Argentinien Wrack von verschollenem U-Boot entdeckt

Vor einem Jahr verschwand die "ARA San Juan" mit 44 Besatzungsmitgliedern. Eine private Firma hat das U-Boot nun 800 Meter unter dem Meeresspiegel entdeckt - und dafür viel Geld eingestrichen.

Argentinisches U-Boot "San Juan" (Archivbild)
REUTERS

Argentinisches U-Boot "San Juan" (Archivbild)


Es ist gut ein Jahr her, da verschwand das argentinische U-Boot "ARA San Juan" im Südatlantik. Zwei Wochen hatte die argentinische Marine nach dem Boot und seinen 44 Besatzungsmitgliedern gesucht, die Rettungsmission dann aber erfolglos abgebrochen.

Nun hat das private US-Unternehmen Ocean Infinity, das von der Regierung beauftragt worden war, das Wrack der "ARA San Juan" etwa 800 Meter unter dem Meeresspiegel gefunden. Das teilte ein argentinischer Behördenvertreter am Freitag (Ortszeit) mit.

"Das Verteidigungsministerium und die Marine informieren, dass die 'ARA San Juan' nach der Untersuchung der Stelle No. 24 mit einer Unterwasserdrohne in 800 Meter Tiefe positiv identifiziert worden ist", schrieb die Marine auf Twitter.

Die "ARA San Juan" war auf der Fahrt von Ushuaia im äußersten Süden Argentiniens nach Mar del Plata unterwegs gewesen, als sie verschwand. Die Besatzung führte einen Einsatz gegen illegale Fischerei am Außenrand der Wirtschaftszone Argentiniens durch. Die Grenze der Wirtschaftszone verläuft am Kontinentalsockel entlang, bei dem die Meerestiefe von 200 auf bis zu 3000 Meter abfällt.

Das Wrack sei nun etwa 460 Kilometer vor dem Golf von San Jorge und südlich von Mar del Plata entdeckt worden, wie die Zeitung "La Nación" berichtete. Dort war bisher bei der Suche nichts gefunden worden. Allerdings hatten die Angehörigen der vermissten Seeleute darauf gedrängt, an dieser Stelle noch einmal zu suchen.

6,5 Millionen Euro Finderlohn

Die US-Firma Ocean Infinity war bereits kurz davor, die Suche abzubrechen, weil die vertraglich festgelegten 60 Arbeitstage beinahe ausgeschöpft waren. Für den Fund des U-Boots soll Ocean Infinity 7,5 Millionen US-Dollar (6,5 Millionen Euro) erhalten.

Die "ARA San Juan" mit einer Kiellänge von 65 Metern wurde im Auftrag der argentinischen Kriegsmarine von den damals dem Thyssen-Konzern gehörenden Nordseewerken in Emden gebaut und 1985 in Dienst gestellt. Das U-Boot mit einem diesel-elektrischen Antrieb war für Tauchfahrten bis 300 Meter Tiefe ausgelegt.

Noch am vergangenen Donnerstag hatte der argentinische Präsident Mauricio Macri am ersten Jahrestag des Verschwindens des U-Boots versprochen: "Wir werden nicht aufgeben. Wir werden weitersuchen, bis wir es finden."

In seinem letzten Funkspruch hatte der Kapitän des U-Boots am 15. November 2017 gemeldet, dass Wasser über das Lüftungssystem in einen Batterietank eingedrungen sei und ein Kurzschluss einen Schwelbrand im Batteriesystem verursacht habe. Zweieinhalb Stunden nach dem Funkspruch hatten internationale Meeressonden eine Explosion auf der mutmaßlichen Position des U-Boots verzeichnet.

Verdacht auf Korruption

Einige Wochen nach Verschwinden des Bootes durchsuchte die argentinische Justiz das Hauptquartier der Marine in Buenos Aires sowie eine Filiale des deutschen Unternehmens Ferrostal. Die Behörden hatten den Verdacht, dass bei einer Überholung des U-Bootes in Argentinien Korruption im Spiel gewesen sein könnte. Verträge sollen demnach ohne Ausschreibungen vergeben worden sein und hätten unter anderem Ferrostaal sowie den deutschen Batteriehersteller Hawker zur Lieferung von Batteriezellen für das U-Boot begünstigt.

Auch der argentinische Verteidigungsminister Aguad hatte gesagt, es gebe Hinweise darauf, "dass die verwendeten Materialien nicht der erforderlichen Qualität" entsprochen haben.

Ferrostaal hatte damals auf SPIEGEL-Anfrage Berichte über Unregelmäßigkeiten zurückgewiesen. Es habe seinerzeit lediglich einen Liefervertrag über Ersatz-Batteriezellen des Originalherstellers Hawker für das U-Boot "ARA San Juan" vermittelt.

kha/AFP/Reuters/dpa



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