört - Berichten zufolge droht bei einer Verurteilung die Todesstrafe.


Minsk - Der Fahndungserfolg kam rasch: Nach der Bombenexplosion in einer U-Bahn-Station in Minsk hatten die weißrussischen Behörden am Dienstag einen Tatverdächtigen festgenommen. Einzelheiten waren aber zunächst nicht bekannt. Auf Videomaterial von Überwachungskameras sei ein weißrussischer Mann zu sehen gewesen, der eine Tasche in der U-Bahn-Station zurückgelassen habe, teilte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Andrej Schwed nun mit.

Der Mann und ein mutmaßlicher Komplize würden vom Geheimdienst KGB verhört, berichtete die unabhängige Agentur Belapan. Medien zufolge droht dem mutmaßlichen Täter die Todesstrafe. Die autoritär regierte Ex-Sowjetrepublik ist das einzige Land Europas, das Verurteilte hinrichtet - per Genickschuss.

Zuvor hatten die Behörden mitgeteilt, die Bombe sei offenbar funkgesteuert gewesen und unter einer Bank in der U-Bahn-Station Oktjabrskaja deponiert worden. Die Bombe explodierte am Montag während des abendlichen Berufsverkehrs, als Passagiere aus Zügen ausstiegen.

Bei der Explosion kamen zwölf Menschen ums Leben, mehr als 200 weitere wurden verletzt. Bislang hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt. Weißrussland gedenkt der Opfer mit einem nationalen Trauertag.

Berichte über Massenvorladungen

Am Ort der Bluttat suchten Fahnder, darunter sieben Sprengstoffexperten aus Israel, weiter nach Hinweisen. Der russische Botschafter in Minsk legte einen Kranz für die Opfer nieder. Die zentral gelegene U-Bahn-Station blieb weiter gesperrt.

Die Moskauer Zeitung "Kommersant" berichtete von Massenvorladungen der weißrussischen Behörden. Das Innenministerium in Minsk habe Blogger und Journalisten, die eine mögliche Verwicklung des autoritären Regimes von Präsident Alexander Lukaschenko in die Bluttat angedeutet hätten, zur Anhörung einbestellt, hieß es.

Nach Informationen der russischen Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" nahm die Polizei in Minsk am Montag bereits Personen fest, obwohl der Grund für die Explosion in der Metro noch völlig unklar war. Die Behörden würden die Situation ausnutzen, um den Druck auf die prowestliche Opposition zu erhöhen, beklagten Regimegegner in Minsk.

amz/dapd/dpa/AFP



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